Stimmt, es liest sich auf den ersten Blick etwas trotzig. Und im Grunde bin ich es auch. Denn scheinbar funktioniert die Eigenverantwortung in unseren Breiten nur mäßig. Genau deswegen, weil ich eigenverantwortlich handle, sind die uns von der Politik auferlegten Reiseinschränkungen für mich persönlich überzogen. Seit Monaten ist die Maske mein liebstes Modeaccessoire, Abstand halten ist selbstverständlich, ich meide Massenaufläufe und an meine letzte ausschweifende Party kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern.

Warum also soll ich aufs Reisen verzichten, wenn ich mich an alle von den Experten postulierten Vorsichtsmaßnahmen halte? Wenn es Ihnen ebenso ergeht, dann habe ich eine gute Nachricht für Sie: Tansania wartet ungeduldig auf Sie!

Aber was soll jetzt anders sein in Tansania als zuvor? Vieles. Eigentlich fast alles (bis auf die Wildtiere und Landschaften).

Hier meine 10 Top Gründe, warum gerade jetzt eine Safari in Tansania lohnenswert ist.

1. Weil die Parks menschenleer sind.

Wo sich vorher 50, 60 Fahrzeuge um eine Tiersichtung scharrten, herrscht jetzt gähnende Leere. Die wenigen, vereinzelten Fahrzeuge verteilen sich weitläufig, ein Gefühl des Massentourismus kommt nirgendwo auf. Sogar in der Serengeti oder dem Ngorongoro Crater, früher Nadelöhre und überfüllte Spielplätze von hunderten Safari-Fahrzeugen an einem Tag, kommen momentan nur ganz wenige Gäste in den Genuss einer „African massage“.

Den Tieren ist’s egal – sie sind so wie jedes Jahr da und genießen (vermutlich) den himmlischen Frieden ohne Motorenlärm.

2. Weil es nicht so viel Aufwand bedarf, um abseits des Massentourismus zu bleiben.

Früher, in Vor-Corona-Zeiten, musste ich mir in manchen Parks Umwege und Kniffe ausdenken, um den großen Touristenmassen zu umgehen. Manchmal hatte das Reiseprogramm dadurch längere Strecken aufzuweisen, einfach damit man dem Massentourismus ein Schnippchen schlagen kann.

Das ist momentan nicht notwendig. Kurze Wege, kürzere Transfers, mehr Zeit bei den Tieren oder den Aktivitäten – und selbst den Ngorongoro Crater, früher Hotspot der Verkehrsstaus, kann ich guten Gewissens empfehlen.

3. Weil die Hotels, Camps und Lodges in Tansania dringend Ihre Unterstützung benötigen.

Staatliche Unterstützungen, Erleichterungen, Zugeständnisse seitens der Politik oder gar Nachsicht existieren in Tansania nicht. Kurzarbeit, Steuersenkungen oder Überbrückungskredite, Fehlanzeige. Es sind auch keine Maßnahmen in Zukunft zu erwarten.

Für die Leistungsträger in Tansania bedeutet dies: null Einkommen seit März 2020, die Kosten laufen weiter. Und damit sind nicht die Personalkosten gemeint, denn die sind vergleichsweise mit Mitteleuropa gering, weil es kaum Lohnnebenkosten oder Sozialabgaben gibt und das Lohnniveau insgesamt geringer ist.

Viel schmerzvoller sind die staatlichen Abgaben, wie Steuern oder Zahlungen an die Nationalparkbehörden, wo es kein Entgegenkommen der Behörden gibt. Oder Kosten für den Tierschutz, der aufrecht erhalten muss. Oder Büromieten, Leasingkosten für die Fahrzeuge, Instandhaltung für Camps und Autos. Oder Telefonkosten, Internet, Büromaterial.

Seit März 2020 tragen die Unternehmen diese Kosten komplett ohne Einnahmen. Die Nachrichten und Emails meiner Bekannten und Geschäftspartner in Tansania waren teilweise herzzerreißend.

Signalisieren Sie Unterstützung und geben Sie den Tourismustreibenden Hoffnung, dass es weitergeht. Ansonsten werden es viele nicht bis zur nächsten Hauptsaison im Juli 2021 schaffen.

