Reisebericht aus dem South Luangwa National Park in Sambia

Echt wild

Südlich der Kafunta River Lodge beginnt die Wildnis. Echter Busch. Nach zwei Stunden sehen wir zum ersten Mal, seit wir Kafunta verlassen haben, wieder eine Menschenseele. Ein Mann schiebt sein voll beladenes Fahrrad über die staubige Sandpiste.

Auf dem Weg zum Lusangazi Gate passieren wir zwei sehr einfache Dörfer, Nyamaluma und Chilongozi.

Später erfahren wir, dass die häufigste Todesursache im Valley, wie der Landstrich unter den Einheimischen genannt wird, Elefanten sind.

Besonders in den trockenen Monaten, wo die Herden zweimal pro Tag zum Fluss marschieren, kollidiert der Alltag der Menschen mit den Gewohnheiten der Tiere. In dieser Zeit sind die Elefanten auch besonders nervös und aggressiv, weil die Trockenheit sie hungrig oder durstig zurücklässt. Mit einem der beiden Dörfer startete man ein Pilotprojekt. Elektrische Zäune, die mittels Solarzellen betrieben werden, schützen das Dorf. Die ersten Monate verliefen bereits positiv; die Dorfbewohner äußern sich zufrieden über den Zaun.

Island Bush Camp, South Luangwa National Park

Der Welt entsagen … ich könnte mich daran gewöhnen!

Wir passieren das Lusangazi Gate, niemand da. Wir hören, dass das Island Bush Camp als einziges Camp den Eingang nutzt. Die Parkbehörden verständigten sich mit den Betreibern darauf, sich gegenseitig zu vertrauen, und kein Personal hier zu stationieren. Selbst Einheimische leben nicht gerne so abgelegen; viel lieber bleiben sie bei ihren Familien in der Stadt, wo es kaltes Cola und Strom für Musik und Handy gibt.

Kurz vor dem Camp, nach 2,5 Std. „African Massage“, taucht unvermutet eine Herde Elefanten aus dem dichten Wald auf. Geschwind schirmen die Mutterkühe die zwei Jungen ab, sodass man im Gewirr der vielen Beine die Jungtiere nicht mehr erkennt. Sie lassen das Fressen sein, blicken nervös zum Auto und die Leitkuh dirigiert die Gruppe sanft und schnell zurück ins Dickicht.

Was für eine Begrüßung!

Aufs Wesentliche reduziert

Nach dem Willkommensdrink und dem obligatorischen kühlen Feuchttuch bringt uns Eugene, der junge, etwas schüchterne Manager, zu unserem Chalet: urig, naturnah und in bester Buschmanier.

Man hat alles, was man braucht, aber nichts, was unnötig ablenkt.

Zwei Betten, Moskitonetz, Nachttische, Tisch und Sessel, ein rustikales Regal, WC, Dusche, Waschbecken und ein kleiner Spiegel – und das alles mit 180°-Panorama-Blick auf den Luangwa River. Nach hinten sind die Chalets natürlich geschlossen, aber nach vorne komplett offen, quasi Full HD Bush TV.

5 Chalets stehen links und rechts vom Restauranthaus/Bar/Lounge, bei Vollbelegung befinden sich nicht mehr als 10 Menschen im Camp.

Tagsüber muss die Sonne eingefangen werden.

Das Camp liegt weit abseits vom Schuss – kein WLAN, kein Funksignal, ja nicht einmal Strom (zumindest für die Gäste). Für Licht im Camp sorgt das Kraftwerk Sonne, das die Lampen tagsüber auflädt.

Keine Sorge, ein eiskaltes Mosi-Bier wird trotzdem serviert.

Nach einer kurzen Siesta trommelt man uns zur Tea Time, ein sympathisches Relikt aus der britischen Zeit.

Wie pünktlich doch alle sind, wenn Kaffee, Tee und Leckereien warten!

Showtime

Wegen der für Oktober üblichen Hitze (40°C und mehr) verlassen wir das Camp erst gegen 16.30 Uhr; nach knapp 15 Minuten Fahrt ist der Ausgangspunkt für die Walking Safari erreicht.

