Wegen der Wildtiere – Elefanten, Löwen, Büffel, Giraffen, Zebras oder auch Vögel – reisen die meisten Besucher nach Afrika. Das gängigste Fortbewegungsmittel dabei ist der Geländewagen, wo von einer erhöhten Position aus die Umgebung bestens überblickt wird. Auf Walking Safaris hingegen erleben Naturbegeisterte den Busch auf Augenhöhe, ohne sich im Auto in Sicherheit wiegen zu können. Da sind alle Sinne gefordert, nicht nur die der Guides…

Zu Fuß im Busch: Erfahrung für alle Sinne

Um 6 Uhr morgens geht’s los. Während wir noch hastig unseren Kaffee und ein paar biscuits verschlingen, lauschen wir dem Briefing des Führers. Im Gänsemarsch laufen, leise sein, den Anweisungen Folge leisten. Augen und Ohren offenhalten. Es kribbelt im Bauch.

Jede Walking Safari ist Abenteuer, wenn auch dosiert. Sie erinnert die Menschen an den Platz, den sie im Universum eigentlich einnehmen: ein kleiner Grashalm in den Weiten des Kosmos, der jederzeit zertrampelt werden könnte.

Wir gehen los. Das Camp ist schnell außer Sichtweite, außer dem Rauschen des Windes und knackenden Ästen hören wir – nichts. Kein Motorengeräusch, keine quasselnden Safari-Mitstreiter. Nur Natur pur.

Nach 10 Minuten Marsch treffen wir auf eine Elefantenlosung. Wir beugen uns hinunter, schnuppern, stochern, hören den Schilderungen des Führers zu. Ein paar Meter weiter liegt eine weitere Losung, die einer Hyäne. Sie ist weiss. Warum, das erklärt der Führer.

Die nächsten 15 Minuten passiert nicht viel, zumindest nichts, was wir wahrnehmen. Dass wir von vielen Augenpaaren beobachtet werden, ist klar. Doch unser Guide versteht es geschickt, „Leerlauf“ zu vermeiden.

Er spricht über Käfer oder Spuren im Sand, und beschreibt, wie seine Mutter eine pflegende Paste aus den Früchten des Leberwurstbaumes gemacht hat, die abends, nach einem Tag auf dem Feld, aufgetragen wurde.

Die Perspektive auf sich selbst und den Busch verändert sich

Eine Walking Safari appelliert an das Selbstverständnis. Plötzlich fühlt sich der Mensch winzig klein, unbedeutend und schutzlos. Keine Karosserie, mehr die schützt. Man spürt den Busch intensiver, riecht, hört jedes Flüstern der Bäume und beobachtet aufmerksamer.

Man bewegt sich in der Taktung Afrikas, angepasst an Temperaturen, Landschaftsrelief und Vegetation. Man erreicht Punkte, die möglicherweise mit dem Fahrzeug nicht machbar sind, z. B. weil sie morastig sind oder weil der dichte Strauchbewuchs ein Auto behindert.

Man tritt in ein Zwiegespräch mit den Tieren, wenn auch auf einer nicht verbalen Ebene. Im Auto, da blickt man gestreng herab auf den Busch, wie ein Lehrer auf seine Klasse.

Mit den Beinen auf der Erde muss man sich mit dem Busch arrangieren, Signale deuten, Geräusche interpretieren, Bewegungen der Tiere analysieren, und nötigenfalls auch klein beigeben und einen Rückzieher machen.

Wie läuft eine Walking Safari ab?

Ausschließlich in kleinen Gruppen werden Walking Safaris gemacht, immer in Begleitung von mindestens einem Führer (guide) und einem bewaffneten Ranger. Letzterer wird von der Nationalparkverwaltung gestellt. Während der Ranger für die Sicherheit sorgt, gestaltet der Guide die Fußpirsch. Im Idealfall ist er ein kundiger, gut ausgebildeter Naturführer, der genug Wissen und Geschichten auf Lager hat, um ein paar Stunden im Busch kurzweilig zu gestalten.

In Sambia ist noch eine weitere Person im Tross, nämlich der tea bearer. Er trägt Proviant, Wasser, Snacks und sorgt während der Pausen für die Verpflegung. In Tansania sind die Walking Safaris weniger britisch …

Walking Safari stehen entweder am Morgen oder in den kühleren Nachmittagsstunden auf dem Programm, einerseits wegen der Temperaturen, andererseits auch, weil die Tiere in den kühleren Stunden agiler sind.

Von der Jahreszeit her haben sowohl die Trocken- als auch die Regenzeit ihre Reize. In der Trockenzeit, wenn das Gras verbrannt und niedrig ist, sind die Tiere leichter zu sehen. Außerdem bleiben sie in der Nähe der Wasserläufe, was den Radius einer Fußpirsch verkleinert. Sofern die Parks in den Regenmonaten passierbar sind, ist es angenehm kühl, und mit etwas Glück sieht man Jungtiere.

Selbst wenn die Elefanten weit weg sind, lässt sich das Kribbeln im Bauch zu Fuß nicht vermeiden!

Fotografieren zu Fuß?

Aus Sicherheitsgründen muss die Gruppe kompakt zusammenbleiben und die Nähe des Guides/Rangers suchen. Daher eignen sich Walking Safaris nicht für passionierte Naturfotografen, die mit kiloweise Objektiven bestückt viel Zeit für eine einzige Aufnahme benötigen. Diese Zeit haben Sie nicht zu Fuß! Schnappschüsse mit Smartphones oder kleinen Kameras gehen natürlich in Ordnung, aber Amateurfotografen auf der Suche nach dem perfekten Shot sind im Geländewagen besser aufgehoben.

Auf den allermeisten Fußpirschwanderungen sehen Sie kaum Großtiere oder Raubkatzen. In aller Regel machen sie sich aus dem Staub, sobald sie unsere Duftspur wittern. Spektakuläre Fotos von Löwen & Co gelingen im Fahrzeug garantiert besser!

Anforderungen und Ausrüstung

Eine durchschnittliche Fitness reicht vollkommen, um auf Walking Safari gehen zu können. Man sollte einige Stunden (meist auf flacherem Terrain) marschieren können. Ebenso sollte man mit Hitze gut umgehen können. Wer schreckhaft oder ängstlich ist, sollte von Walking Safaris Abstand nehmen, denn dann sind die abenteuerlichen Ausflüge in die Wildnis kein Spass.

Ein Fußpirsch ist noch viel angenehmer, wenn folgende Dinge in den kleinen Tagesrucksack gepackt werden:

  • Insektenspray (mit möglichst viel DEET)
  • Sonnencreme (am besten gleich vor dem Weggehen ausreichend auftragen)
  • Hut oder Kopfbedeckung (ich liebe meine Bandanas!)
  • Sonnenbrille
  • eine Flasche Wasser sowie
  • ein kleiner Feldstecher und Kamera/Smartphone

An Bekleidung empfiehlt sich eine lange Hose, hohe Socken, in die die Hosenbeine gesteckt werden (Schutz vor Insekten von unten), ein kurzes Hemd/Shirt sowie feste Wanderschuhe mit einer ausreichend dicken Sohle.

Die ist wichtig, um sich keine Dornen einzutreten oder von kleinen Tieren gepiesackt zu werden.

Sie gewinnen zwar keinen Schönheitspreis, aber immerhin schützen die hohen Socken vor allzu fleißigen Insekten vom Boden.