4. Weil Hunderttausende Menschen direkt vom Tourismus abhängig sind.

Nicht nur Unternehmen, sondern die direkt Beschäftigten und indirekt profitierende Bevölkerung, stehen vor dem Nichts. Bei den Angestellten und den Menschen, die vom Tourismus leben, geht es aber nicht primär um Nahrung, Kleidung oder ein Dach über dem Kopf. Die meisten haben selbst Felder, und wenn nicht, dann werden sie von der Großfamilie mit Nahrungsmitteln versorgt.

Das große Problem ist Bargeld. Geld für die Schule, für Schulgebühren, für medizinische Versorgung, für Transporte, Bus, für Strom, Fernsehen, Mobiltelefone, Gesprächsguthaben. Sparen ist keine Tugend in Tansania, auf Reserven zurückzugreifen nicht möglich.

Nur durch Löhne oder Einkommen (oder Spenden) kann Bargeld in die Haushalte schwappen.

Erst vor zwei Wochen hat eine meiner Partneragenturen in Tansania eine Charity-Aktion für ihre Kilimanjaro-Träger organisiert. Als Kaffeepflücker verdienten sie auf einer großen Kaffeefarm Geld.

5. Weil mit Ihren Eintrittsgeldern Naturschutz betrieben wird.

Kaum versiegten die Eintrittsgebühren, zogen die Nationalparkbehörden die Angestellten ein, egal ob Ranger oder Büromitarbeiter. Eine Verpflichtung von Staats wegen oder um die „Kronjuwelen“ für später zu erhalten, dafür sah sich der Staat nicht zuständig.

Also sprangen Private ein, Camps, Lodges, touristische Leistungsträger, NGOs, um wenigstens ein Mindestmaß an Natur- und Tierschutz zu gewähren. Aber ohne Personal, Fahrzeuge und Gerätschaften ist es schier unmöglich, die riesengroßen Gebiete zu schützen und zu kontrollieren.

Deshalb sind die Tiere – und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass Tansania eines der tierreichsten Länder Afrikas ist – auf Ihre Safari angewiesen, sodass wieder Eintrittsgelder in die Kassen der Parkbehörden fließen und das Personal auf Patrouillen geschickt wird.

6. Weil Sie ganze Dörfer mit Ihrem Besuch unterstützen.

Tansania steht nicht nur für Tiere, sondern auch für Kulturtourismus, mehr als andere afrikanische Länder. Dies liegt daran, dass sich im Norden Tansania‘s sogenannte Drive-In-Safaris etabliert haben, wo man mit dem Fahrzeug unterwegs ist (anstatt wegen der großen Entfernungen zu fliegen wie in Sambia, Botswana oder Simbabwe). Viele Dörfer liegen entlang der Touristenrouten und sind leicht zugänglich für Besucher.

Es gibt (leider) unzählige Initiativen, die nicht der Rede wert sind, aber einige gut organisierte Programme verdienen Unterstützung. Speziell, wenn die Einnahmen dem Gemeinwohl zugute kommen, indem Schulen, Lehrer, Latrinen oder die Wasserversorgung im Dorf finanziert werden.

Auch diese Dörfer haben seit März kaum Einkünfte. Vom Inlandstourismus profitieren solche Dörfer nicht, denn für Tansanier oder vor Ort lebende Expats ist Dorf- und Zusammenleben Alltag.

Dabei schlagen Reisende gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie unterstützen die lokale Bevölkerung und haben das Vergnügen, fast die einzigen Gäste auf einer Village Tour zu sein.

Für die Dorfentwicklung sind die fehlenden Touristendollar verheerend. Ganz zu schweigen von der Arbeits- und Perspektivenlosigkeit der Dorfbewohner.

7. Weil viele Lodges und Camps kulant und entgegenkommend bei Storno- und Zahlungsbedingungen sind.

Als sich die Grenzen im Juli wieder öffneten, war die Hoffnung groß. Doch mit dem Infektionsgeschehen in Europa und in Amerika, dem Hauptmarkt für Safaris, hat sich die Hoffnung zerschlagen. Die Camps und Lodges, früher erfolgsverwöhnt und jährlich mit Wachstumsraten gesegnet, realisierten endgültig, dass es nun ums Überleben geht. Daher sind viele bereit, ihre ursprünglichen, oftmals rigiden Zahlungs- und Stornobedingungen zu lockern. Früher waren Stornofristen von 50 Tage vor der Ankunft keine Seltenheit, wie auch die vollständige Bezahlung der Reise durch den Veranstalter 6 – 8 Wochen vor der Anreise.

