Ich hab mich im letzten Posting schon geoutet: Gruppenreisen sind nicht mein Ding. Aber es gibt Situationen, wo sie Sinn machen.

In meinem letzten Posting beschrieb ich, wann eine Privat-Reise besser zu Ihnen passt: Welcher Reisetyp sind Sie: Gehören Sie zu den Individualisten?

Wann genau machen denn nun eigentlich Gruppenreisen Sinn?

Bei ausgefallenen Routen

Gruppenreisen machen für mich dann manchmal Sinn, wenn die Route an Orte führt, die mittels Privat-Safari entweder logistisch oder budgetär nicht sinnvoll ist, z. B. an den Lake Malawi oder den Lake Victoria (auf einer Road-Safari).

ABER: Wenn die Strecken so weit sind, dass man besser fliegen sollte, dann gibt es ebenso wenig eine Kostenersparnis.

Für Preisbewusste

Die Kosten des Fahrzeugs werden durch 6 oder 8 Personen geteilt. Die Großhotels bieten sustanzielle Rabatte für Gruppen an. Außerdem kann das Trinkgeld geringer ausfallen, wenn mehr Leute im Fahrzeug sitzen.

Häufig sind die Reiserouten gestrafft und holen das Maximum raus, man ist permanent unterwegs und braucht wirklich Erholung danach.

Fast alle standardisierten Gruppenreisen führen in dieselben Gebiete, was in Verkehrsstaus auf gewissen Pisten resultiert.

Safari Gruppenreisen: Fast alle standardisierten Gruppenreisen führen in dieselben Gebiete

Gruppenreisen sind kompakt geplant. Da bleibt keine Zeit, Nebenpisten oder -Routen anzusteuern.

Für Alleinreisende

Ganz klar: Alleinreisende müssen sich fast einer Gruppe anschließen, wenn sie nicht die hohen Einzelzimmerzuschläge bezahlen wollen. Außerdem müssten die Kosten fürs Fahrzeug allein gestemmt werden, was die Kosten des Urlaubs ins Bodenlose katapultieren.

Für Reisende mit Sprachbarrieren

Die meisten Driverguides sprechen gutes Englisch. In den großen Agenturen, die die großen europäischen Reiseveranstalter buchen, gibt es zudem Fahrer, die Deutsch, Italienisch, Spanisch o.ä. sprechen.

D.h. wer des Englisch nicht mächtig ist, muss entweder bei diesen großen Agenturen buchen (und um einen deutschsprachigen Driverguide bitten) oder eben eine Gruppenreise, die häufig von deutschsprachigen Tourleadern betreut werden.

Gruppenreisen nach Tansania - gut für Alleinreisende

Gruppenreisen sind selten so konzipiert, dass man in echten Buschcamps schläft. (C) Kati Kati Tented Camp

Warum meine Aversion gegen Gruppenreisen?

Als mein Mann und ich in Tansania lebten und als Campmanager arbeiteten, erlebten wir, dass Gruppenreisen in den afrikanischen Busch die Magie des Ortes zerstören.

Zweimal pro Woche kamen Reisegruppen zu uns ins Camp, bestehend aus 8 bis 16 Personen – und es war jedes Mal die Hölle, nicht nur für uns als Verantwortliche, sondern auch für die Gäste.

Wir konnten, so sehr wir uns auch bemühten, den unterschiedlichen Bedürfnissen der Gäste nicht gerecht werden.

Das resultierte in Unzufriedenheit der Gäste (weil wir nicht schnell und umfassend genug auf Einzelwünsche reagieren konnten, obwohl sie ja so hohe Kosten für eine Safari in Kauf genommen hatten) und Unbehagen von unserer Seite (weil wir das Gefühl hatten, je mehr wir uns bemühen, desto unzufriedener wurden die Gäste).

Bitte bedenken Sie: Im Busch gibt es keine Zimmertelefone, keine Ablaufpläne, keine Computer, die Walkie-Talkies fressen Batterien im Stundentakt (weshalb wir aus Umweltschutzgründen keine mehr verwendeten); der Weg vom Büro zum Restaurant oder den Zimmern geht oft über Stock und Stein und kann schon mal 10 Minuten dauern, und manche Zelte liegen noch weiter vom Restaurant oder Büro entfernt.

Daraus lernte ich: Wenn Reisegruppen kleiner oder homogener (Freunde, Familie) sind, ist das Erlebnis für alle Beteiligten lohnender: die Besucher fühlen sich umsorgt und verstanden, die Hotelangestellten fühlen sich nicht überfordert und bleiben gut gelaunt.

Haben mehr Fragen zu Privat- oder Gruppenreisen?