Wir marschieren los, im Gänsemarsch, der Guide und der Ranger an der Spitze, so wie es sich gehört. Es dauert nicht lange, und wir sehen eine massive Elefantenherde auf der anderen Seite des schmalen Flussarmes. Noch haben sie unsere Witterung nicht aufgenommen und trotten seelenruhig weiter in Richtung Wasser des Luangwa River. Plötzlich dreht der Wind, sie bleiben stehen. Ein paar Elefanten halten ihre Rüssel in die Höhe; typisch, wenn sie einem Geruch nachgehen wollen. Sie sind unschlüssig, wollen das Flussbett nicht queren, wir blockieren ihren Weg. Der Guide und der Ranger besprechen sich leise.

Wir hangeln uns langsam weiter, kriechen durchs Dickicht, laufen über einen ausgetrockneten Sumpf, die Elefanten immer im Blick.

Unser Duft verrät uns noch immer, auch wenn sie uns teilweise nicht sehen können.

Ein paar Schlauberger, eh klar, männliche Teenager, haben sich von der Herde abgesetzt und versuchen, weiter vorne den Flussarm zu queren.

Elefanten auf zwei Fronten, könnte man sagen. Die Dämmerung legt sich über die Savanne, aber wir sind noch meilenweit von unserem Lagerplatz für den Sundowner entfernt. Die Elefantenherde hat uns auf Trab gehalten. Es dauert mehr als eine Stunde, bis wir endlich durch geschicktes Manövrieren der Sicht- und Riechweite der Elefanten entkommen.

Wie aufregend! Die Anspannung lässt nach, selbst der Guide scherzt wieder. Knapp versäumen wir den glutroten Sonnenuntergang, aber für Elefanten lass‘ ich gerne meinen heiß geliebten Gin Tonic sausen.

Walking Safari, South Luangwa National Park

Schwer zu sehen, aber auf der anderen Seite des Baches kommt die Vorhut der Elefantenherde gerade aus dem Wald heraus.

Die folgende Pirschfahrt in den frühen Nachtstunden (bis ca. 20 Uhr) verläuft unspektakulär, aber so ist es eben auf Safari – mal kreuzen Tiere den Weg, mal eben nicht. Hauptsächlich nachtaktive Tiere hofft man zu sehen, wie Ginsterkatzen, Zibetkatzen, ein Stachelschwein oder sogar einen Leoparden,

Der Abend klingt unterhaltsam beim Candlelight-Dinner mit den anderen Gästen des Camps aus. Das Personal bringt über dem offenen Feuer erwärmtes Wasser und füllt es in den Eimer über dem Duschkopf. Selbst bei Tropentemperaturen dusche ich am liebsten mit heißem Wasser (was für Afrikaner ganz unverständlich ist, weil sie sich am liebsten kalt duschen).

Ich gleite augenblicklich in tiefen Schlaf, das Grunzen der Hippos ersetzt das Schäfchen zählen.

Morgenstund‘ hat Kaffee im Mund

Um kurz vor 5 Uhr kitzeln die ersten Sonnenstrahlen in der Nase, das Vogelkonzert beginnt. Keine Chance, länger zu schlafen. 20 Minuten später sitzen wir vor einer dampfenden Tasse Kaffee samt frischen Muffins. Die anderen Gäste unternehmen eine Walking Safari, direkt vom Camp aus.

Ich habe beschlossen, die Atmosphäre im Camp zu genießen … und mir später eine zweite Tasse Kaffee zu genehmigen.

Einfach nur sein, die Atmosphäre inhalieren, den Hippos zuwinken, Vögel beim Frühstück beobachten und darauf hoffen, dass Mr. Zambezi, der Haus-Elefant, heute wieder auf einen Morgentrunk vorbeischaut.

Haus Elefanten Island Bush Camp, South Luangwa National Park

Mr. Zambezi schlürft Wasser zum Frühstück. Ich trinke genüsslich meine Tasse Kaffee.