Seit 1. 7. 2016 steht Tansania Kopf – und zwar jener Teil, der mit Touristen ihr Geld verdient. Am 30. Juni 2016 habe ich in einem Blog-Eintrag über die kurzfristige Einführung der Mehrwertsteuer berichtet.

Langsam lichtet sich der Schleier und es kristalliert sich heraus, dass doch so heiß gegessen wird, wie das Süppchen gekocht wurde.

Es sieht so aus, als ob das komplette Mehrwertsteuer-Paket (wie Ende Juni im Parlament beschlossen) rückwirkend per 1. 7. 2016 eingeführt wird. Die Proteste haben nichts bewirkt.

Bereits umgesetzt

Die Eintrittsgebühren in die Parks (und damit verwandte Kosten, die den Parkverwaltungen zugute kommen) werden bereits ab 1. Juli 2016 an den Parkgates kassiert, d.h.

  • 18 % Mehrwertsteuer auf alle Parkgebühren, auf die Special Campsites, auf die Campingplätze sowie auf alle Leistungen, die von der Parkverwaltung angeboten werden (Ranger, etc.)

Zeitgleich wurden die Eintrittspreise für die Ngorongoro Conservation Area angehoben UND mit 18 % Mehrwertsteuer belegt:

  • erwachsene Person: US$60 (statt $50 bisher) + 18 % VAT = US$71
  • Kinder: US$20 (statt $10 bisher) + 18 % VAT = US$24
  • Camping erwachsene Person: US$40 (statt $30 bisher) + 18 % VAT = US$ 48
  • Camping Kind: US$20 (statt $10 bisher) + 18 % VAT = US$24
  • Crater Fee (Kraterbenützungsgebühr) pro Fahrzeug: US$250 (statt $200 bisher) + 18 % VAT = US$295
  • Alle Gebühren gelten pro Person und Tag.

Unsicherheiten in der Implementierung, aber die Besteuerung kommt bestimmt und zwar rückwirkend

Die neue Mehrwertsteuer betrifft folgende Leistungen und beträgt einheitlich 18 %:

  • Transporte/Transfers
  • alle geführten Aktivitäten auf Safari, die Guides involvieren, wie Pirschfahrten, Walking Safaris, Bootsafaris, Reiten, kulturelle Aktivitäten wie Dorfbesuche, Wanderungen, Kaffee-Touren, Maasaidorf-Besuche, etc.
  • Eintrittsgebühren für die Parks und geschützten Gebiete und alle damit verbundenen weiteren Gebühren, die bei den Camp- und Hotelbetreibern anfallen (camping fees, conservation fees, etc.)
  • Margenbesteuerung von 18 %

Behörden verweigern Diskurs

Die Interessenvertretung der Tourismustreibenden, TATO, versucht seit einer Woche, einen Termin mit Regierungsvertretern und Vertretern der Steuerbehörde auf die Beine zu stellen, bisher ohne Erfolg. Zwei akkordierte Termine wurden von den Behördenvertretern kurzfristig abgesagt. Begründung: Sie hatten nicht genug Vorbereitungszeit für die Meetings mit den Betroffenen (!).

Niemand scheint sich aber darum zu sorgen, dass alle betroffenen Unternehmen und die Reisenden ebenso wenig Vorbereitungszeit hatten…

Fazit

TIA … This is Africa. Leider haben wir alle sehr wenig Handhabe dagegen. Proteststürme verhallen ungehört und die tansanischen Unternehmen werden sich hüten, zu laut zu protestieren, denn die Angst vor dem Verlust der Geschäftslizenzen ist zu groß. In Tansania regiert die Willkür und Kritiker werden ganz leicht mundtot gemacht. Die Leidtragenden sind die Tourismustreibenden, die vorübergehend diese Kosten übernehmen müssen – und langfristig die Kunden sowie der Tourismussektor im Allgemeinen.