Auf Schritt und Tritt begleitet – Teil 1

Reisende, für die eigenständiges Reisen in Asien, Amerika oder Australien zum Urlaubs-Alltag gehört, stoßen sich manchmal daran, dass man in Tansania, Kenia, Uganda oder auch Sambia kaum einen Schritt ohne Guide machen kann. Sie äußern den Wunsch, Wanderungen, Stadttouren oder auch ganze Tage ohne einheimische Reisebegleiter buchen zu wollen.

Natürlich ist es möglich, ohne Guides komplett eigenständig in Tansania zu reisen, das streite ich nicht ab. Aber mit Abstrichen in puncto Erlebniswert, Sicherheit, Komfort und Einblicke in den Alltag. Wer ohne Guide unterwegs ist, erfährt wenig vom echten Tansania. Guides schlagen Brücken zwischen Kulturen, „übersetzen“ Eindrücke und „erklären“ das „Unerklärliche“.

Ich selbst bin häufig mit Guides unterwegs, sowohl auf meinen Recherchereisen, als auch auf Safari oder Wanderungen oder in Stone Town. Obwohl ich Tansania oder Sambia in- und auswendig kenne, erfahre ich dennoch immer irgendetwas Neues.

Im heutigen Blog stelle ich den driver guide sowie den mountain guide vor.

Der Fahrer („driver guide“)

Mehr als nur ein „Chauffeur“

Driverguides holen Gäste vom Flughafen, absolvieren Transferfahrten, haben wertvolle Ortskenntnisse, erkennen Löwen im Gras auch auf weiten Distanzen und machen mit ihrem Wissen eine Safari erst so richtig interessant.

Einen Elefanten im Busch erkennen, das kann jedes Kind. Aber wissenswerte Eckdaten betreffend ihrer sozialen Fähigkeiten, der Familienstrukturen, der Wasser- und Futtermengen und vieles mehr liefert nur ein kompetenter Driverguide.

Er hilft beim Einchecken, speist (manchmal) mit den Gästen zu Abend, beantwortet bereitwillig Fragen über Schule, Alltag, Arbeit oder Geschlechterrollen, verhandelt mit den Polizisten auf der Straße, erkennt gefährliche Situationen mit Wildtieren, oder kann Distanzen für die Autofahrten realistisch einschätzen.

Abel war mein hilfsbereiter, lustiger, kompetenter Begleiter auf meinem Recherchetrip durch Tansania im Jahr 2015.

Kompetenz und Manieren

Gute Driverguides haben Ausbildungen und Schulen durchlaufen, verfügen über eine hohe soziale Kompetenz und sind meist schon so lange im Geschäft, dass sie mit den Eigenheiten der Ausländer gut umgehen können. Gute, kompetente Driverguides suchen selten lange nach Arbeit, sondern werden abgeworben oder weiterempfohlen. Sie sind bei Safari-Agenturen angestellt, haben fixe Arbeitsverträge. Weniger gute Guides oder solche, die ihre Freiheit wollen, arbeiten als Freelancer auf Abruf, z. B. in der Hochsaison, wenn händeringend Driverguides gesucht werden.

Klare Job Description

Die Aufgabe eines Fahrers ist klar umrissen: Sein Arbeitsplatz ist das Fahrzeug. Der Fokus der Arbeit besteht darin, die Gäste im Fahrzeug auf Safari von früh bis spät zu begleiten und zu unterstützen, Wildtiere zu spotten und die Pirschfahrten in den Parks mit Fakten zu untermauern.

Sobald es aber Programmpunkte außerhalb des Fahrzeugs gibt, kommen andere Guides ins Spiel.

Frank hatte die Ehre zwei Jahre zuvor … und wir hatten sichtlich Spaß!

Bergführer („mountain guide“)

Sie sind es, die passionierte Bergwanderer auf den Berg begleiten, vornehmlich auf den Kilimanjaro, den Mount Meru sowie den Ol Doinyo Lengai.

Erfahrung zählt

Meist beginnt ihre Laufbahn als Träger; sie dienen sich hoch. In den allermeisten Fällen verfügen sie über keine spezifische Ausbildung im Tourismus- oder Naturbereich, sondern ihren Status erreichen sie durch Erfahrung. Medizinische, botanische oder metereologische Kenntisse dürfen Bergsteiger von ihnen nicht erwarten, aber sie sind angenehme, besorgte und aufmerksame Begleiter beim Gipfelsturm.

Gute Bergguides drosseln das Tempo (falls der Schützling sich übernimmt), sind Motivationsexperten (falls der  Gipfel nicht näher kommen will) und stehen Bergwanderern unaufdringlich zur Seite.

Oft höre ich den Einwand, dass gerade Wanderer viel Erfahrung in europäischen Bergen haben und deshalb glauben, auf Bergguides verzichten zu können. Aber in den tansanischen Bergen gibt es kein gut gewartetes Wegenetz, Wegbeschreibungen oder Wegweiser. Der Großteil der Kili-Bezwinger ist noch nie im Leben über 4000 m gewandert, d.h. es braucht kompetete Unterstützung, um die Kräfte einzuteilen. Sie glauben ja gar nicht, wie unvernünftig Menschen auf dem Berg sein können, nur weil sie ihre eigenen Kräften überschätzen und beispielsweise nicht aufgeben wollen, weil sie ja so viel Geld für den Gipfelsturm bezahlt hatten. Vielen Wanderern wurde durch Guides bereits das Leben gerettet, weil sie beim zügigen Abstieg halfen.

Betrachten Sie den Guide einfach als Investition ins „Leben“: Sie sichern das Überleben seiner Familie und er sichert Ihr Überleben im Ernstfall – der hoffentlich nie eintritt.

Einer ganz vorne, einer hinten – die mountain guides fungieren als pace maker und Motivationstrainer.