Ein zartrosaorangevioletter Lichtstreifen am Horizont, der ein bisschen wie Zuckerwatte auf Balsamico-Essig schmeckt: Tansania öffnet sich wieder den internationalen Touristen. Was verschlossen bleibt: seriöse, gesicherte Informationen. Deshalb gilt es, Eigenverantwortung wahrzunehmen und bei der Planung einige Dinge zu beherzigen.

Tansania öffnet seine Pforten

Es fühlt sich ein bisschen wie ein Ski-Opening an: alles fährt hoch und langsam kommt Bewegung auf die Piste (sorry, vielleicht ein lahmer Vergleich angesichts der österreichischen Virenschleuderei im Wintersportort Ischgl).

Als erstes Land in Afrika hat Tansania die Grenzen für internationale Reisende geöffnet. Verschiedene Airlines nehmen infolgedessen den Flugverkehr wieder auf. Die meisten gehen’s mit Ende Juni/Anfang Juli 2020 an, einige wenige warten noch bis Mitte Juli.

Die internationalen Flughäfen auf dem Festland haben ab sofort geöffnet, ebenso alle Nationalparks und Schutzgebiete. Sansibar ist noch zögerlich, wird aber vermutlich demnächst nachziehen.

Von Regierungsseite ist ab sofort die Einreise nach Tansania ohne 14tägige Quarantäne möglich. Die Heilige-Corona-Dreifaltigkeit – Gesichtsmasken, Social Distancing, Händehygiene – wird (no na net) vorausgesetzt. Noch graue Theorie: Es soll zukünftig ein Passagier-Informations-System geben, wo Besucher im Vorfeld Angaben zu ihrem Bewegungsradius machen müssen.

Wie schlimm hat es Tansania eigentlich erwischt?

Nur eines ist gewiss: Nix Genaues weiß man nicht.

Leider zeichnet sich der tansanische Präsident nicht gerade durch lösungsorientiertes Krisenmanagement aus. Abgesehen von wirren Ansagen erinnert der Präsident, der schon lange vor Corona wie ein Bulldozer über das Land, die Meinungsfreiheit und die Demokratie gefahren ist, in seinem Gebahren an das Trump’sche Rumpelstilzchen – nur ohne Twitter. Frei nach dem Credo: Wenn man nicht darüber spricht, dann findet’s auch nicht statt. Seit Wochen vermeldet das statische Amt 509 Infizierte, aber wer nicht testet, braucht keine Zahlen verlautbaren. Wer zensuriert, der kann die Fakten ohnehin ignorieren.

Es gibt widersprüchliche Informationen, und ich bin sehr vorsichtig in der Bewertung dieser. In Europa entwickelte sich ja jeder seine eigene Wahrheit, je nach Interessenlage, Betroffenheit und Nähe zu erkrankten Personen. Ähnlich dürfte es in Tansania sein. Die einen erzählen, dass sie kaum Erkrankte kennen, und andere rufen den nationalen Gesundheitsnotstand samt Weltuntergang aus. Die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte liegen.

Sind Safaris in den nächsten Monaten möglich?

Schlicht und ergreifend: Es gibt keine gesicherten Zahlen über Infektionen oder Todesfälle, was eine seriöse Vorhersage ausschließt.

Juli und August – möglicherweise auch der September – sind schwer einschätzbar.

Aber darüber hinaus darf wieder an Safaris gedacht werden: Dezember bis März zählen grundsätzlich zur besten Reisezeit für Safaris in Tansania, weil sich Millionen von Tiere – leicht erreichbar – in der südlichen Serengeti und dem Ngorongoro Crater aufhalten, anlässlich eines des weltgrößten Naturwunders: der Große Migration.

Von Dezember bis März findet sich im südlichen Teil der Serengeti und in der Ngorongoro Conservation Area die Große Migration ein – ein unvergessliches Schauspiel mit Millionen von Wildtieren!

Was ist bei der Safari-Planung zu beachten?

1. Meiden Sie Städte, Ballungszentren und große Hotels.

In Gebieten mit vielen Menschen auf engem Raum ist die Ansteckungsgefahr höher. Deshalb sollten Sie so schnell als möglich Dar es Salaam, Arusha oder Moshi verlassen.

Stone Town würde ich komplett aus dem Programm streichen, denn in den engen Gassen gibt es keine Ausweichmöglichkeiten.

Ziehen Sie Unterkünfte in Erwägung, die sich am Stadtrand oder in Grünlage befinden. Ebenso sind große Hotels zu meiden – viele Menschen, viel Unsicherheit.

2. Reisen Sie abseits des Massentourismus.

Ich weiß, das behaupten die meisten „Standard-Safaris“ von sich, aber dem ist nicht so.

Wie Sie das überprüfen können? Schwierig, aber einer der Gradmesser ist der Preis.

Bei einer „preiswerten“ oder „leistbaren“ Safari – da können Sie mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Sie mitten im Massentourismus sind. Warum? Weil Unterkünfte oder Gebiete, die isoliert oder weit weg von den Hauptstraßen liegen, höhere Logistik- und Betreiberkosten bei gleichzeitig geringerem Gästeaufkommen haben.

Meine Tipps? Da gibt es unzählige, z. B. Ruaha National Park, Katavi National Park oder Lake Natron. Lesen Sie doch auch meinen Blog-Beitrag über abgeschiedene Orte für die Wohlfühl-Quarantäne.

