Nördlich von Stone Town

Nördlich von Zanzibar Town, dort wo der Verkehr langsam zu verebben beginnt, herrscht wieder beschauliches Inselleben. Diese Region punktet mit der relativen Nähe zu Stone Town, zahlreichen alten Sultanspalästen und feurigen Sonnenuntergängen.

Für Ausflüge ist diese Ecke Sansibars sehr ergiebig, denn die Gewürzfarmen, die Bäderruinen von Kidichi sowie die Sklavenkammern von Mangapwani direkt am Meer können innert weniger Stunden besucht werden.

GUT ZU WISSEN

Paläste, Bäder und 1001 Nacht

Eine Reihe von Palästen der unterschiedlichen Sultane aus dem 19. Jahrhundert befinden sich an der Teerstraße nach Nungwi.

Zu jener Zeit bauten die Sultane – in relativer Nähe zur Stadt und trotzdem weit genug draussen – ihre Paläste, um der stickigen und schwülen Stadt zu entfliehen. In die Stadtresidenzen zog es sie nur, wenn dringende Geschäfte riefen oder illustre Besucher zu empfangen waren.

Nur zwei Paläste, nämlich die Maruhubi Ruins und die Mtoni Ruins, sind heute so gut erhalten, dass man sich noch vorstellen kann, wie sich das königliche Leben am Hof abgespielt haben könnte. Die anderen sind kümmerliche Palastruinen, wo viel Fantasie Not tut, um alte Zeiten heraufzubeschwören. Weitere Ruinen, die Chuini Ruins, befinden sich auf Privatgrund und können nicht besucht werden.

Unweit von den Palästen befindet sich das Persische Badehaus von Kidichi, das einst vom ersten Sultan Said für seine zweite Ehefrau Sherazade (oder Sherehezade) erbaut wurde. Sie soll außerordentlich schön gewesen sein, galt als Rebelin und nahm sich unmuslimische Freiheiten heraus.

Nach Ausritten auf die Plantagen oder ins Inselinnere zog sie sich in ihre Privatbäder zurück, die der Sultan für sie 1849 oder 1850 errichten ließ. Im islamischen Kulturkreis sind rituelle Waschungen und hygienebedingte Bäder seit jeher bekannt. Wohlhabende konnten sich ihre eigenen Badehäuser leisten und sie aufwändig, nach dem letzten Schrei der Mode, ausstatten lassen. Die ganze Familie und die Dienerschaft erfreuten sich oft stundenlang am Bad, natürlich in je nach Stand und Geschlecht getrennten Räumlichkeiten. Man plauderte, ruhte sich aus, nahm die Mahlzeiten hier ein, übte sich im Rezitieren des Korans. In allen Sultanspalästen auf Sansibar gab es übrigens weitläufige Bäder.

Sklavengeschichte zum Anfassen

Nördlich von Chuini  geht eine breite Strasse links von der Hauptstraße ab. Dort, ca. 2 km südlich des Dorfes Mangapwani, sind neben einer alten Zisterne aus Korallenstein (Mangapwani Coral Cavern) vor allem die Sklavenkammer (Mangapwani Slave Chamber) nördlich davon von Interesse.

Das lukrative Geschäft mit den Sklaven war die Lebensgrundlage vieler wohlhabender Familien in Sansibar, und darauf wollte man – trotz offizieller Abschaffung der Sklaverei 1873 – nicht so ohne weiteres verzichten. Weit weg von den gestrengen Augen des britischen Gesetzes setzten die arabischen Geschäftsleute ihr Treiben hier in Mangapwani fort.

Die Sklavenkammer, die Mangapwani Slave Chamber, wurde eigens für den Sklavenhandel erbaut. Sie ist an der dachartigen Konstruktion an der Oberfläche zu erkennen, und war seinerzeit durch dichtes Buschwerk vor neugierigen Blicken geschützt. Ein paar hohe Stufen führen in das unterirdische, in den Korallenstein gehauene, bedrückende Verlies.

Auch eine alte, natürlich entstandene Korallenstein-Zisterne (Mangapwani Coral Cavern) diente den Sklavenhändlern als Versteck. Sie wurde den Bewohnern der Dörfer in der näheren Umgebung schon seit Jahrhunderten als Süsswasserreservoir genutzt, wenn es an Oberflächenwasser mangelte.

Gewürzfarmen

In den Hügeln nördlich von Zanzibar Town liegen fast alle nennenswerten Gewürzfarmen, also auch all jene, wohin die so genannten Spice Tours führen.

