Die Welt steht still. Mit ihr der Tourismus und das Reisen. Aber die nächste Safari kommt bestimmt. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, in Erinnerungen zu schwelgen oder sich selbst Lust auf Afrika zu machen, stelle ich Ihnen meine ganz persönliche „Ich träume mich nach Afrika – Playlist“ vor.

1. Homeless (mit Ladysmith Black Mambazo), Paul Simon

Lange bevor ich das erste Mal einen Fuß auf den afrikanischen Kontinent setzte, weckte Paul Simon die Sehnsucht nach Afrika in mir.

In den 1990er-Jahren hörte ich „Graceland“ rauf und runter und schwor mir schon damals, dass ich irgendwann mit Löwen und Elefanten auf du und du sein würde.

2. Vuli Ndlela, Brenda Fassie

Als wir 2003 (ach wie klassisch, ich weiß .-O) unsere erste Afrika-Tour von Johannesburg über Swasiland, Lesotho bis nach Kapstadt in Angriff nahmen, trat Brenda Fassie, die südafrikanische Musik-Legende, in mein Leben. Zwei Jahre später, 2005, kehrten wir Österreich den Rücken und zogen mit zwei Koffern und einer Metallkiste nach Tansania.

In unser Survival-Kit, in das wir von Autowerkzeug über Campingkocher bis hin zu Medikamenten und Spannungswandler nur die wichtigsten Dinge packen konnten, schafften es auch 5 CDs – eine davon war Brenda Fassie’s „Greatest Hits: The Queen of African Pop (1964 – 2004)“.

Seitdem hat Brenda Fassie einen ganz besonderen Platz in meiner Erinnerung.

3. Biko, Peter Gabriel

Zugegeben, kein Wohlfühl-Song, aber Steven Biko trug durch seinen Kampf wesentlich zum Ende der staatlich verordneten Rassentrennung in Südafrika bei. Als ich Jahre später eine Township-Tour in Kapstadt unternahm, poppte Peter Gabriel’s „Biiiiko, Bikoooo“ plötzlich in meinem Kopf auf …

4. The Click Song, Miriam Makeba

30 Jahre im Exil verbrachte Miriam Makeba. Als Stimme gegen die Apartheid durfte sie erst nach der Freilassung Nelson Mandelas 1990 in ihre Heimat Südafrika zurückkehren. Sie war mehr als eine Botschafterin Südafrikas, sie verstand sich als Afrikanerin und wollte allen Menschen in Afrika eine Stimme geben. Dass man sie „Mama Afrika“ nannte, sagt wohl alles. Sie sang Lieder aus ihrer Wahlheimat Guinea, aus dem Kongo oder Kenia, meist in der Originalsprache, die sie zwar nicht sprechen konnte, aber das hielt sie nicht davon ab, sie zu singen. Xhosa, Swahili, Portugiesisch oder Englisch, ihr Repertoire war schier grenzenlos.

Mich begleitet Miriam Makeba schon lange, „Pata Pata“ oder „Wimoweh“ summte ich seinerzeit schon am Schulweg.

5. Mbube (Wimoweh), Ladysmith Black Mambazo

Wenn wir gerade bei Wimoweh sind …. der Song darf bei einer Safari-Playlist nicht fehlen. Wohl einer der bekanntesten Songs über Afrika und Löwen, avancierte er später auf Englisch zum Welthit. Tatsächlich soll der Song (laut Wikipedia) von der Löwenjagd inspiriert sein. Ich kann dies nicht bezeugen. Wohl aber kann ich bezeugen, dass der Song mitten ins Herz geht.

Auf Safari ertappe ich mich tatsächlich öfter dabei, dass sich die Melodie aus dem Hinterhalt anschleicht und ohne Vorwarnung in meinen Adern pulsiert.

6. Waka Waka, Shakira

Es muss wohl irgendwann kurz nach der  WM 2010 gewesen sein, als es mich bei einer meiner Recherchereisen mit einem Freund in eine Disko in Moshi verschlug. Der Abend plätscherte so dahin, die Stimmung war heiter, als plötzlich „Waka Waka“ seinen Auftritt hatte. Binnen Sekunden verwandelte sich die Disko in einen Hexenkessel, alle tanzten, gingen mit, sangen, grölten, lachten, hüpften, schunkelten.

Es war ein fantastisches Bild: Die Tanzfläche war zum Bersten voll, die Leute hinter der Bar sangen lautstark mit, einige wagten sich auf die Theken und Tische. Die Disko bebte regelrecht. Auf einmal verstand ich die völkerverbindende Wirkung von Fussball.

7. Zilipendwa, Diamond Platnumz

Diamond Platnumz ist ein Superstar in Tansania. Auf Youtube hat er 3,35 Mio. Follower. „Zilipendwa“ hat knapp 28 Mio. Aufrufe. Er begleitet mich schon seit 2010, mal mehr oder weniger. Bei jeder Recherchereise gibt es ein, zwei Songs, die ich häufig höre, in Kneipen, Bars, hotelis, aus Transistorradios und Mobiltelefonen.

