An meine erste Begegnung mit einem Schimpansen erinnere ich mich, als ob sie heute morgen stattgefunden hätte:

Ich erstarrte ehrfürchtig. Gebannt beobachtete ich den Schimpansen, wie er gemächlich durchs Unterholz stolzierte. Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie einem Menschen begegnen, den Sie schon irgendwo einmal gesehen haben, aber nicht genau einordnen können, wo und wie? So ähnlich fühlte sich der Moment an, als sich unsere Blicke trafen. Als ob wir wüssten, dass wir irgendwie miteinander verbunden sind, aber doch aus zwei unterschiedlichen Welten stammen.

Die Verbundenheit kommt nicht von ungefähr: 95 – 98 % der Gene sollen bei Menschenaffen und Menschen übereinstimmen.

Was dies genau bedeutet, erschloss sich mir aber erst, als ich Jahre später den Chimp Habituation Trek im Kibale National Park machte (mehr dazu weiter unten). Wenn ich heute an diesen herausragenden Tag (von vielen unbeschreiblich wundervollen Tagen in Afrika) zurückdenke, erinnere ich mich vor allem an einen der engagiertesten Ranger, dem ich in 15 Jahren Safaris begegnet bin.

Weil mir beim Ausmisten meiner 20.000 Fotos die Videos und Fotos der Primaten (wieder einmal) unter die Haut gingen, beschloss ich, meine Top-5-Liste der besten Orte für Menschenaffen und Primaten zu erstellen.

1. Bwindi National Park (Uganda)

DER klingende Name für Gorillas. Und es gibt kaum einen anderen Ort in Afrika, wo so viele Gorillas auf engstem Raum existieren und so viele Gruppen an Menschen habituiert sind. Seit der benachbarte Virunga National Park in Ruanda den Preis für die Gorilla-Permits fast verdoppelt hat, kristallisierte sich der Bwindi National Park mit seinen 18 habituierten Gruppen als DER Gorilla-Hotspot aus (obwohl Permits von 700 USD pro Person per se schon kein Schnäppchen sind).

Was den Bwindi National Park so speziell macht?

Die sehr, sehr hohe Wahrscheinlichkeit, die Gorillas zu sehen. Mit 18 Gorilla-Gruppen (plus eine, die über mehrere Jahre hinweg habituiert wird) nähert man sich von vier verschiedenen Headquarters den Gorillas. Die maximal 152 (19 Gruppen x 8 Personen pro Gruppe) Besucher verteilen sich recht gut rund um den Berg, wobei aber Buhoma allein schon wegen der größten Dichte an Unterkünften und der besten Erreichbarkeit der „Hotspot“ ist.

Welche Route letztendlich gewählt wird, hängt von der eigenen körperlichen Verfassung ab (es gibt Routen, die sind etwas weniger anstrengend), den eigenen Befindlichkeiten (möchte ich mit 40 anderen Leuten beim Briefing sein?), dem Reisebudget, Ihrem Komfortbedürfnis für die Übernachtungen sowie den verfügbaren Permits ab.

Uganda oder Ruanda, was ist besser für die Gorilla-Beobachtung?

Der Unterschied besteht hauptsächlich in der Logistik. In Ruanda können die Gorillas in 2 Nächten „abgehakt“ werden, weswegen Ruanda oft für Kurztrips, z. B. in Kombination mit Tansania oder Kenia, gebucht wird.

In die Bwindi Mountains in Uganda zu gelangen, erfordert hingegen Zeit und mehr „körperlichen“ Aufwand, hauptsächlich in Fahrzeiten auf ruckeligen Pisten oder zusätzlichen Inlandflügen. Nur ein Aufenthalt von Minimum 3-4 Nächten macht deshalb Sinn, um die An- und Rückreise in einem vernünftigen Verhältnis zu setzen.

Daher bietet sich Bwindi eher an, wenn man die Gorillas mit Schimpansen und einer abwechslungsreichen Rundreise durch Uganda verbinden will. Von 10 bis 25 Tagen ist alles möglich: Uganda ist vielfältig und ideal für aktive Reisende, mit vielen Wanderungen und aktiven Programmpunkten.

