Teil 1 – Zu Besuch im Isoitok Camp (Nähe Mto wa Mbu und Lake Manyara) und bei den Maasai von Esilalei

Kaum von der Teerstraße abgebogen, hat es gleich den Anschein, mitten im Nirgendwo gelandet zu sein. Braungrauer Staub links und rechts, gespickt mit vielen Steinen und hin und wieder einem dornigen Baum. Nach nur 10 Minuten ist das Camp erreicht, aber irgendwie könnte es auch in der Serengeti nicht einsamer sein. Na ja, bis auf ein paar Maasai-Familien, an deren Bomas wir auf dem Weg zum Camp vorbeifahren.

Springen und Tanzen zum Spaß

Kaum ist das Sicherheitsbriefing hinter mich gebracht und das Zimmer bezogen, höre ich in der Ferne schon erste Gesänge. „Noch üben sie nur,“ erklärt man mir. 15 Minuten später, nachdem mir der Ehrenplatz zugewiesen wurde, marschieren die jungen Krieger ein, im Schlepptau 6 Mädchen im heiratsfähigen Alter von 12–13 Jahren. Die Sonne verglüht hinter den Akazienbäumen, während die 20 Maasai Spaß am Singen, Hüpfen und Wippen haben. Später erzählt mir Mbayani, dass die Gesänge und das Tanzen bzw. Springen einerseits ihre Zeremonien und Festivitäten begleitet, aber auch einfach nur aus Spaß an der Freude als Freizeitbeschäftigung praktiziert wird.

„Um die Mädchen zu beeindrucken, versuchen sie besonders hoch zu hüpfen,“ verrät mir Mbayani mit Augenzwinkern.

Klar, die Maasai präsentieren diese Tradition den Besuchern, aber es stimmt versöhnlich, dass das Tanzen und Singen nicht nur der Belustigung der Touristen dient.

Aus meiner Zeit in Tansania weiß ich, dass Maasai-Gesänge oft zu hören waren, in der Ferne, über Kilometer mit dem Wind getragen.

Mit anderen Gästen des Camps gemeinsam essen

Der Abend klingt gemütlich aus, bei einem einfachen, aber vorzüglichen Essen. Die Unterhaltung am Tisch dauert lange an, von Trump über Kochrezepte bis hin zum letzten Urlaub in Kroatien reicht die Palette der Themen am Tisch. Normalerweise essen alle Gäste gemeinsam an einem Tisch, aber auf Wunsch wird für Paare auch gerne getrennt von der Gruppe ein Tisch gedeckt.

Es ist Juni, die Abende sind wunderbar lau, aber im Juli und August kann es abends kälter sein. Eine kuschelige Fleecejacke tut gut!

Kaffee und Kingfisher als Wake-up-Call

Mit Kaffee auf der Veranda werde ich um 6.30 Uhr geweckt. Die Vögel stimmen ihre Morgenmelodien an, in der Ferne höre ich Stimmen, vermutlich von den Maasai-Jungen, die die Kühe auf die Weide treiben (sonst ist ja niemand in der Gegend).

Mbayani holt mich ab, drückt mir einen glatt polierten, recht geraden Ast in die Hand und stellt trocken fest „Now you are a real Maasai!“.

Im Maasai-Dorf

Wir stapfen hinunter zur Boma. Ich lerne, dass „Sopai“ zur Begrüßung und „Sereina“ bei der Verabschiedung gesagt wird. Außerdem erfahre ich, dass die Kinder, um mich höflich zu grüßen, vor mir den Kopf beugen und mit der Hand am Kopf berührt werden.

Der Dornenzaun wird weggeschoben und ich in die Boma gebeten. Mir werden der Kuhstall und der Ziegenstall gezeigt; die Männer sind gerade damit beschäftigt, einer Kuh eine Vitaminspritze zu verabreichen. Scheinbar ist die Moderne im Maasai-Alltag angekommen. Gleich daneben, in einem abgezäunten Stück innerhalb der Boma, warten die Ziegen darauf, auf die Weide getrieben zu werden.

Jedem Besucher muss bewusst sein, dass es sich um keine aufgesetzte oder gekünstelte Attraktion handelt. Wir besuchen eine Maasai-Siedlung und dringen in ihr Leben ein. Zwar werden die Familien informiert, aber wir haben keinen Einfluss darauf, ob und wieviele Kühe, Ziegen oder Maasai im Dorf sind. Leider kann es auch passieren, dass außer zwei Frauen und 7 Kindern niemand in der Boma ist. Die Maasai sind ein streitbares Volk und lassen sich nicht gerne von Außenstehenden bestimmen. Es hat eben Vor- und Nachteile, ein „echtes“ Maasai-Dorf zu besuchen.

Die Frauen ziehen im Hintergrund die Fäden

Haus der ersten Frau rechts …. der zweiten Frau links …. je nach Status und Anzahl der Rinder kann sich ein Maasai zwei oder mehrere Ehefrauen leisten. Ich erfahre, dass sich ausschließlich die Frauen ums Hausbauen kümmern und dass die Häuser den Frauen gehören. Der Mann wiederum darf sich aussuchen, bei welcher Frau er übernachten möchte.

Ich werde ins Haus der zweiten Frau gebeten. Man zeigt mir die beiden Schlaflager, die Küche, wo bei offenen Feuer gekocht wird und ganz stolz zeigt mir die Frau die Wasserfilterbehälter, die es ihnen nun erlauben, ohne chemischen Aufwand sauberes Wasser zu haben.

Wir scherzen über die Männer und bewundern gegenseitig unseren Schmuck. Die Maasai-Frau zeigt bewundernd auf meine Ohrringe und möchte mein glattes Haar berühren. Ich wiederum finde ihr Ohrgehänge wunderschön.

Nach etwa 1 Stunde verabschiede ich mich von der Familie, die mich freundlicherweise in ihr Leben blicken hat lassen.

Natürlich erhält die Familie eine monetäre Abgeltung für den Besuch, aber der Großteil der eingenommenen Gelder fließt in die Stiftung, die Wasseraufbereitung, den Dorflehrer, die Schule, Latrinen und Solarlampen finanziert.

 

Weitere Beiträge über den Besuch bei den Maasai folgen!