Klimawandel – ein monströser Begriff mit bislang ungeahnten Auswirkungen. Vor kurzem war ich selbst davon betroffen, wenn gleich natürlich nur marginal, nämlich auf meiner vor kurzem zu Ende gegangenen, ausgedehnten Recherchereise nach Tansania. Zumindest nimmt man an, dass die massiven Regenfälle, die seit Oktober 2019 dem Land zusetzen, dem Klimawandel geschuldet sind.

Die Regenfälle begannen unüblich früh, fielen unüblich stark aus und führten zu unüblich großen Schäden. Zahlreiche Menschen fanden in den Fluten den Tod; Brücken und Straßen wurden wie Legohäuser weggeschwemmt.

Camps waren (weder für mich noch für Kunden) unerreichbar oder gewisse Programmpunkte mussten ausfallen. Es handelte sich gemessen an den Auswirkungen für die Einheimischen ohnehin nur um „kleinere“ Unpässlichkeiten.

Dead End, es gab kein Weiterkommen: Ein Fluss auf dem Weg in den Saadani National Park hatte im Oktober 2019 die Piste überschwemmt.

Es ist unmöglich, das Thema Klimawandel zu ignorieren. Für die einen ist ein rotes Tuch, für die anderen ein Lebensthema. Bei uns in den Wohlstandsländern. In Tansania ist es egal, wie das Phänomen heißt, es hat die Ernte zerstört, das eigene Haus unbewohnbar gemacht und das Nachbarskind auf dem Nachhauseweg von der Schule getötet.

Sehr löblich: Letzte Woche erhielt ich eine Anfrage, die eine nachhaltige Safari wünschte. Leider war das Budget für eine konventionelle Safari mitten im Massentourismus ausgelegt.

Und gestern flatterte ein Newsletter in meine Inbox, wo in schreienden Lettern das „Klimabewusste Reisen“ angepriesen wurde. Ganz unten, am letzten Zipfel des Newsletters, wurde dann erklärt, dass sich das Unternehmen für ein Aufforstungsprojekt in Afrika engagiert. Sehr löblich, gar keine Frage. Aber verwandeln Spenden an ein Waldprojekt tatsächlich das Reisen in eine unbedenklich Übung? Das brachte mein grünes Fass zum Überlaufen.

Dies soll nun keine Tirade für oder gegen den Umweltschutz werden, sondern ich möchte mich ganz nüchtern selbst fragen: Was kann ich als Reiseveranstalter tun, um nachhaltige Safaris anbieten zu können? Leider sehr wenig. Und schon gar nicht zum Nulltarif oder ohne Einschränkungen für Reisende.

1. Langstreckenflüge

Wenn ich nach Afrika reisen möchte, kann ich sie nicht vermeiden. Schwimmen oder sich mit dem Boot treiben lassen ist keine brauchbare Alternative für alle jene, die berufstätig sind.

Was kann ich als Reiseveranstalter tun?

Ich kann meine Kunden an die CO2-Kompensation erinnern, in der Hoffnung, dass das gespendete Geld in Aufforstung von Wäldern oder Sonnen- bzw. Windenergieprojekte fließt. Über Sinn oder Unsinn lässt sich vortrefflich streiten, Fakt ist aber, dass diese Art von klimaneutralem Handeln durch Geld erkauft werden kann und nicht durch Verzicht oder politischen Willen zustande kommt.

2. Geländewägen

Mit riesigen Geländewägen, die einen Benzinverbrauch und Feinstaubausstoß eines halben Kreuzfahrtschiffes haben, kutschieren wir auf ratternden Pisten durch die Lande. Busse oder öffentliche Verkehrsmittel sind jedoch keine Alternative, da sie in aller Regel die Atmosphäre noch mehr verdrecken und obendrein häufig verkehrsuntüchtig sind (inklusive der Busfahrer).

Leider gibt es keine Alternativen zum Geländewagen – außer das Zu Fuß gehen oder Fahrradfahren. Beide Verkehrsmittel bringen einen aber nicht nahe an die Wildtiere, deretwegen man eigentlich die Reise angetreten hat. Elektroautos, Hybridfahrzeuge oder ähnliche als „grün“ anerkannte Fortbewegungsmittel existieren in den meisten afrikanischen Ländern nicht, geschweige denn ausreichend Strom, um beispielsweise E-Autos zu laden.

