Helfen vor Ort – Teil 2

Oft erreichen mich Anfragen von Menschen, die helfen wollen. Auch Kunden bitten mich manchmal um Rat, wie man denn am besten die Not lindern könne. Mitunter treiben solche Intentionen sonderbare Blüten.

Lesen Sie hier, warum gut gemeint bisweilen genau das Gegenteil von gut ist:

1. „Ich möchte eine Schule (einen Brunnen) bauen.“

Gut, besonders für das Ego. Aber vielleicht brauchen die Menschen in dieser Gegend im Moment etwas anderes viel dringender. Vielleicht hätten sie lieber einen Fußballplatz oder saubere Latrinen oder ein neues Dach für die Klinik. Wenn die Gemeinden nicht in Projekte einbezogen und ihre Anliegen gehört werden bzw. ihnen Verantwortungen zugeteilt werden, wird das Projekt ebenso wenig funktionieren wie eine Abwicklung ohne die Federführung einer kompetenten, seriösen NGO.

Safari Insider Tipp: Selbst wenn es sich um ein von Ausländern finanziertes Projekt handelt, sollten die Einheimischen für daraus resultierende Leistungen bezahlen.

Die Behandlung im Spital muss etwas kosten (zwar im Rahmen der Möglichkeiten, was bei weitem nicht kostendeckend ist, aber für die Deckung der Kosten sind ohnehin die Projektinitiatoren verantwortlich). Das gilt für alle Maßnahmen: Die Tansanier müssen wenigstens bereit sein, kleine Beträge dafür zu bezahlen, denn alles, was nichts kostet, ist nichts wert (und wird nicht wertgeschätzt).

2. „Ich nehme Kleidung mit, die meinen Kindern zu klein ist. Darf ich da im Flugzeug mehr Gepäck mitnehmen oder soll ich die Sachen schicken?“

Weder noch. Afrika ist kein Depot für abgelegte Dinge aus dem Westen. Wenn Sie helfen wollen, setzen Sie sich mit einer Organisation in Verbindung, die einerseits den örtlichen Bedarf kennt und andererseits darauf achtet, was tatsächlich brauchbar ist.

Wer selbst nach Afrika reist, kann dort, vor Ort, günstig Kleidung und regional gebräuchliche Bücher einkaufen und einer Schule, Kirche oder NGO übergeben. Wer sich die Transportkosten erspart, kann das Geld vor Ort in sinnvolle, gut geprüfte Projekte stecken.

Bei dieser Vorgangsweise gehen alle als Profiteure hervor: die Menschen, die für sie passende Kleidung erhalten; die NGOs, die wissen, wer wirklich hilfsbedürftig ist (und nicht nur so tut, als ob); die Geschäftstreibenden vor Ort, die vom Handel profitieren; ja sogar die Buchdrucker, Papierindustrie, Schneider, Baumwollbäurinnen und viele mehr in der Produktionskette.

3. „Machen wir ein Computerlabor!“

Ein guter Plan, um ausrangierte Drucker und PCs loszuwerden. Fragt sich nur, wer dann vor Ort den Support macht bzw. woher die Schulen Tintenpatronen oder entsprechende Software-Updates bekommen . Ganz zu schweigen davon, wer für Reparaturen aufkommt. Oder wer das Know-How hat, die Reparaturen fachkundig durchzuführen. Und und und.

4. „Wo kann ich vor meinem Urlaub eine Woche Freiwilligendienst machen?“

Am besten gar nirgends.

Würden Sie wollen, dass Unbekannte ohne Fachausbildung eine Woche Ihre Kinder betreuen, oder Gott behüte, ihnen Englisch beibringen?

Kindern stehen überall auf der ganzen Welt Sicherheit, Stabilität und Geborgenheit zu. All das kann ihnen jemand, der gerade einmal eine Woche lang bei ihnen ist, nicht bieten.

Erfahrungsgemäß dauert es in Afrika mindestens ein  Jahr, bis internationale Freiwillige einen nennenswerten positiven Beitrag leisten können. Bis sie mit der Mentalität, den gesellschaftlichen Regeln, der Moral, den Sitten, der Sprache zurande kommen. Und selbst das schaffen sie nur, wenn sie zuvor auf ihre Eignung überprüft und speziell geschult sind.

5. „Können wir den armen Kindern Geschenke mitbringen?“

Selbst die ärmsten Kinder haben das Recht, weder angestarrt noch zum Betteln „erzogen“ zu werden.

Wer von Arusha aus in die nördlichen Nationalparks fährt, wird die Auswüchse dieser „Unart“ am eigenen Leib erfahren. „Naomba pen“, „Naomba pipi“, „Nipe pesa“ brüllen die Kinder hinter den Safari-Fahrzeugen hinterher.

(Übersetzung: „Ich bitte um einen Stift“, „Ich bitte um Bonbons“, „Gib mir Geld!“)

Wenn Sie eine Schule besuchen, geben Sie Papier und Stifte bei einem Lehrer ab, der die Sachen verwaltet. Wenn Sie ein Waisenhaus besuchen, geben Sie Mitbringsel bei der Leitung ab. Wenn Sie ein Dorf besuchen, gehen Sie in eine kleine duka (Geschäft) und kaufen Sie eine Flasche Wasser, ein paar Erdnüsse oder Eier und reichen Sie diese weiter an die Erwachsenen, damit die Dinge an die Kinder verteilt werden.

Wollen Sie den Kindern direkt etwas Gutes tun, schenken Sie ihnen Zeit, ein ehrliches Lächeln oder ein nettes Wort in deren Sprache.

Safari-Insider-Tipp: Sie wollen helfen? Geben Sie den Menschen Arbeit und buchen Sie eine Reise nach Tansania – das ist tatsächlich eine der besten Formen der Hilfe. Mit möglichst vielen Kulturtourismusaktivitäten und Übernachtungen in kleineren Familienbetrieben – da bleibt am meisten für alle Beteiligten „hängen“.

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