Erfrischt von einem kühlen Bier möchte ich diese herrliche Stelle am liebsten gar nicht verlassen. Eine halbe Stunde lang diente sie mir als Logenplatz für einen malerischen Sonnenuntergang. Unser Guide drängt zum Aufbruch.

Noch etwas emotional bewegt von dem grandiosen Naturschauspiel zerdrücke ich eine kleine Träne im Augenwinkel und stehe auf. Schließlich ruft gerade die Übergangphase zwischen hellem Tageslicht und tiefschwarzer Nacht hungrige Wildtiere auf den Plan.

Ziehen Sie sich warm an

Der „Spotter“, oft ein Guide in Ausbildung oder ein berufliche Aufstiegschancen witternder Camp-Angestellter, bereitet die Nachtsichtlampe vor. Dieser Hochleistungs-Schweinwerfer soll uns gute Dienste leisten.

Glossar: Night Game Drive ist eine Pirsch per Fahrzeug in der Dunkelheit. In Sambia wird diese spezielle Form der Tierbeobachtung meist gleich im Anschluss an die Abendpirschfahrt und den Sundowner unternommen. In Tansania, je nach Camp und Park, manchmal auch später, ab 20 Uhr. Dauer: max. 1,5-2 Stunden.

So heiß es gerade noch war, sobald die Sonne verschwunden ist, kann es im Busch ziemlich kühl werden. Der Fahrtwind trägt ebenfalls zu dieser merklichen Frische bei. Der perfekte Zeitpunkt, um in eine windundurchlässige Fleecejacke zu schlüpfen und den Kopf mit einer Bandana und/oder Kappe zu bedecken. Mit hochgeschlagenem Kragen und übergestülpter Kapuze bin ich bestens ausgestattet. Es kann losgehen!

Die erste halbe Stunde rattern wir im offenen Geländewagen durch den Park. Noch gibt es nicht viel zu sehen. Rund um uns ist es stockdunkel und empfindlich kühl.

Ziel einer Nachtpirschfahrt ist es, nachtaktive Tiere zu beobachten. Die Chancen dafür stehen 50:50. Es gibt keine Garantie dafür, dass spektakuläre Tiere unseren Weg kreuzen. Wem jedoch das Glück hold ist, der kann sogar Leoparden oder porcupines (Stachelschweine) sehen.

Gewusst wo

In Sambia sind Night Game Drives in nahezu allen Parks möglich. In der Regel sind sie bereits in den Übernachtungspreis der Camps/Lodges, die in einem solchen Park liegen, eingerechnet. Unterkünfte außerhalb der Parkgrenzen verrechnen sie manchmal extra (Fahrzeug, Guide, Parkgebühren). In Tansania sind Night Game Drives bis auf Lake Manyara und Selous Game Reserve nur in privaten Conservancies, Game Reserves und einigen Wildlife Management Areas (WMA) erlaubt. In Uganda sind sie punktuell möglich und (gegen Aufpreis) erlaubt, aber mangels Wildtieren ernüchternd.

Auf Night Game Drives habe ich schon alle Eventualitäten erlebt: einen Löwen-Kill, Leoparden direkt auf der Piste und grasende Hippos. Aber ich kenne es auch anders – etwa die Hälfte meiner Nachtpirschfahrten endete ohne großartige Sichtungen.

Action, Baby!

Halt! Plötzlich bleibt das Fahrzeug stehen, der Spotter richtet den Lichtkegel auf eine kleine Lichtung, wo er eine Ginsterkatze (Genet) gesehen haben will. Wir möchten sie auch sehen und verrenken uns die Hälse – allerdings ohne Erfolg. Für unsere Augen ist da nichts zu erkennen. Mir drängt sich die Frage auf, wie der Spotter und der Guide unisono im Bruchteil einer Sekunde dasselbe Tier erspäht haben wollen. Wir werden wohl nie erfahren, ob es diese Ginsterkatze wirklich gab. Womöglich war die angebliche Sichtung doch nur eine Show für die Fahrgäste.

Gut getarnt kauern die beiden Stachelschweine im Gebüsch, (C) Amanzi Camp Zambia.

Unermüdlich schwenkt der Spotter seine Lampe, der Lichtkegel wandert von links nach rechts, von rechts nach links. Plötzlich beginnt er aufgeregt mit dem Fahrer zu tuscheln. Wir spüren, es bahnt sich etwas Großes an! Aus der Tatsache, dass die Impalas vor uns aufgeregt blöken und davonlaufen, schließen die beiden Männer auf die Anwesenheit jagender Leoparden oder Löwen. Blicken lassen sich diese allerdings nicht. Immerhin sehen wir ein paar Bushbabies durch die Bäume huschen.

Ein magisches Ereignis

Es sind die nachtaktiven Tiere, die es auf einer Nachtsafari zu sehen gibt, allen voran Leopard, Löwe, Ginsterkatze, Zibetkatze, aber auch die eine oder andere Hyäne. Oft können grasende Flusspferde sogar direkt an der Piste erspäht werden. Stachelschweine und die extrem selten zu sehenden Aardvarks stellen ganz besondere Safari-Highlights dar.

Andererseits sind mir aber auch schon Schlangen, Chamäleons oder Eulen begegnet.

Eines meiner Lieblingstiere auf Safari (echt!) – die allesfressenden Hyänen, die Gesundheitspolizei,  (C) Amanzi Camp Zambia.

Zugegeben, man sieht nachts weniger Tiere, aber es besteht durchaus eine reelle Chance darauf, Zeuge von spektakulären Kills zu werden. Löwen sind in der Nacht viel aktiver als am Tag, wo sie lieber faul im Schatten liegen. Gut möglich also, dass Sie auf einer Night Safari den einen oder anderen Löwen bei der Jagd beobachten können. Beute gibt es genug und diese Leckerbissen verfügen in der Finsternis über ein recht eingeschränktes Sehvermögen. Selbst Elefanten oder Büffel, die den nächtlichen Safarigästen oft in großen Herden begegnen, verhalten sich sehr defensiv, da sie kaum etwas sehen können.

Alles ist möglich auf einer Night Safari. Die atemberaubende Sensation, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, aber auch das einsame Warten ohne Höhepunkte. Aber genau in dieser Ungewissheit besteht die Magie einer Tierbeobachtung in freier Wildbahn – sie ist ursprünglich, echt und dadurch unplanbar!