Mein erstes Mal Afrika ist lange her. Doch noch heute kann ich mich gut an die Konfusion erinnern, die manche Gepflogenheiten in mir ausgelöst haben. Mittlerweile kann ich längst mit den unterschiedlichsten Menschen und Situationen umgehen.

Gerade, weil ich mich mit den Gepflogenheiten auskenne, rate ich Reisenden zur Vorsicht bei Beach Boys und Flycatchern.

Es stimmt, nicht jeder Strand- oder Straßenverkäufer ist gleich ein Gauner.  Aber Sie sollten hinterfragen, warum der junge Mann trotz boomenden Tourismus in Tansania keine adäquate Beschäftigung in der Branche findet. An den mangelnden Englisch-Kenntnissen kann’s nicht liegen, denn auch als Beachboy oder Straßenverkäufer muss er Sie ansprechen. Es hapert eher an der Zuverlässigkeit, an Ernsthaftigkeit, an Alkohol- oder Drogenmissbrauch oder ganz banal am Fleiß.

Die Tricks der Flycatcher

Wenn Sie in Arusha, Moshi oder anderen Tourismus-Hotspots auf eigene Faust unterwegs sind, stehen die Chancen gut, dass Sie auf der Straße angesprochen werden. Nicht nur einmal, vermutlich.

„Flycatcher“, so lautet die wenig schmeichelhafte Bezeichnung für Männer, die unaufgefordert ratlos blickende Touristen auf der Straße, am Taxistand, am Busbahnhof, am Fährhafen oder sogar auf dem Flugplatz ansprechen, um ihnen günstige Safaris, Bergbesteigungen oder Ausflüge zu verkaufen. Sie werden von Besitzern landestypischer Unterkünfte oder drittklassigen Tour Operators mit einem Provisionssystem geködert.

Wenn also ein Guide behauptet, die bereits gebuchte Unterkunft sei leider geschlossen, überfüllt bzw. „no good“ oder der gewählte Safari-Veranstalter nicht besonders empfehlenswert, dann sollte man dem lieber keinen Glauben schenken. In den wenigsten Fällen ist davon auszugehen, dass ein Tansanier die Qualität einer Unterkunft mit den Augen eines Touristen sieht, da er komplett andere Ansprüche an ein Zimmer mit Bad hat. Mit diesen Äußerungen sollen die Touristen zu einer Änderung ihrer Pläne veranlasst werden, damit andere Anbieter ein gutes Geschäft machen und die Flycatcher ihre Provisionen kassieren können. Oft sind diese Vermittler drogen- oder alkoholabhängig, generell verfügen sie über keinerlei solide Ausbildung.

Diese selbsternannten „Tourismusfachkräfte“ gehören auch in Stone Town zum Straßenbild wie die Maasai und die Moscheen, nur nennt man sie hier Papaasi („Zecken“, „Blutsauger“). Papaasi können einfache, anständige Männer sein, doch im Zweifelsfall ist davon auszugehen, dass sie betrügerische Absichten hegen. Das gilt vor allem dann, wenn Drogen im Spiel sind. In den letzten Jahren wurde das Verhalten der Flycatcher und Papaasi zunehmend aggressiver. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil ihre eigenen Existenzsorgen größer geworden sind.

 

Der Umgang mit den diversen Dienstleistern hängt von der Persönlichkeit des Reisenden ab. Einige werden versuchen, sie sich vom Leib zu halten. Hier empfiehlt es sich, bestimmt aufzutreten und vehement an der eigenen Buchung oder beispielsweise einer Empfehlung festzuhalten. In letzter Konsequenz müssen Touristen besonders hartnäckige Flycatcher, so hart das klingen mag, ganz gezielt ignorieren.

Andere Reisende empfinden die Dienstleister als hilfreich, da sie ihnen eine Menge Aufwand ersparen, wenn sie z. B. nach einer Zehn-Stunden-Fahrt müde in Arusha ankommen. Dass man zu einer Unterkunft geführt wird, die zwar nicht die beste ist, aber eben die höchste Commission für den Flycatcher abwirft, sollte einem allerdings doch bewusst sein. Solche Dienstleister können am nächsten Tag dabei helfen, Exkursionen zu arrangieren oder Tauchkameraden zu finden. In diesem Fall fallen natürlich Vermittlungsgebühren an. Ganz besonders hängt es vom Reisestil ab, ob solche Dienstleister in Anspruch genommen werden oder nicht.

