Aus der Serie „Colors of Tanzania“

Die spektakulären Hochglanzfotos der großen Highlights kennt man ja aus Tansania – Kilimanjaro, Serengeti oder Sansibar. Aber wie schaut’s dazwischen aus, zwischen den Dörfern, abseits der Teerstraße? Wie sieht es in Gegenden aus, wo es nicht so viele Touristen hinverschlägt? Wie sieht der Alltag in Tansania aus?

Heute gibt’s mehr Fotos aus Dörfern und Landstrichen hinter der Postkarten-Idylle.

Typisch grün

Ähnlich wie beim Blau existiert ein für Tansania typisches Grün. Laut Wikipedia handelt es sich um seegrün, eine Farbe die „zwischen Grün und Blau liegend empfunden wird“.

Häufig stolpere ich über diese Farbe bei Plastikprodukten (Flip-Flops, Plastikgeschirr, Behälter), aber auch auf Fahrzeugen und Stoffen.

1. Kinder ohne Berührungsängste

Regelmäßig sahen wir uns, als wir noch in Tansania lebten, umringt von einer Kinderschar, die die weißen Ankömmlinge neugierig inspizierten. Wir könnten die tollsten Geschichten über Kinder erzählen, eine geht wie folgt:

April oder Mai 2006. Wir waren in Mbamba Bay gestrandet, mehr als 2 Wochen lang. Die Piste nach Mbamba Bay war aufgrund starker Regenfälle in katastrophalem Zustand. Wir mussten warten, bis es einmal zwei Tage nicht regnete, damit die Piste auftrocknet.

Wir waren die bunten Hunde im Dorf, die einzigen wazungu vor Ort und dementsprechend die Attraktion, quasi TV und Internet in Personifizierung. Man lud uns zu Dorfversammlungen, bat uns um Mitfahrmöglichkeiten zwischen den Dörfern („naomba lifti“, „ich bitte Dich um eine Mitfahrgelegenheit“) und teilte uns für kleinere Besorgungsfahrten ein. Es war ja sonst nichts zu tun für uns.

Eines Tages winkte uns eine Mutter mit 4 Töchtern runter und bat uns, ihre Kinder mitzunehmen, damit sie Besorgungen machen könnten. Ich hieß die Mädels an, ins Auto zu steigen. Eine begann ganz schüchtern an der Autotür zu fummeln, bis wir merkten sie bekam die Tür nicht auf.

Im Auto drinnen schnattern sie ganz aufgeregt durcheinander, sie waren tatsächlich noch nie in einem Auto gesessen! Die Kleinste gluckste unaufhörlich vor lauter Wonne, die Größte traute sich sogar, ihren Kopf nach vorne ins Cockpit zu stecken. Als sie ausstiegen, bedankte sich die Älteste artig bei uns mit Knickschen und erklärte überwältigt „Das war der schönste Tag in meinem Leben!“.

2. Maasai-Shuka in Rot und Grün

Die Tücher sind heute charakteristisch für die Maasai. Früher trugen die Maasai Umhänge und Schurze aus Ziegenleder.

Später im 19. Jh. versorgten die indischen Händler die Maasai mit in Erdfarben gefärbten Stoffen. Man vermutet, dass Anfang des 20. Jh. die schottischen und britischen Missionare Tartan-Karostoffe nach Kenia mitbrachten. Das satte Rot und das Karo imponierte den Maasai, sodass die indischen Händler die roten und grünen Karomuster adaptierten und  in abgewandelter Form (billiger) in Asien produzieren ließen.

Es ist belegt, dass erst in den 1960er-Jahren die bunten Stoffe (heute überwiegend aus chinesischem Polyester) zum Markenzeichen der Maasai avancierten.

3. Unverwüstliches Plastik in Grün und Blau

Um ihre Haushaltskassen aufzubessern, verkaufen Frauen alles, was ihr Grund und Boden und ihre Arbeitskraft hergibt. Fein säuberlich werden Tomaten, Zwiebel oder Kartoffel gestapelt und verkauft. Zu Erntezeiten bieten sie eimerweise Mangos oder Papaya am Straßenrand feil. In einigen Gebieten flechten sie Matten (mkeka), und verkaufen sie an vorbei rasende Autofahrer.

Hier, in Mto wa Mbu – der Landeshauptstadt der Bananen – versuchen sie, die üppige Bananenernte an Käufer zu bringen.

4. Zum Grün und Blau ärgern – bajiji trotzen dem Verkehrschaos

Erst 2008 oder 2009 begannen sie ihren Siegeszug in Tansania. Ausgehend von der Metropole Dar es Salaam, in der es zu bestimmten Stoßzeiten kein Fortkommen im Straßenverkehr gab, wollte man dem Kollaps ein Schnippchen schlagen. Heute sind sie das Taxi des „kleinen Mannes“, mit Preisen von 1000 – 5000 TSH je Fahrt und nach Distanz relativ billig (aber nicht mehr überall erlaubt, so wurden sie aus der Innenstadt von Dar verbannt). Gerade der Mittelstand nutzt die bajaji, sie sind zwar etwas teurer als Busse, erlauben aber Klein- und Mittelstandsunternehmern oder Angestellten flexibel und mobil zu sein.

Der Name stammt vom indischen Hersteller Bajaj, der die ersten Fahrzeuge nach Tansania importierte. Heutzutage sind sie in den meisten größeren Städten im Einsatz und unerlässlich im individuellen Nahverkehr.

Leider ist die Unfallstatistik der bajaji unrühmlich, denn durch die instabile Drei-Rad-Bauweise sind die Fahrzeuge auf den löchrigen Straßen mit unebenen Banketts noch unfallträchtiger. Sie fahren kreuz und quer, zwischen im Stau stehenden Autos, am Straßenrand, und dort, wo’s geradeaus geht, verfallen sie auch gerne in die Raserei. Je schneller sie fahren, desto mehr Kunden können sie transportieren…

Ähnlich wie bei den Daladalas ist um die Tuktuks ein Geschäftszweig entstanden. Kleinunternehmer mieten sie gegen einen Tagessatz und behalten die Differenz zu den Einnahmen. Bei Daladalas funktioniert es übrigens ebenso.

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