Safari-Insider-Tipp: Uganda wird vom Robert-Koch-Institut NICHT als Risikogebiet ausgewiesen, es existiert auch keine Reisewarnung für Uganda. Für die Einreise nach Uganda muss nur ein negativer Corona-Test vorgelegt werden, ebenso bei der Ausreise. Hier wird der PCR-Test von einem zuverlässigen Labor durchgeführt, Sie werden selbstverständlich von uns dabei unterstützt.

2. Kibale National Park (Uganda)

Einen meiner eindrücklichsten Tage in Uganda verbrachte ich mit Schimpansen, und zwar im Rahmen einer Chimp Habituation Trekking Tour. Man darf von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang im Kibale-Wald verbringen und einer Schimpansen-Gruppe folgen, die gerade an die Menschen angewöhnt (habituiert) wird.

Ich habe noch die Geschichten des Rangers in Ohr, wie er die Tiere beim Namen nannte, den Charakter jedes einzelnen Familienmitglied beschrieb, von Eigenheiten oder besonderen Vorkommnissen erzählte und wie ein wandelnder Schimpansen-Chronist ihr Leben und ihren Alltag dokumentierte.

Wir beobachteten die Schimpansen beim Aufwachen, bei ihrer Morgentoilette und dem Frühstück. Gegen Mittag, als es am Boden wärmer wurde, kletterten sie aus den Baumkronen runter und vergnügten sich am Boden. Mütter wollten ihre Ruhe, die Jungtiere spielten und ärgerten die Weibchen, die Teenager übten sich in Macho-Gehabe, die Männchen hielten sich abseits von den Frauen und Kindern. Sie machten Betten, zeigten Hass und Zuneigung, freuten sich, ärgerten sich.

Zweimal pro Tag kamen Grüppchen mit „anderen“ Menschen vorbei, die eine Stunde mit uns verbrachten. Die restliche Zeit hatten wir die Schimpansen ganz für uns alleine.

Safari-Insider-Tipp: Bei Standard-Touren wird im Normalfall ein „normales“ Schimpansen-Trekking gebucht, d.h. Sie wandern durch den Wald und suchen nach einer habituierten Schimpansen-Familie. Sind Sie fündig geworden, dürfen Sie eine Stunde bei den Tieren verbringen.

Wenn Ihnen eine Stunde bei den Schimpansen zu wenig ist oder Sie gerne viele Stunden durch den Wald streifen, müssen Sie explizit das Habituation Trekking buchen. Hier folgt die Besucher einer Schimpansen-Familie, die gerade an die Menschen gewöhnt wird. Um 6 Uhr morgens geht es los und bis 18 Uhr dürfen Sie unterwegs sein und ohne zeitliche Beschränkung Schimpansen beobachten.

3. Mahale National Park (Tansania)

Ein Leckerbissen. Aber nicht für jederfrau bzw. jedermann. Denn Mahale ist der Inbegriff von „Abgeschiedenheit“. Was von Afrikanisch auf Mitteleuropäisch übersetzt soviel bedeutet wie: Umständlich, langwierig und deswegen teuer.

Aber viele bezeichnen die Mahale Mountains (mit dem Greystoke Mahale Camp) als ihren Herzensort. Also jenen Ort, der ihr Herz berührt, sei es wegen der Abgeschiedenheit, der zauberhaften Lage zwischen Bergurwald und Tanganyika-See, der End-of-the-world Atmosphäre oder wegen des Umstandes, dass man wirklich komplett abseits des Massentourismus unterwegs ist.

Von der ersten Minute an packend

Allein die Ankunft raubt Ihnen den Atem: Sie fliegen über weitgehend unbewohntes Gebiet, mit dem Sinkflug kommen die grünen und braunen Furchen der Mahale Mountains merklich näher. Vorne am Horizont glitzert der See. Die Landepiste befindet sich direkt am Seeufer beim Dorf Katumbi, das etwa 14 km Luftlinie vom Camp entfernt liegt. Die Betonung liegt auf Luftlinie, denn Straßen existieren nicht. Der Rest der Anreise erfolgt also per Boot, über die sanft kräuselnden Wellen des Lake Tanganyika. Beständig im Blick: Die leuchtenden Hänge der Mahale Mountains. Einfach magisch.