Im 19. Jahrhundert wurde Sansibar der weltgrößte Produzent von Nelken. Im Jahr 1860 betrug der Nelkenexport 22 % der sansibarischen Exporte, wobei die Sultansfamilie stolze 25 % auf alle exportierten Nelkenprodukte absahnte. Mehrere große Plantagen waren in ihrem Besitz gemeinsam mit unzähligen Sklaven, die Nelken in der sengenden Hitze pflanzten, pflückten, trockneten und sortierten. Nach und nach wurden weitere Gewürze von Asien und Südamerika eingeführt und heimisch gemacht, darunter der Zimt, Ingwer und Kardamom. Die Insel erhielt den Ruf einer Gewürzinsel und wenn man den Überlieferungen vertrauen darf, wurden die Seemänner noch auf See vom betörenden Duft der Nelken empfangen.

Bei einer Spice Tour demonstriert ein Guide die einzelnen Gewürze, wie sie wachsen, wie sie riechen oder wie sie getrocknet und aufbereitet werden. Detailliertes botanisches Wissen darf man sich von den Guides nicht erwarten, doch so eine Gewürztour ist kurzweilig und interessant. Vor allem in den heißen Monaten sind die Stunden im dichten Wald angenehm kühl. Die Krönung: Viele Spice Tours schließen mit einem echten sansibarischen Essen ab. Wohl bekomm’s!

STONE TOWN NORD REISEFÜHRER

  • Für Urlauber, die die Nähe zu Stone Town schätzen, aber nicht direkt in der lauten Stadt nächtigen wollen.
  • Für Leute, die auf eigene Faust Teile der Insel entdecken möchten, denn Taxis und Daladalas sind ohne Aufwand verfügbar.
  • Für Flüge, die früh morgens oder in den Nachtstunden abfliegen oder ankommen. Es ist besser, in der Nacht keine Überlandstrecken mit dem Auto zu machen.
  • An der Westküste gibt’s Sonnenuntergänge, daher sind diese Hotels für Leute zu empfehlen, für die ein Urlaub ohne Sonnenuntergänge undenkbar ist.
  • Für Besucher, die nur ein, zwei Tage Zeit für Strand & Meer haben.
  • Für Besucher, die zwei verschiedene Stranddestinationen miteinander verbinden möchten. Man wählt einen Ort an der Ostküste und einen an der Westküste, der noch dazu nahe an Stone Town liegt.

Mögliche Aktivitäten

  • Besuch von Stone Town mit seinen historischen Sehenswürdigkeiten
  • Tauchen und Schnorcheln vor Stone Town (sehr gut für Anfänger!)
  • Bootsexkursionen
  • Gewürztouren (Spice Tour)
  • für Besucher, die abgeschiedene Strandabschnitte suchen,
  • für Gäste, die makellose kilometerlange Strände erwarten.

Internationale Anreise: Siehe Stone Town.

Auf der Insel: Am bequemsten sind die Transfers per Taxi.

Bis auf die Monate April und Mai, wo viele Hotels geschlossen halten und es mitunter zugig und nasskalt sein kann, sind die Strände nördlich von Stone Town das ganze Jahr über empfehlenswert.

Siehe auch Stone Town.

Meine Lieblingsunterkünfte von A bis Z nördlich von Stone Town:
  • Mangrove Lodge $
  • Zanziresort $$$$
Standard: typischerweise nach der Safari oder direkt vor dem Abflug.

Kreativ: nach ein paar Tagen an der Ostküste werden zwei, drei Nächten nördlich von Stone Town angehängt.

MEINE GANZ PERSÖNLICHE EINSCHÄTZUNG

Ich persönlich empfehle die Küste nördlich von Stone gerne, wenn folgende Reisewünsche geäußert werden:

  • Der Strand an sich wird als nicht ganz so wichtig empfunden, also beispielsweise wenn Besucher von der Ostküste kommen und schon ausreichend paradiesische Strände erlebt haben.
  • Besucher wollen ein paar Tage in der Nähe von Stone Town nächtigen, weil sie ein großes Maß an Freiraum suchen, d.h. viele  Dinge in Eigenregie unternehmen möchten.
  • Gäste, die gerne gut essen wollen, finden in der näheren Umgebung sowie in Stone Town eine Handvoll ausgezeichneter Restaurants.
  • Für Taucher ist die Region top! Vor Stone Town gibt es nämlich ausgezeichnete Tauchspots.
  • Safari-Insider-Tipp! Der Strand ist in Stadtnähe nicht ganz so toll. Je weiter nördlich man kommt, desto schöner wird der Strand. Ab den Chuini Ruins bis hinauf zum Serena Club und Mangapwani ist der Strand aber idyllisch.

 

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