Aus der Serie „Kosten einer Safari – Teil 2

Für einen Urlaub in ansprechender westlicher Qualität (einfache oder gute Mittelklasse) muss man in Tansania mehr Geld als beispielsweise in Europa oder Amerika in die Hand nehmen. Denn gute Qualität hat gerade in einem Entwicklungsland seinen Preis.

Warum das so ist, erkläre ich in diesem Blog-Beitrag.

Hohe Kosten, Unterkünfte zu betreiben

Wer in einem westlichen Land aufgewachsen ist, hat gar keine Vorstellung davon, was es heisst, ein Camp im Busch zu betreiben. Nichts ist selbstverständlich, für alles muss gesorgt werden.

Elektrizität ist teuer. Selbst wenn man Zugang zum öffentlichen Stromnetz hat, muss man Backup-Generatoren anschaffen und sie betreiben, sobald der Strom ausfällt (was regelmäßig passiert). Aber Generatoren sind gefrässig. Wenn der öffentliche Strom gleich mehrere Tage lang ausbleibt, ist das mit hohen Kosten für die Camps verbunden.

Gleiches gilt für Wasser. Selbst wenn eine Unterkunft an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen ist, heisst das noch lange nicht, dass Wasser wirklich fließt. Deshalb muss Wasser zugekauft werden und in großen Tanks am Dach (oder auch manchmal versteckt) gelagert werden.

Im Busch ist Trinkwasser immer ein Problem, nur die wenigsten Camps verfügen über eine Quelle. Die meisten Camps müssen Wasser in Tankwagons zugeliefert bekommen.

Wasser in einem Buschcamp ist tatsächlich kostbar … im wahrsten Sinne des Wortes! (C) Asilia Namiri Camp

Pools sind teuer. Einen Pool zu betreiben, ist wahnsinnig teuer –  sauberes Süßwasser muss häufig von weit her transportiert werden, in Sansibar stammt das Wasser teilweise sogar vom Festland, außerdem braucht es teure, importierte Chemikalien und kundige Poolboys.

Am Festland gibt es außer in den Städten und in den teuren, permanenten Unterkünften selten Pools, insbesondere wenn es sich um Zeltcamps handelt, die nur für wenige Monate an einem Standort bleiben.

Auf Sansibar sind Pools schon fast Standard, wegen der großen Gezeitenunterschiede (weil die Gäste sich beschweren, nicht dann ins Wasser gehen zu können, wenn sie wollen, sondern dann zu müssen, wenn die Flut da ist).  Dennoch: Wer einen Pool möchte, muss auf Sansibar mehr Geld in die Hand nehmen.

SPARTIPP: Wer eine kleinere Reisekasse zur Verfügung hat, weicht besser auf die günstigeren Strandhotels ohne Pool aus.

Das (C) Mbalageti Camp in der Serengeti ist als permanente Luxuslodge konzipiert, deswegen ist ein Pool finanzierbar.

Qualitätsausstattung. Eine qualitativ hochwertige Ausstattung (Geschirr, Gläser, Bettwaren, Matratzen, Kloschüssel, Armaturen, Handtücher) kostet mehr als minderwertige Ramschware aus China, die in üblicherweise Tansania erhältlich ist. Viele Campbetreiber fliegen regelmäßig nach Dubai, Südafrika, Mauritius oder Nairobi, um einzukaufen. Wenn Ware länger als nur eine Saison halten soll, muss man ordentlich Geld investieren.

Aufwändige Holzmöbel. Haltbare, hochwertige Holzmöbel sind ebenfalls teuer, obwohl der Rohstoff im Land wächst. Aber man braucht einen Tischler, der sein Handwerk versteht, der Holz lange genug trocknen lässt (damit es sich nicht innert kurzer Zeit verzieht), der gutes Hartholz nimmt (das wiederum teuer ist).

Bei uns im Camp verging vom Ankauf des Holzes bis zur Fertigstellung der Möbel oft ein Jahr, manchmal mehr. Wir kauften das Holz, wann es verfügbar war (hängt von den Jahreszeiten und von der Arbeitsmoral des Waldbesitzers ab) und trockneten es monatelang. Dann erst holten wir den Tischler unseres Vertrauens ins Camp und beauftragten ihn mit der Produktion von Möbel.

Steuern, Abgaben, Korruption. Was alle afrikanischen Länder eint ist, dass der Fremdenverkehr, also ausländische Gäste, gerne zum Stopfen der Finanzlöcher – oder noch schlimmer – zur Bereicherung der Politiker missbraucht wird.

Ich weiß von einer Freundin auf Sansibar, dass ein Zimmer pro Nacht um weniger als 100 USD (mit Frühstück) nicht machbar ist, FALLS man alle Steuern und Abgaben bezahlt.

Die hohe Steuer- und Abgabenbelastung für ehrliche Steuerzahler und die ungerechte Verteilung der Steuerlast (viele, besonders die großen und die internationalen Hotelketten haben Deals mit der Regierung oder mit einzelnen Regierungsmitgliedern, um weniger oder gar keine Steuern zu bezahlen) lässt vor allem die kleineren Campbetreiber stöhnen, die gewissenhaft die Abgaben bezahlen (und keine guten Kontakte zur Regierung haben).

Die meisten Hoteliers in Tansania sind ehrlich und bezahlen ihre Abgaben und Steuern. Aber einige drücken sich auch erfolgreich davor.

Und diese möchte ich nicht unterstützen. Deshalb arbeite ich nur mit Unterkünften zusammen, die ihren Obulus an den Staat leisten.

„Jeden Cent wert“ bestätigte mir vor kurzem ein Kunde. Er hat recht. Diese Aussicht auf die Savanne beim Mittagessen verursacht allein beim Gedanke daran bei mir Gänsehaut. (C) Chaka Camp Serengeti

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