Safari-Insider-Tipp: Nicht jeder hat das Reisebudget für Greystoke Mahale, aber wenn man einigermaßen organisiert mit westlichen Standards nach Mahale Mountains reisen will, hat dies immer seinen Preis. Es gibt Alternativen zu Greystoke Mahale, aber selbst hier bewegt man sich im preislichen Rahmen einer 14tägigen Budget-Safari samt Sansibar-Aufenthalt.

Mahale ist niemals ein preiswertes Unterfangen, aber umso wertvoller sind die Erinnerungen.

4. Mgahinga National Park (Uganda)

Eher ein unbeschriebenes Blatt in Uganda, leider zu Unrecht. Dabei ist der Mgahinga Gorilla National Park schnell von Kisoro, dem nahe gelegenen Hauptort mit Airstrip, aus zu erreichen.

Aber es ist natürlich klar, dass er gar nicht so viele Besucher bringen kann, denn es gibt nur eine habituierte Gorilla-Familie, also maximal 8 Gäste pro Tag, die sich auf die Suche nach den Gorillas machen dürfen.

Mit schieren Zahlen kann er nicht auftrumpfen, aber dafür mit dem richtigen Urwald-Feeling. Nur wenige Touristen verschlägt es dorthin, es gibt weniger als eine Handvoll Unterkünfte (mehr Auswahl hat Kisoro) und wenn die Gorillas sich für einen Tag auf die Ruanda-Seite verziehen, dann haben die Menschen sprichwörtlich das Nachsehen.

Safari-Insider-Tipp: Wenn Sie schon in dieser Ecke Übernachtungen eingeplant haben und noch Puste haben, dann machen Sie doch am nächsten Tag auch gleich das Golden Monkey Tracking. Die Goldmeerkatze ist im Gebiet der Virunga-Vulkane endemisch, d.h. ausschließlich in Uganda, Ruanda und Kongo beheimatet. Sie sollten allerdings eine gute Grundausdauer und geländegängig sein, wenn Sie beide Treks ins Auge fassen. Die Mgahinga Mountains reichen bis auf 4.127 m Seehöhe, d.h. selbst die Gorillas erfordern mitunter mehr Ausdauer als in Bwindi.

5. Arusha National Park (Tansania)

Ähem, echt jetzt? Tja, der hat sich in der letzten Sekunde noch auf die Liste geschummelt, obwohl weder Gorillas noch Schimpansen heimisch sind. Aber jede Menge kleinere Primatenarten tummeln sich in den Baumkronen. Zwar hat es Giraffen, Büffel oder diverse Antilopen- und Bockarten im Park, aber manchmal sieht man auf einer Pirschfahrt über längere Strecken keine (spektakulären, größeren) Tiere, was vor allem der dichten Bewaldung geschuldet ist.

Da bringen die wild tobenden Pavian-Familien am Boden oder die sich in den Baumkronen versteckenden Schwarz-Weißen-Stummelaffen Abwechslung in die eine oder andere ruhigere Stunde.

Sicher, die Paviane (baboons) oder Grünmeerkatzen (vervet monkeys) haben keinen Seltenheitswert in Afrika, aber speziell die Weißkehlmeerkatzen (Syke’s monkeys), die Diademmeerkatzen (blue monkeys) und die Schwarz-weißen Stummelaffen (black and white Colobus monkeys) werden anderswo nicht häufig (oder gar nicht) gesichtet.

Ich habe unzählige Videos von verspielten Pavian-Familien im Arusha National Park – immer wieder bringen sie mich zum Schmunzeln!

Haben Sie schon immer davon geträumt, den Menschenaffen gegenüber zu stehen? Gerade jetzt ist die perfekte Zeit dazu, da der Massentourismus Pause macht. Wichtig: Für Uganda existiert keine Reisewarnung und es zählt nicht zu den Risikogebieten des RKI.