Aus der Serie „Colors of Tanzania“

Das Tansania hinter der Postkartenidylle zu zeigen, ist das Ziel dieser Reihe. In regelmäßigen Abständen poste ich Alltagsschnipsel aus dem Leben der Tansanier.

1. Getrockneter Fisch ist oft die einzige Proteinquelle

Fischer zu sein, ist ein ehrenwerter Beruf in Tansania, egal ob am Meer, an einem Fluss oder an den großen Binnenseen. Fische gelten für die meisten Tansanier als Delikatesse, die sie sich nur alle heiligen Zeiten leisten können.

Ich erinnere mich an einen Freund in Dar es Salaam, der sich als Gastgeschenk am liebsten einen fangfrischen Fisch wünschte.

In vielen, besonders den abgelegenen, armen Gebieten sind luftgetrocknete Fische aus dem Lake Victoria (dagaa) oder über Feuer getrocknete oder frittierter Fisch die einzige Proteinquelle. Der Geschmack ist für unseren Gaumen gewöhnungsbedürftig (ja, wir haben’s ausprobiert, aber es hat nicht geschmeckt!), aber die Tansanier lieben ihre Fische.

2. Beim Herrenfrisör in Tanga

Wie die kleinen Minibusse (daladalas) sind die Frisörläden in Tansania immer poppig aufgemotzt. Der Fantansie sind keine Grenzen gesetzt, oft steht man schmunzelnd vor so einem Laden, weil die Bezeichnung oder die Illustrationen so kreativ sind.

Meist steht nicht mehr als ein Sessel im Raum, die Wände sind mit Hollywood-Schönheiten und Klunker-behangenen Rappern tapeziert.

Ausschließlich Männer lassen sich hier die Haare trimmen und rasieren.

Für Männer gelten ultrakurze Haarschnitte übrigens als hygienisch – da kann man die krausen Haare bei der Körperpflege bequem mit der Seife miteinschäumen.

Frauen machen sich gegenseitig die Haare, zu Hause. Da werden Freundinnen eingeladen, es wird gekocht, getrascht, gesungen. Denn die Haarprozedur kann schon mal Stunden dauern…

3. Muslimische Frauen in Dar es Salaam

Die Festlandküste und die Inseln sind überproportional muslimisch, aber hier spricht man vom „bunten Islam“. Die wenigsten Frauen sind vollverschleiert oder tragen eine Burka, nur auf Sansibar oder Pemba Island sieht man sie vereinzelt.

Die Konfessionen leben mehr oder minder friedlich nebeneinander, Katholikinnen heiraten Muslime und umgekehrt. Verschiedengläubige Nachbarn laden sich gegenseitig zu Hochzeiten und Begräbnissen ein. Gleiches gilt für religiöse Feste.

In Tansania habe ich den Eindruck, dass Frauen, egal ob muslimisch oder katholisch, sehr viel selbstbewusster als in rein muslimischen Gesellschaften sind.

Sie erhalten eine gute Schulbildung, gehen zur Arbeit, gründen nebenher eine Familie, fahren mit dem Auto, man sieht sie mit Schleier am Strand oder beim Sport und abends bei einer Flasche Cola beim Fortgehen.

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