Ist die Gruppenreise eine Möglichkeit?

Wenn Sie sich einer Gruppenreise anschließen, kann der CO2-Abdruck eines Fahrzeugs wenigstens durch 6 oder 8 Personen geteilt werden. Aber wer will denn schon klimaschonender reisen, um dann letztlich mitten im Massentourismus zu landen? Denn die Gruppenreisen sprechen jene Leute an, die am Reisepreis sparen wollen, und dies geht traditionell in Afrika mit Massentourismus einher. Man spart an den Fahrzeugkosten und Veranstalter bekommen günstigere Preise und Rabatte, wenn sie alle Nächte der Rundreise bei einem Unternehmen mit vielen Camps/Lodges buchen. Da ist man dann mitten im Massentourismus, spart zwar am CO2, aber nicht mehr. Die Camps werden konventionell betrieben, d.h. hier ist von Umweltschutz (außer Solarenergie) kaum die Rede.

Was kann ich als Reiseveranstalter tun?

Ich kann für Sie Safaris und Reisen planen,

  • die möglichst häufig auf das Auto verzichten, z. B. indem Wanderungen und Walking Safaris eingeplant werden. Das geht zwar nur an wenigen Tagen, aber immerhin.
  • die weniger Kilometer abspulen, d.h. dass Sie länger an einem Ort bleiben und insgesamt weniger Gebiete sehen.
  • die viele Programmpunkte enthalten, wo das Auto still steht und die eigene Muskelkraft zum Einsatz kommt, z. B. kulturelle Programmpunkte, Fahrradfahren, Wanderungen, etc.

Camps, die emissionsfreie Tierbeobachtung anbieten, können an einer Hand abgezählt werden. Die Ila Safari Lodge in Sambia betreibt ihre Boote beispielsweise mit Solarstrom.

3. Inlandflüge

Ähnlich wie bei den Langstreckenflügen kann man CO2 monetär kompensieren.

Ich habe aber den Eindruck, dass die deutschsprachigen Reisenden (Deutschland, Schweiz, Österreich) ohnehin nicht übergebührlich viel fliegen. Erstens verteuern die Inlandflüge den Reisepreis und zweitens sieht man nicht viel vom Land. In der Regel werden wirklich nur ermüdend lange Distanzen aus Komfortgründen und Zeitnöten geflogen.

Was kann ich als Reiseveranstalter tun?

Die Reisen so planen,

  • dass sich Flüge und Fahrten die Waage halten und
  • dass Flüge immer nur dann empfohlen werden, wenn sie tatsächlich notwendig sind (aus Distanz- oder Zeitgründen).

4. Ökologische Dienstleister in Afrika

Nachhaltigkeit und ökologisches Handeln sind noch (immer) nicht in Afrika und speziell Tansania angekommen. Momentan kämpfen die Unternehmen an ganz anderen Fronten, nämlich mit der restriktiven Politik von Präsident Magufuli.

Klar, die meisten Camps greifen mittlerweile auf Solarenergie zurück, aber auch nur, weil es die billigere und ruhigere Methode ist, um Strom zu gewinnen. Aber Solarenergie allein macht noch kein Ökocamp.

Das größte Problem ist der Wasserverbrauch

Ein paar Tausend Liter Wasser (ein Camp Manager hat 5000 l Minimum geschätzt) verbraucht jedes Camp täglich. Bei hochgerechnet 40-50 Camps (Stand Dezember 2019) in der Seronera Area (Serengeti) allein, die allesamt an die 300 Tage im Jahr operieren, kommen da schwindelerregende Summen an Wasserverbrauch zusammen. Das Wasser wird mit Pumpen aus den Flüssen und Wasserlöchern in den Parks entnommen, mit schwerwiegenden Folgen für die Natur langfristig.

Aber gleichzeitig wollen die Reisenden nicht auf den Komfort von Wasser verzichten. Bei den Preisen, die für Safaris anfallen, will man sich dann nicht auch noch bei der Wasserspülung fürs Klo oder beim Duschen einschränken müssen.

Aber genau das ist die Krux in Afrika: Wasser hat einen anderen Wert in Afrika. Wir im globalen Norden gehen davon aus, dass man sich mit einem teuren Reisepreis westlichen Komfort erkauft (Wasser!), aber in Afrika ist der wahre Luxus die Lage eines Camps.