3. Verzichten Sie auf Inlandflüge.

Ich weiß, leichter gesagt als getan.

Aber gerade an den Stadt-Flughäfen Arusha, Sansibar oder Dar es Salaam hat man nicht viele Möglichkeiten, den nötigen Abstand zu wahren.

Entweder Sie verzichten auf den Strandabschluss (also inklusive Flug nach Sansibar oder Mafia Island) oder Sie stellen sich auf eine lange Anfahrt per Auto z. B. an die Festlandküste ein.

Meine Empfehlungen: Ushongo Beach oder Ras Kutani.

4. Bewegen Sie sich in der frischen Luft.

Nutzen Sie die Gunst der Stunde und machen Sie eine Safari mit vielen Outdoor-Aktivitäten, Wanderungen und Walking Safaris. Im Freien ist die Ansteckungsgefahr viel, viel geringer.

Fresh Air Therapy … das beste Mittel gegen Lagerkoller, dicke Luft und Viren: Bewegung im Busch.

5. Buchen Sie überschaubare, familiäre Camps mit offenen Strukturen ohne Schlacht am Buffet.

Sprich: Buchen Sie Camps mit 6 oder 8 Zelten, wo das Restaurant-Zelt, das so genannte mess tent, an den Seiten offen ist. Das garantiert die Zirkulation von Frischluft.

Außerdem haben solche Camps in der Regel keine Buffets, sondern die Mahlzeiten werden an den Tisch serviert. Die offenen Strukturen erlauben großräumiges Ausweichen, was beispielsweise in gemauerten Hotels mit engen Hotelgängen nicht möglich ist.

6. Buchen Sie Privat-Camps.

Es gibt nicht viele davon, aber es gibt sie doch, und bekannt sind sie den Tansania-Spezialisten.

„Privat-Camp“ bedeutet, dass Camps entweder nur für Sie aufgestellt werden oder dass permanent 3, 4 Zelte aufgebaut sind. In jedem Fall sind solche Privat-Camps immer klein und schnuckelig.

Exklusiv kann man auch dazu sagen, was aber nicht gleichbedeutend mit „luxuriös“ ist.

Exklusive Safaris mit Privat-Camps…. bedeutet nicht unbedingt luxuriös. In jedem Fall haben Sie den Busch für sich allein.

Und was, wenn das Virus doch einen Haken schlägt?

Für den Fall, dass Corona wie ein Zyklon einen Haken schlägt, und ein zweites Mal über Tansania (oder Afrika) wirbelt, haben die Leistungsträger Vorkehrungen getroffen. Die Camps und Lodges sind kulanter geworden, was die Stornofristen und Zahlungskonditionen anbelangt. Sie haben ihre Stornofristen oder gar ihre Zahlungsziele verkürzt. In der Praxis bedeutet dies, dass Stornos bis zu 4 Wochen vor Reiseantritt kostenfrei sind und dass vielfach auf Anzahlungen verzichtet wird.

Mit meinen Partnern habe ich ein sehr gutes Einverständnis. Davon profitieren Sie, denn sowohl ich als Veranstalter als auch die Hotels sind an einem fairen Miteinander in gebeutelten Zeiten interessiert.

Und ich?

Eine Kundin hat mich gefragt, was ich persönlich machen würde.

Hmmm, da muss ich nicht lange überlegen: Ich würde in jedem Fall die Safari antreten (außer es gibt politische Verbote oder Quarantäne-Vorschriften).

Aber das hat vor allem mit meiner Psycho-DNA zu tun. Ich bin hart im Nehmen. In Afrika zu leben, zu arbeiten und zu reisen schärfte meinen Blick für das Wesentliche. Vieles von dem, was uns in Europa „Angst“ macht, ist für mich nicht (mehr) relevant.

Ängste (oder „sich Sorgen machen“) sind unkluge Begleiter in Afrika. Wenn Sie ständig in Sorge sind, ist der Urlaub kein Urlaub mehr und wird zur Tortur.

Der Gemütszustand „Sorgend“ ist erstens nicht erholsam und zweitens tückisch, denn man fängt sich erst recht was ein. Ja, natürlich gibt es ein erhöhtes Risiko in Afrika an Gottweißwas zu erkranken (ganz abgesehen von Corona).

Die Forschung hat mittlerweile bewiesen, dass Sorgen und Ängste das Immunsystem angreifen. Dieses benötigen Sie aber gerade in Afrika.

Bevor Sie also eine Reise planen oder buchen, gehen Sie in sich. Sie tun sich keinen Gefallen, in den nächsten Monaten eine Safari in Tansania anzutreten, wenn Sie vor Sorge vergehen.

Ja, es ist schwierig, momentan Entscheidungen zu treffen. Doch wenn Sie es genauso wenig wie ich erwarten können, bald wieder nach Afrika zu kommen, gehe ich Ihnen gerne mit detaillierten Destinationskenntnissen abseits des Massentourismus zur Hand.

PS: Alles, was hier für Tansania angeführt ist, gilt natürlich auch für Sambia oder Uganda. Wobei Sambia aufgrund der dünnen Besiedelung und des fehlenden Massentourismus eine der besten Geheimtipps für Safari-Enthusiasten für die nächsten Monate ist!