Irgendeinen Hit hat er immer, wenn ich gerade wieder einmal in Tansania bin.

8. Moyo, Vanessa Mdee

Sie geht ans Herz („moyo“ bedeutet Herz auf Swahili), mit ihrer süßen Stimme. Aber nicht alle Songs kommen so jugendfrei daher, wie man es ihrer Stimme zutrauen möchte. Wenn ich sie höre, denke ich eher an ein scheues Dikdik im Unterholz, das sich ein Leben lang an seinen Partner bindet,  monogam lebt und immer als Paar in Erscheinung tritt. Dass dem nicht so ist, beweisen ihre Videos. Selbst Dikdiks können zu Raubkatzen werden…

9. Amagugu, Insingizi

Das erste Mal hörte ich Insingizi – nun halten Sie sich fest – in Ehrenhausen in der Südsteiermark beim jährlich stattfindenden Folkfestival. Schon nach dem ersten Lied gab es kein Halten mehr, der gesamte Marktplatz wippte und schunkelte. Alle drei Bandmitglieder stammen aus Bulawayo in Zimbabwe, leben aber nunmehr in Wien.

Drei g’standene Mannsbilder, wie man auf österreichisch sagt, teils rund wie Hippos. Aber wenn sie ihre Lieder in Ndebele trällern, verwandeln sie sich in wendige, agile Wesen, immer akkurat im Rhythmus der Musik. Eben wie Hippos, die an Land ganz schön flink sein können.

10. Ndule, Jaja Bashengezi

In der Tierwelt würde Jaja wohl als Zugvogel durchgehen. Er stammt aus dem Kongo, flüchtet nach Entebbe (Uganda), wo seine Gesangskarriere Fahrt aufnimmt. Irgendwann verschlägt es ihn nach Washington D.C., wo er als Musiker und Sänger von befreundeten Künstlern auftritt. Er singt in sechs Sprachen, unter anderem auf Swahili und Luganda, und hat sich der Weltmusik verschrieben. Ein echter Zugvogel eben, der aber immer wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt.

11. Badilisha, Jose Chameleone

Was Diamond Platnumz in Tansania ist Jose Chameleone in Uganda – der Superstar schlechthin. Kein Chamäleon, mehr ein Elefant der Unterhaltungsindustrie, würde ich sagen. In „Badilisha“ singt er davon, dass ein Nebenbuhler ihm seine Liebste ausgespannt hat. Enttäuscht muss er feststellen, dass sie sich nicht verändert hat (naona umeshindwa kubadilisha: ich sehe, dass du es nicht geschafft hast, dich zu ändern).

Sie sehen, es geht in der afrikanischen Musik auch um dieselben Themen: Liebe, Betrug, Verlassenwerden.

12. Muhogo wa jang’ombe, Bi Kidude

Meine Playlist schließe ich mit traditionellen Klängen aus Sansibar von Bi Kidude, der Grand Dame des Taarab. Wehmütig und seufzend, wie eine Brise frischer Luft, die sich gegen eine stickigschwüle Nacht auf Sansibar auflehnt.

Bi Kidude zu hören, erinnert mich an eine wochenlange „Quarantäne“ in Stone Town, als ich die Erstauflage des Stefan Loose für Tansania schrieb. Wegen des Internets musste ich vom Busch „in die Zivilisation“, just während des Ramadan. Niemals werde ich die Abende vergessen, als nach Sonnenuntergang die Stadt plötzlich aus dem Dämmerschlaf erwachte und Taarab-Klänge (gepaart mit köstlichen Duftschwaden) aus fast jeder Tür in meiner Nachbarschaft ertönten. Am dritten oder vierten Tag fragte mich ein Nachbar, warum ich denn immer alleine durch die Gasse schleiche (mein Mann musste in der Safari Lodge im Selous Game Reserve die Stellung halten). Spontan lud er mich zum Abendessen in sein Haus ein, mit der Option, jederzeit wieder am Abend an seinem Tisch speisen zu können.

 

Ich hoffe, ich konnte Ihre Sehnsucht nach Afrika ein wenig stillen. In der Playlist ist alles vertreten, was Afrika ausmacht: mitreißende Rhythmen, Wehmut, Hoffnung, Fußball, Staub und Tränen, Löwen, glutrote Sonnenuntergänge, grausame Gesellschaftssysteme, verschmähte Liebe, der Kampf nach Anerkennung, endlose Savannen, wendige Flusspferde, trampelnde Büffel und grazile Impalas.

Holen Sie sich Afrika ins Ohr und nach Hause! Es juckt in den Beinen, Nicht-Mitschunkeln (oder zumindest -Nicken) ausgeschlossen …. und am geistigen Horizont taucht tatsächlich ein Elefant auf. Falls Sie Ihr Fernweh damit gar nicht in Griff kriegen….