Aus der Serie „Colors of Tanzania“

Die meisten Tansanier haben noch nie einen Löwen oder einen Elefanten gesehen. Der Großteil kennt den Kilimanjaro oder die Serengeti nur vom Hörensagen. Und Sansibar?

Warum wir Weißen von Meer, Strand und Schwimmen so angetan sind, verstehen sie sowieso nicht.

Reisen vs. etwas erledigen

Wir Westler reisen um des Reisens willen. Wir nehmen viel Zeit und Geld in die Hand, um die Naturschönheiten und Charakteristika eines fremden Landes zu erleben. Die meisten Tansanier hingegen reisen nur, wenn es aus unabänderlichen Gründen geboten ist, z. B. wenn es in der Familie eine Hochzeit oder ein Begräbnis in einem anderen Landesteil gibt oder wenn man für Wahlen das Heimatdorf aufsuchen muss.

Wir mussten während unserer Zeit in Tansania also immer kleine Notlügen und Ausreden parat haben, wenn uns die Straßenpolizisten aufforderten, den Endpunkt und das Ziel unserer Fahrt zu nennen (damit sie entweder um eine Mitfahrgelegenheit bitten oder Schmiergelder erpressen konnten).

Gegen Ende (nachdem uns die korrupten Polizisten schon so nervten) gaben wir uns nur mehr als UN-Mitarbeiter auf, die im Kampf gegen Korruption im ganzen Land unterwegs waren…

Trotzdem bin ich immer gerne in Tansania unterwegs, je abgeschiedener und uriger, desto besser!

1. Von der Last, eine Frau zu sein

Auf die Brennholz schleppende Maasai-Frau trafen wir in der Nähe von Arusha, auf dem Weg nach Namanga, der Grenze zu Kenia. Sie war nicht sehr gesprächig, möglicherweise war sie auch des Kiswahili mächtig.

2. Steine mit Geschichte

In Bagamoyo, das nur etwa 1 Stunde nördlich von Dar es Salaam liegt, konzentriert sich der ganze Herzschmerz des Landes. Historisch gesehen ist es ein interessantes Städtchen, das viel Geschichte und Sehenswürdigkeiten bietet, aber es ist schwierig, an Bagamoyo Gefallen zu finden.

Die Menschen sind verschlossen, möglicherweise auch aufgrund negativer Erfahrungen mit Fremden über die letzten Jahrhunderte.

3. Koloniale Träume

Lindi ist eine verschlafene Distrikthauptstadt an der Südküste. Vor 10 Jahren war eine Fahrt dorthin noch ein Abenteuer, das je nach Wetterlage und hängengebliebene LKWs zwei, drei Tage dauern konnte. Nachdem 2011 die Teerstraße fertiggestellt wurde, braucht man nur mehr einen ganzen Tag für die Anfahrt.

Es ist ein Städtchen, das außerhalb von Raum und Zeit liegt: Die Anreise ist langwierig, fast fährt man auf der Teerstraße daran vorbei, weil es so unscheinbar wirkt. Die Geldbehebung bei der NBC-Bank geht die meiste Zeit nicht, weil Strom UND die Datenleitung gleichzeitig funktionieren müssen. Und selbst die Fischer hier unten fahren gemächlicher ihrem Fang entgegen. Nur die Deutschen wollten von hier aus die Welt erobern (sprich das Land regieren) und bauten Verwaltungsgebäude.

Hier im Bild ist die alte deutsche Boma, die heute kaum mehr als Gebäude erkennbar ist.

4. Michelin an den Füssen

Maasai-Männer und Frauen laufen und laufen und laufen. Frauen laufen stundenlang um Feuerholz oder Wasser zu holen (wie andere Ethnien ebenfalls). Oder Kinder treiben schon frühmorgens das Vieh auf die Weide. Sie marschieren viele Kilometer, um zum nächsten Markt zu gelangen, der einmal pro Woche irgendwo in der Umgebung stattfindet. Ihr Bewegungsradius ist enorm – und das meiste davon wird zu Fuß zurückgelegt.

Das Schuhwerk hiefür ist bescheiden, aber zäh und fast unkaputtbar: Sandalen aus Autoreifen.

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