Teil 5

Gute Qualität hat ihren Preis! Dass dieser Preis ausgerechnet in einem Entwicklungsland höher ist als in vielen anderen beliebten Destinationen, mag auf den ersten Blick überraschen. Und doch ist es Faktum: Wer ansprechende westliche Qualität (einfache oder gute Mittelklasse) wünscht, muss in Ostafrika mehr Geld als anderswo in die Hand nehmen. Warum das so ist erfahren Sie hier!

1. Eine Frage der Lage

Zu glauben, nur weil ein Camp abgeschieden liegt, sei es billiger, entpuppt sich rasch als Trugschluss. Ganz im Gegenteil: Quartiere in Stadtnähe sind weitaus kostengünstiger zu betreiben, als in der stimmungsvollen Abgeschiedenheit am Land.

Je näher das Quartier an einer Stadt liegt, desto einfacher (und billiger) sind Versorgung, Einkauf und die gesamte Logistik abzuwickeln.

Camps und Lodges finden leichter gutes Personal, weil die Tansanier oder Sambier generell lieber in Städten wohnen. Draußen im Busch fordern die Angestellten höhere Löhne. Sie wissen, dass die Betreiber sie ködern müssen, damit sie bereit sind, fernab ihrer Familien und der Freuden städtischer Zerstreuung zu leben.

Während in der Stadt bereits eine relativ gute Infrastruktur (z. B. Elektrizität, Wasser) zur Verfügung steht, müssen im Busch Generatoren, teure Sonnenkollektoren oder Wasser im Tank erst einmal finanziert werden.

Camps im Busch tragen deutlich höhere Logistikkosten. Jede Besorgungen, jeder Behördenweg und dergleichen bedeutet das Zurücklegen langer Wegstrecken mit dem Fahrzeug.

Wer Städtetourismus sucht, ist in Ostafrika falsch. Es ist die Wildnis, die wir suchen – die ihren Preis hat.

2. Konkurrenz belebt – keine Konkurrenz irgendwie auch

Die Bettenkapazität hinkt der Nachfrage weit hinterher. Zu den ferienbedingt beliebtesten Reisezeiten im Sommer(Juli, August), über Weihnachten und in der Hochsaison (Januar bis März) wären doppelt so viele Camps nötig, um die Nachfrage zu decken.

Dieser Umstand führt dazu, dass die Betreiber heiß begehrter Unterkünfte nahezu freie Hand haben bei der Preisgestaltung. Mehr Konkurrenz täte dem Preisniveau zumindest im Sinne der Besucher sicherlich gut!

Aber Hand aufs Herz: Wollen wir diese Art von Konkurrenz überhaupt? Viele meiner Kunden fragen explizit nach abgeschiedenen Orten abseits der Touristentrampelpfade.

Sehr gut ist diese Entwicklung im Vergleich von Northern und Southern Circuit in Tansania zu sehen. Am Southern Circuit sind Safaris nicht nur wegen der größeren Distanzen und teilweise höheren Eintrittspreise im Durchschnitt um 20-30 % teurer. Dennoch bleibt die Anzahl der Qualitäts-Camps seit Jahren konstant.

Am Northern Circuit hingegen wagen es wesentlich mehr Unternehmer, neue Camps zu eröffnen. Diese Belebung der Konkurrenz zeigt Wirkung. Selbst dort, wo der wachsende Mitbewerb das Preisniveau weniger tangiert, hebt er zumindest die Qualität: Wer spürbar besser ist als weniger ansprechende Camps im vergleichbaren Preissegment, kommt über die Ansprüche potenzieller Gäste zu seinen Buchungen.

3. Der Einsamkeit geschuldet

Wer kennt nicht die wunderschönen Bilder der tansanischen Idylle fernab jeglicher Zivilisation. Hier werden Träume von weitestgehend unberührter Natur, einer nur von Tierlauten durchbrochenen Stille und der absoluten Entrückung vom Alltag wahr.

Doch in Tansania gilt die Regel: je abgeschiedener ein Camp ist, umso weniger frequentiert ist es, umso höher muss der Preis sein, um kostendeckend arbeiten zu können.

Gleiches gilt übrigens für Sambia, wobei die Leerzeiten hauptsächlich durch die klimatischen Bedingungen (Regenzeiten!) entstehen. Die Camps haben Personal, Instandhaltungskosten, Lizenzen, Steuern, etc. das ganze Jahr über zu tragen, können wegen des Regens aber nur 6, 7 Monate geöffnet halten.

Paradebeispiel Lake Natron: Relative hohe Preise, aber der Standard des hochwertigsten Camps ist bestenfalls einfache Mittelklasse. Aber es gibt eben nur wenige Monate, wo die Hitze am Lake Natron für Menschen aus gemäßigten Klimazonen erträglich ist!

Den Betreibern dieser Camps bleibt also gar nichts anderes übrig als eine für Außenstehende oft schwer nachvollziehbare, in der Tat allerdings für sie überlebensnotwendige realistische Preisgestaltung.

Wer Steh- und Leerzeiten bei der Kalkulation außen vor lässt, der steht selbst schnell vor dem Aus.

 

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