Der Urlaub steht kurz bevor. Sie freuen sich auf Strände so weiß wie ein jungfräuliches Hochzeitskleid. Sie träumen von bunten Fischen, die bunte Korallen zart küssen. Und wie stellen Sie sich die Safari vor? Unberührter Busch, soweit das Auge reicht. Naturbelassen, wild, abenteuerlich.

Ihre Wünsche in Gottes Ohr. Die Realität sieht mittlerweile leider anders aus. Plastik. Die Pest des 21. Jahrhunderts, die alles erstickt und überdeckt, die in die letzten Winkel der Erde kriecht, die Tier und Mensch wie ein zähnefletschender Listenhund selbst im armseligsten Dorf anknurrt.

Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Jeder einzelne Konsument darf sich selbst dafür ausschimpfen. Denn anders wie bei Luftverschmutzung, Ölkatastrophen oder der Rodung der Regenwälder trägt jeder einzelne Mensch bei nahezu jeder alltäglichen Handlung dazu bei, dass der Listenhund „Plastik“ immer lauter die Zähne fletschen kann.

Klar, ein Verzicht von Plastik erfordert die Änderung von Lebensgewohnheiten: anders einkaufen, vielleicht weitere Wege zum verpackungsfreien Markt in Kauf nehmen, frühmorgens schon daran denken, einige Tupperdosen für den Einkauf einpacken.

Mehr noch: Nicht nur der Alltag, sondern auch das Reiseverhalten muss sich ändern. In manchen Fällen, wie in Tansania, durch eine gesetzliche Bestimmung, die von Ihnen durch umsichtiges Packen und Verhalten noch unterstützt werden kann.

Plastikverbot mit Ausnahmen

Blaue Plastiktüten überall. In den Bäumen, hinter dem Haus, am Straßenrand, am Strand, sogar zwischen Flamingos und Gnus, verweht vom Wind, wie Geisterschiffe mit aufblähten blauen Segeln irren sie umher.

Sie sind der Regierung in Tansania neuerdings ein Dorn im Auge, deshalb gilt seit 1. Juni 2019 ein allgemeines Verbot von allen Plastiksäcken. Sie dürfen weder importiert, exportiert, produziert, zur Lagerung verwendet, verkauft oder allgemein einfach verwendet werden. Konkret geht es um Plastiktüten, die dem täglichen Konsumverhalten dienen.

Wortwörtlich wird aber in der Aussendung darauf hingewiesen, dass einige Plastikarten ausgenommen sind: „However, plastic or plastic packaging for medical services, industrial products, construction industry, agricultural sector, foodstuff, sanitary and waste management are not prohibited“. Was dies bedeutet, wird die Praxis erst beweisen müssen.

Die zweite Ausnahme: die wiederverschließbaren 1-Liter-Plastiksackerl mit Druckverschluss („ziploc bags“), die von den Airlines für die Flüssigkeiten und Kosmetika im Handgepäck vorgeschrieben sind. Diese einzuführen ist erlaubt, denn es wird davon ausgegangen, dass sie am Ende der Reise wieder mitgenommen werden (bitte erwähnen Sie dies im Notfall auch!).

Was bedeutet das für Besucher?

Ganz einfach: Verzichten Sie komplett auf Plastiktüten und -beutel, nicht nur wegen der Strafen und möglicherweise Schikanen bei der Einreise, sondern einfach aus Prinzip.

Raus aus dem Koffer: Plastiktüten, Plastikbeutel, Müllsäcke

Rein in den Koffer: Stofftüten, Stoffsäcke, Hartplastikcontainer, Kosmetiktäschen aus Stoff oder beschichteten Materialien, Kleintaschen für Kleinzeugs

Darf’s ein bisserl mehr sein?

Wenn Sie schon mal dabei sind, Ihren Plastikkonsum gezwungenermaßen zu drosseln, dann vergrößern Sie doch gleich den Wirkungsbereich Ihrer Anstrengungen!

Tansania hat ein riesiges Plastikproblem – nicht nur mit Tüten, sondern allgemein. Das Problem rührt nicht nur vom gedankenlosen Umgang mit Plastik, sondern auch daher, dass es kaum Recyclingmöglichkeiten gibt. Es existieren keine Sammelzentren wie bei uns. Plastik wird in einem Erdloch verbuddelt, verbrannt oder driftet im schlimmsten Fall sichtbar irgendwo an der Erdoberfläche herum.

Ein paar, leicht umzusetzende Denkanstöße:

  • Nehmen Sie leere Shampoo-Flaschen, Sonnencreme, Moskitolotion, o.ä. wieder mit nach Hause. 
  • Nehmen Sie eine qualitativ hochwertige Trinkflasche (ohne BPA), z. B. aus Edelstahl oder Glas mit nach Tansania, damit Ihretwegen keine Einwegflaschen für Wasser gekauft werden müssen. Es gibt mittlerweile sogar platzsparende, faltbare Wasserflaschen!
  • Verzichten Sie auf feuchtes Klopapier oder Reinigungstücher, weil sie abgesehen von den problematischen Inhaltstoffen viel langsamer als gewöhnliches Toilettenpapier abbaubar sind und die ohnehin bescheidene Kanalisation verstopfen.
  • Lehnen Sie Plastiktrinkhalme in den Restaurants und Unterkünften ab.
  • In Hotels greifen Sie lieber auf Ihre eignen Kosmetika zurück anstatt die praktischen, aber unsinnigen Mini-Plastiktuben der Hotels zu verwenden, die danach vom Putzpersonal entsorgt werden. Einige Hotels stellen wieder befüllbare Glasbehälter in die Zimmer – perfekt, würde ich sagen!
  • Verwenden Sie Papierwattestäbchen anstatt welche aus Plastik. Oder am besten gar keine.

Ich möchte nicht heiliger als der Papst sein. In vielen Bereichen ist eine Reduktion des Plastiks bei jetzigem Stand der Entwicklung von Afrika nicht möglich (z. B. bei den Lunchboxes, da es keine Alternativprodukte gibt), aber wo immer möglich, bitte tragen Sie dazu bei, dass nicht auch noch die Touristen das Müllproblem verschlimmern.

Haben Sie bessere Ideen zur Vermeidung von Plastik auf Reisen in Afrika? Oder Tipps, die sich noch leichter umsetzen lassen? Gerne ergänze ich die Liste. Bitte schreiben Sie mir unter info@safari-insider.com.