Jetzt ist man froh, wenn überhaupt jemand bucht – und akzeptiert zähneknirschend kulantere Storno- und Zahlungsbedigungen.

8. Weil es keine Verkehrsstaus gibt.

Ich erinnere mich an meine letzte ausgedehnte Recherchereise Ende 2019. Ich arbeitete mich von Dar es Salaam per Fahrzeug über die Usambara Mountains und den Lake Chala hoch nach Moshi und Arusha. Ab dem Kilimanjaro Airport nahm die schiere Menge an Safari-Fahrzeugen auf der Straße sprunghaft zu. Zäh wälzte sich der Verkehr in Richtung Arusha, und wegen des dichten Verkehrsaufkommen brauchten wir deutlich länger für die Fahrt als üblich. Der Großteil des Verkehrs bestand aus Safari-Fahrzeugen; große, mächtige Geländewagen in allen erdenklichen Safari-Farben.

Nun sind bis auf die Busse und Dalladallas nur wenige Geländewägen und Privatfahrzeuge unterwegs und man kommt schnell in den Ballungszentren (Dar es Salaam, Arusha) voran.

Selbst an Gates hat es keine Verkehrsstaus mehr. In Vor-Corona-Zeiten drängten 40, 50 (oder mehr) Fahrzeuge gleichzeitig an einzelne Gates, was erhebliche Wartezeiten für die Gäste bedeutete. Im Büro am Gate mussten unzählige Besuchs-Permits abgewickelt werden, was schon mal zu 30 oder 45 Minuten Wartezeit führte.

Der fehlende Safari-Verkehr macht sich vielerorts bemerkbar, z. B. keine vollbesetzten Picknick-Plätze, keine Autoschlangen an der Ngorongoro-Descent-Road, keine drängelnden Autolawinen an Löwen-Sichtungen.

9. Weil es in Tansania wärmer und im Freien die Gefahr einer Ansteckung geringer ist.

Während bei uns der Herbst eingezogen ist, beginnt in Tansania die heiße Zeit. Für Sie als Reisende ist das ein Segen, denn 97 % Ihrer Zeit auf Safari verbringen Sie im Freien: im Geländewagen mit geöffnetem Hubdach, im Restaurant-Zelt mit geöffneten Seitenteilen oder in Ihrem Zelt mit geöffneten Fenstern oder Türen.

Da Sie sich auf einer Safari größtenteils im Freien (oder Quasi-Freien) aufhalten, ist die Gefahr einer Ansteckung viel viel geringer als in geschlossenen Räumen.

Außer in Städten wie Arusha, Dar es Salaam oder Stone Town treffen Sie kaum auf typische Hotels, aber solche Orte können Sie meiden und stattdessen (in der Planungsphase) Unterkünfte wählen, die ausreichend Platz, Luftzirkulation und frische Luft garantieren.

10. Weil Sie es sich nach der herausfordernden Zeit wirklich verdient haben.

Das Wichtigste am Schluss 🙂

Die letzten Monate waren geprägt von Unsicherheit, Ängsten und Hysterie, von Auf und Abs, von psychischer Belastung, von Stress (z. B. emotionaler oder beruflicher Art), von Hoffnungslosigkeit, von Hiobsbotschaften, schrecklichen Bildern, Verwirrung und Resignation.

Gönnen Sie sich Tansania nach all der Aufregung. Sie haben es sich verdient.

Haben Sie sich diesen Ausblick auf die Serengeti nicht verdient?

Gerne informiere ich Sie über die kulanten Storno- und Zahlungsvereinbarungen, die ich mit einigen Camps getroffen habe. Das Covid-19-Protokoll wird in Tansania ohne Murren auf Punkt und Strich eingehalten. Masken, Abstand halten, Desinfizieren gehört in allen Camps und Flughäfen zur Routine. Die Buchungsvorlaufzeiten haben sich massiv verkürzt, vier bis fünf Wochen reichen momentan aus.

Den Spontanen gehört momentan die (Reise)Welt.