Sind Ökocamps die Lösung?

Ja, sie sind ein kleiner Beitrag.

Aber: Ökocamps erkennt man häufig daran, dass sie teurer sind. Es ist paradox: Je mehr Geld involviert, desto grüner (und fairer) kann man als Unternehmen operieren. Umweltschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Meist gehen Umweltschutz und ethisches Verhalten Hand in Hand. Solche Camps zahlen höhere Löhne, unterstützen Community Projects, Aufforstungsprojekte, investieren in Aus- und Fortbildung, schicken Mitarbeiter für Schulungen ins Ausland, kaufen im Ausland umweltfreundliche oder recycelte Materialien ein, pumpen viel Geld in die lokale Wirtschaft (was paradoxerweise mit höheren Kosten verbunden ist als im Großhandel in Dar es Salaam einzukaufen, weil mehr Überzeugungsarbeit nötig ist und die lokale Bevölkerung laufend bei Laune gehalten werden muss). Auch Wasseraufbereitungssysteme zu kaufen, zu installieren und zu betreiben ist teuer und benötigt beständiges Know-How.

Kurzum: Es gibt sehr wenige Camps, die der Unternehmensphilosophie nach grün sind, denn es ist anstrengend und mühsam, umweltverträglich zu sein.

Stellen Sie sich vor, wie aufwändig es in unseren Breiten ist, ökologisch und sozial verträglich zu wirtschaften, dann erst in einem Land, wo das Wirtschaften an sich schon schwierig ist?

Was kann ich als Reiseveranstalter tun?

Sehr gerne biete ich Ihnen echte Ökocamps an, wo der Wasserverbrauch reduziert wird, wo es Recyclingsysteme für das Brauchwasser gibt, wo E-Pirschfahrten möglich sind, wo mit den Mitarbeitern fair umgegangen wird und wo die ortsansässige Bevölkerung in das Tagesgeschäft mit einbezogen wird.

Aber solche Camps sind immer teurer als konventionelle Camps, die auf Massentourismus abzielen.

Ja, es riecht mehr nach Camping, aber ein Plumpsklo (long-drop) und eine Eimer-Dusche (bucket shower) sind nun mal umweltfreundlicher. Eingeschränkt komfortabel, aber wenigstens umweltfreundlich.

5. Ökologisch vernünftiges Verhalten

Es braucht nur ein wenig Um- und Mitdenken von seiten der Reisenden, um die Auswirkungen ihres Besuches in Afrika auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Darüber habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben: 15 leicht umzusetzende Ideen für umweltverträgliches Reisen in Afrika

Helfen Gütesiegel bei der Entscheidung für eine Safari oder einen Veranstalter?

Leider musste ich mit Ernüchterung feststellen, dass diverse Gütesiegel den Verbrauchern keine Antworten für grünes, klimaneutrales Reisen liefern. Mit Entsetzen preisen sich hier Unternehmen oder Camps an, wo ich aus eigener Erfahrung weiß, dass ihr Handeln weder ethisch noch ökologisch und schon gar nicht fair ist: Camps, die von arabischen Investoren finanziert werden (die bekanntlicherweise kein Erbarmen mit Mensch und Tier haben), Tour Operators, die ihre Fahrer nur per Trip bezahlen (und nicht angestellt haben, aus Kostengründen versteht sich) und die im großen Stil Steuern unterschlagen, Hotels, die aus Korruption und Unterschlagung im großen Stil entstanden sind.

Aus diesem Grund ist eine zahlende Mitgliedschaft bei den Gütesiegeln keine Option für mich persönlich. Die Camps regelmäßig mit eigenen Augen zu sehen, mit den Beteiligten zu sprechen, und ein gutes Einvernehmen mit den Dienstleistern vor Ort zu haben, ist für mich noch immer die beste Möglichkeit zur Beurteilung.

Für Sie als Konsument ist es sehr schwierig, hinter die Kulissen zu schauen. Ich denke, wie in jedem Bereich des täglichen Lebens bleibt Ihnen nur übrig, viele (auch unangenehme) Fragen zu stellen. Wer keine Fragen stellt, bekommt keine Antworten.

Mein Tipp: Stellen Sie viele Fragen, bohren Sie nach. Green Travel erfordert Eigenverantwortung und einen gewissen Mehraufwand. Gerne bin ich Ihnen dabei behilflich!