Safari-Insider-Tipp: Selbst, wenn der Flycatcher sich als ehrenwerter Begleiter herausstellt, seien Sie nicht zu großzügig mit persönlichen Informationen. Generell rate ich, weder Telefonnummern, Adressen oder Email-Adressen, noch persönliche Informationen über Geld, geplante Reisestationen oder ähnliches mitzuteilen. Wenn es sich verhindern lässt, geben Sie keine Infos über Ihr Hotel oder Ihr Hotelzimmer weiter!

Spielt der Preis eine eher untergeordnete, die subjektiv empfundene Sicherheit hingegen eine große Rolle, dann ist von Flycatchern oder inoffiziellen Guides abzuraten. Wer bei solchen Herren Aktivitäten bucht, muss mit Einbußen an Informationsgehalt, Verpflegung, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit der Guides rechnen.

Besonders hohes Risiko

Safaris, Bergbesteigungen oder Trekkingtouren sollten unter keinen Umständen von Fycatchern, selbsternannten Guides u. dgl. organisiert werden, denn es geht nicht nur um viel Geld, sondern vor allem um die persönliche Sicherheit. Bei preisgünstigen Safaris wird unter anderem an der Wartung des Fahrzeugs, am Benzin und an der Qualität der Driverguides gespart. Bei preisgünstigen Bergbesteigungen reduziert man den finanziellen Aufwand über das Essen, die Löhne der Begleiter, die Ausrüstung und Sicherheitsvorkehrungen. Außerdem sind solche Unternehmen aller Voraussicht nach nicht ordnungsgemäß gemeldet und zahlen nicht dieselben Steuern und Lizenzen wie der Mitbewerb.

Höhere Preise für eine Safari sind in der Regel gerechtfertigt, denn damit erkaufen Reisende ihre eigene Sicherheit sowie zuverlässige, gut informierte Driver und Guides.

Die Geschäfte der Beach Boys

Auf Sansibar trifft man hingegen auf Beach Boys. Die Warenpalette dieser Strandverkäufer reicht von Schnitzereien über Tingatinga-Gemälde (typische tansanische Malerei im naiven Stil) bis hin zu Tüchern (kanga, kitenge und kikoy) und anderen typischen Souvenirs. Manchmal bieten sich Frauen als Masseurinnen oder Henna-Bemalerinnen an, junge Männer versuchen sich im Verkauf von Ausflügen.

Ein bestimmtes „no, thank you“ genügt meistens als Zeichen dafür, dass man weder an Souvenirs noch an Ausflügen interessiert ist. Zeigt die höfliche Variante keinen Erfolg, führt auch hier barsche Ignoranz zum Ziel.

Wer von Beach Boys Exkursionen kauft, darf sich nicht über schlechte Qualität, fehlende Sicherheit oder gar Kleinkriminalität wundern. Im Endeffekt zahlt der Gast bei einem Geschäft mit einem Beach Boy in so gut wie allen Fällen drauf, selbst wenn der Preis anfangs noch so verlockend wirkt.

Vor vielen Jahren, als der Tourismus auf Sansibar in den Kinderschuhen steckte, konnten Exkursionen mit Beach Boys durchaus angenehm und lohnenswert sein, aber durch Overtourisms hat sich das einst  „harmlose“ Geschäftsgebaren der Glücksritter verändert.

Safari-Insider-Tipp: Wenn Sie mit Safari Insider reisen, werden alle Ausflüge, Exkursionen und Aktivitäten von lizensierten, ordnungsgemäß gemeldeten  Unternehmen und Guides durchgeführt.

Mehr über Flycatcher, Beachboys sowie Tipps für ein gedeihliches Miteinander, finden Sie in meinem Reiseführer KulturSchock Tansania (2017), Reise Know-How Verlag, 4. vollständig überarbeitete Auflage. Mehr Infos bietet auch die Blogreihe Kulturschock auf dieser Webseite.