Es ist immer wieder interessant, welche Märchen über Safaris im Reise-Orbit kreisen. Eines davon handelt davon, wie lange eine Safari dauern soll.

Der Mythos: die 7-Tages-Safari

Vor zwei Wochen erhielt ich eine Anfrage. Nach einigen Emails hin und her und einem netten, ausführlichen Telefonat tüftelte ich an einem Reisevorschlag, der 8 Nächte/9 Tage auf Safari vorsah.

Postwendend erhielt ich die Antwort, meine Planung zeuge nicht von Kompetenz, denn ein Mitarbeiter eines anderen Reiseveranstalters habe erklärt, dass die ideale Dauer eine Safari 7 Tage sei.

Das ist schlichtweg und rundheraus falsch, aus vielen Gründen.

Ja, es stimmt, die großen Reiseveranstalter mit Standard-Safaris und Übernachtungen in den großen Bettenburgen haben die 7tägige Safari in Tansania als Standard definiert, aber nur 1. weil dadurch dem Standardgeschmack und 2. dem Standardbudget der meisten Mitteleuropäer entsprochen werden kann. Und vielleicht auch, weil es sich in Tansania aufgrund der Lage der großen Sopa-, Serena- und Wildlife-Lodges so anbietet.

Aber Standardformel lässt sich daraus keine ableiten.

 

Meiner Meinung entscheiden folgende Faktoren die Dauer einer Safari:

1. Die Länge einer Safari hängt der Route ab.

Parks und Gebiete, die räumlich enger aneinander liegen, können kompakter miteinander kombiniert werden als solche, die stundenlange Transfers erfordern.

In jenen Gebiete, wohin Transfers schon 6, 7 Stunden dauern, muss man mindestens 2 Nächte bleiben, sonst besteht eine Rundreise nur mehr aus Transferfahrten.

Gleiches gilt für Fly-in Safaris. Wenn man schon mal den finanziellen Aufwand eines Inlandfluges auf sich nimmt, muss man einfach ein Minimum an Tagen in einem Park verbringen, damit sich die Flugkosten rentieren.

Ol Doinyo Lengai am Lake Natron

Wer an den Lake Natron reist, z. B. um den Ol Doinyo Lengai zu besteigen, muss ausreichend Zeit einplanen, am besten 2 – 3 Nächte

2. Die Länge einer Safari hängt von der Saison ab.

Im Juli/August könnte eine Rundreise durch den Norden Tansanias gut und gerne 10 – 12 Tage dauern, einfach weil diese Monate zu den besten Zeiten für die Tierbeobachtung im Norden zählen. Gleiches gilt für Sambia, denn in den Monaten Juli bis September ist ein Park sehenswerter als der andere.

Anders sieht es im November oder im Februar aus. Monate zu Beginn der Monsunregen sind in Tansania beispielsweise schwieriger zu planen, weil die Tiere sich zerstreuen. Am besten sind die Bedingungen in der Serengeti und dem Ngorongoro Crater. Deswegen kann eine Safari im November oder im Februar kürzer ausfallen.

Großen Migration im Norden der Nord-Serengeti

Im Juli in die Nord-Serengeti zur Großen Migration zu fahren, erfordert – wegen der langen Distanzen – drei Tage in der Serengeti

3. Die Länge einer Safari hängt von den Vorlieben der Reisenden ab.

Eine Safari mit Pirschfahrten kann gestrafft gestaltet werden, aber sobald Tageswanderungen, Dorfbesuche, Walking Safaris oder andere Aktivitäten auf dem Programm stehen, müssen mehr Tage veranschlagt werden.

An Tagen, wo Wanderungen oder Kulturtourismusaktivitäten anberaumt sind, ist es manchmal unsinnig, noch ein paar Stunden Pirschfahrten rein quetschen zu wollen.

Lieber empfehle ich, einen vollen Tag wandern und Aktivitäten außerhalb der Parks machen, und dafür wieder den nächsten vollen Tag für Pirschfahrten zur Verfügung zu  haben.

Dies verlängert die Safari zwar (und ihren Preis), aber man hat ausreichend Zeit für die einzelnen Programmpunkte, nutzt die Eintrittsgebühren in die Parks aus, muss nicht hetzen und fühlt sich trotz der Dichte der Highlights nicht mit Eindrücken überfrachtet.

4. Die Länge einer Safari hängt vom Budget ab.

Meine Vermutung, warum sich die 7-tägigen Safaris in Tansania eingebürgert haben, ist das durchschnittliche Reisebudget. Anscheinend haben die großen Veranstalter die psychologischen Preisschwellen mitteleuropäischer Reisender erkannt.

Aber ich habe eine ganz klare Meinung dazu: Wer sich eine Safari nicht leisten kann, die 300 € pro Person teurer ist, nur weil sie einen Tag länger dauern muss (z. B. aus Routengründen), der sollte lieber noch ein Jahr sparen.

Wer so ein knappes Reisebudget hat, wird in Tansania mit all seinen Nebenkosten und dem hohen Preisniveau ohnehin nicht seines Lebens froh.

Chaka Camp in der Serengeti

Camps, wie hier das Chaka Camp in der Serengeti, sind eine gute Alternative zu den teuren Lodges.

Mein Tipp: Bevor Sie sich auf eine Reiseroute einschwören, legen Sie Ihr Reisebudget fest. Erst danach können Route, Dauer und Aktivitäten auf Safari realistisch geplant werden.

Bleiben Sie offen und lassen Sie sich überraschen, wie kreativ Reisevorschläge sein können, wenn Sie mir (relativ) freie Hand in der Planung lassen.