Wie unterscheiden sich der Norden und der Süden voneinander? Welche Region entspricht eher Ihren Erwartungen von Afrika? Für die Planung Ihrer Individualreise nach Tansania fasse ich die wichtigsten Unterschiede zwischen Norden und Süden zusammen.

1. Begriffserklärung

Der Northern Circuit ist ein Begriff, der sich ausgehend von Arusha für die nördlichen Nationalparks eingebürgert hat, also Tarangire, Lake Manyara, Ngorongoro Crater und Serengeti. Alle weiteren Naturgebiete, die zwar keine ausgewiesenen Parks sind, aber dennoch schöne Highlights sind, fallen ebenso unter die Kategorie.

Der Southern Circuit schließt von Dar es Salaam ausgehend vor allem den Selous, den Ruaha, die Udzungwa Mountains und den Mikumi National Park ein.

2. Grosse Namen im Norden

Der Norden punktet mit seinen grossen, bekannten Namen – Serengeti und Ngorongoro Crater. Der Rest ist schmuckes Beiwerk, etwa der Tarangire National Park oder der Arusha Nationalpark. Ihretwegen kommen die Besucher nicht, die meisten wollen die Mutter aller Safariträume, die Serengeti, besuchen.

Und es ist wahr: Die Serengeti hat (angeblich) den höchsten Wildtierbestand in ganz Afrika. Was unter anderem auf rigide Kontrollen und Patrouillen zurückzuführen ist, und weil sie vom Westen die höchste (finanzielle) Unterstützung erfährt, z. B. durch die Frankfurt Zoological Society.

Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen: Ich habe bei meiner letzten Reise in die Serengeti so viele Löwen gesehen, dass ich ihrer sogar überdrüssig wurde. Wir blieben für Löwenrudel gar nicht mehr stehen, weil die 50 Löwen davor schon all unsere Aufmerksamkeit bannten.

Dieser Status bringt aber auch Nachteile, nämlich ein hohes Besucheraufkommen, insbesondere von Juli bis August (Hauptreisezeit in Europa) und von Dezember bis Februar (Große Migration in der Süd-Serengeti).

Die Serengeti ist das Zugpferd Tansanias - nicht ohne Grund

Die Serengeti ist das Zugpferd Tansanias – nicht ohne Grund

3. Unterschiede im Preisniveau

Eine Individualreise im Süden ist im Durchschnitt um 20–30 % teurer als eine vergleichbare Safari im Norden.

Im Süden müssen größere Distanzen überwunden werden, sowohl für die Gäste, aber auch für die Aufrechterhaltung des Campbetriebes (Essen, Getränke, Instandhaltung, Ersatzteile, etc.). Die Unterkünfte im Süden liegen deutlich abgeschiedener als die meisten Camps und Lodges im Norden. Daher sind die Transport- und Logistikkosten entscheidend höher. Aber auch die Konzessionsgebühren für die Betreiber von Camps sind im Selous beispielsweise höher als in den von der TANAPA, der offiziellen Parkbehörde, verwalteten ordentlichen Nationalparks.

4. Unterschiedliche Geschwindigkeiten

Im Norden wird man oft aus Kostengründen durch die Nationalparks gepeitscht. Eine Nacht hier, eine andere Nacht da, die dritte Nacht wieder einem neuen Quartier.

Durch die vergleichsweise kleinen und machbaren Distanzen ist diese Art von Safari im Norden möglich, ähnlich wie in Kenia oder Uganda.

Wenn es sich beim Budget einrichten lässt, plädiere ich im Norden für mindestens 2 Nächte in jeder Unterkunft. So kann die Safari entschleunigt werden.

Im Süden ist diese Reiseform nicht möglich. Wegen der großen Distanzen verbleibt man (je nach Reiseroute) länger an einem Ort, also mindestens drei oder vier Nächte, wenn es das Budget erlaubt auch länger. Insofern ähnelt eine Safari im Süden eher dem Reisen in Sambia oder Botswana.

Besucher entwickeln ein anderes Gefühl für einen Ort: Man lernt das Camp oder die Lodge besser kennen, entwickelt ein Nahverhältnis zu den Angestellten, nutzt alle Aktivitäten und Angebote, die das Camp bieten kann und kommt durch die längere Aufenthaltsdauern richtig zum Verschnaufen und Ruhen.

5. Besucheraufkommen

Weil der Norden insgesamt billiger zu bereisen ist und sich die Serengeti hier befindet, pilgert das Gros der Tansania-Besucher in den Norden.

Die restlichen geschätzten 5 % reisen in den Süden. Das kann und will sich nicht jeder leisten, aber dafür bekommt man ein relativ untouristisches Tansania.

Es gibt Camps im Selous oder Ruaha, da befindet sich im Einzugsgebiet von 2 Stunden kein weiteres Camp, d.h. es ist sehr wahrscheinlich, dass man wenigen anderen Fahrzeugen und Touristen begegnet.

Serengeti in der Hochsaison

Auch das ist die Serengeti: Zu wenig Pisten, zu viele Fahrzeuge, insbesondere in den Hochsaison-Monaten

6. Unterschiedliche Temperaturen

Übers Jahr gerechnet ist der Norden kühler und der Süden heißer.

Während es im tropischen Winter, also Juli bis August, sowohl im Norden als auch im Süden in den Nächten erfrischend kalt sein kann, gestalten sich die Sommermonate, also Dezember bis Februar, unterschiedlich. Hier gibts einen Überblick über die besten Reisezeiten für Tansania.

Im höher gelegenen Norden ist es trocken-heiß, im Hochland, z. B. am Ngorongoro Crater oder in Karatu, auch durchaus kühl in der Nacht.

Der Süden hingegen kocht fast über. Es ist bisweilen unangenehm schwül-heiß und die Nächte manchmal ein Graus. Die südlichen Parks liegen nicht nur tiefer, sondern auch im Einzugsbereich des Küstenmikroklimas.

In solchen Monaten müssen die Tage im Süden gut geplant sein. Man steht bei Sonnenaufgang auf, nützt die frühen Morgenstunden für Pirschfahrten oder Walking Safaris und versucht, bis um 10 oder 11 Uhr wieder im Camp zu sein. Danach folgt die dringend gebrauchte Mittagspause, die man im Schatten, im Zelt oder am Pool verbringt (so vorhanden). Frühestens um 16 Uhr, wenn die Sonne tiefer steht und es kühler wird, beginnt die nächste Safari, oft per Boot oder im Auto.

Die Natur und das Klima zwingen einen, langsam zu machen. Das mag für viele Besucher erholsamer und intensiver sein.

Walking-Safaris Tansania

Walking Safaris werden häufig in den kühlen Morgenstunden gemacht

Safari Insider Tipp: Obwohl es technisch machbar wäre, da es Flüge zwischen Ruaha und dem Norden gibt, empfehle ich, die beiden Circuits getrennt voneinander zu besuchen.

Fangen Sie mit dem einen an, und machen Sie den nächsten ein paar Jahre später. Tansania lässt sich nicht in ein paar Tagen abhaken, dafür ist es zu groß, zu vielfältig, zu bunt.