Ich habe eine ganz persönliche Studie, nur für mich allein, gemacht. Nichts Offizielles, mehr inoffiziell. 3 von 5 Anfragen formulieren in der Erstkontaktaufnahme, dass sie in irgendeiner Form abseits vom Massentourismus bleiben wollen.

Sie formulieren es unterschiedlich, mal richtig offensichtlich („kein/wenig Massentourismus“, „nicht touristisch“), mal etwas im Verborgenen („kleine Camps“, „naturnah“, „an ruhigen Orten“).

Den Wunsch, den Massentourismus zu meiden, kann ich natürlich nachvollziehen. Genau stelle ich mir Reisen nach Afrika vor. Nur eines muss Ihnen bei der Planung Ihrer Safari bewusst sein: Er lässt sich halt nicht (mehr) zu Budget-Preisen zu verwirklichen.

1. Buchen Sie preiswertere Camps.

Die Preisgestaltung bei den Camps und Unterkünften ist für Laien schwer nachvollziehbar, aber „preiswert“ kann ein Camp dann operieren, wenn…

  • es rudimentär einfach ist und nach westlichen Maßstäben Qualitätsabschläge in Kauf zu nehmen sind, beispielsweise beim Essen, bei Matratzen, bei Sanitärausstattung oder dem Personal.
  • es Masse machen kann und die hohen Kosten für das Betreiben eines Camps auf möglichst viele Gäste aufteilen kann.
  • es nahe an den Hauptpisten- und Hauptstraßen liegt. So können die Logistikkosten minimiert werden, die Versorgungsfahrzeuge brauchen weniger Sprit, weniger Verschleißteile, weniger Kosten.
  • es Teil einer Kette ist. Ob man nun für ein Camp oder für 10 Camps eine Webseite betreibt, Messebesuche plant und Werbung macht, es ist immer gleich teuer. Wer 100 Bettlaken und Handtücher einkaufen kann, bekommt Rabatte. Wer nur 10 kauft, schaut durch die Finger.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass „teure“ Camps automatisch immer besser sind, aber die Chancen stehen gut. Häufig entscheiden sich hochwertigere, teurere Camps, abseits der typischen Massenrouten zu bleiben. Denn in Afrika bezahlt man nicht nur für die Ausstattung, sondern vor allem für die (isolierte) Lage. Dies wissen hochwertige Camps, nämlich dass Gäste dafür bereit sind, mehr zu bezahlen, nur damit sie dem Mob entkommen können.

Safari-Insider-Tipp: Mit einem höheren Reisebudget „kaufen“ Sie sich nicht unbedingt mehr „Luxus“, sondern mehr Busch-Erleben – weniger Massentourismus, mehr Natur, mehr Naturnähe, mehr Isolation, mehr Abgeschiedenheit.

2. Buchen Sie Standardsafaris bei Großhotels und Kettencamps.

10 Minuten Recherche. Diese sollten in aller Regel ausreichen, um Ihnen einen guten Überblick zu schaffen, wo der Großteil der deutschsprachigen Touristen nächtigt. An die 60.000 Deutsche (es gibt nur Schätzungen, keine konkreten Zahlen) zieht es jedes Jahr nach Tansania, das drittstärkste Besucheraufkommen hinter der USA und UK.

Wie die tansanischen Behörden schätze ich nun mal, dass sich der Großteil der deutschen Gäste auf 10% der in Tansania verfügbaren Camps und Hotels verteilt.

Safari-Insider-Tipp: Natürlich sind Großhotels und Hotelketten per se nicht schlecht, speziell wenn Sie eine leistbare Safari suchen. Wenn Sie sich selbst aber als Individualisten und Querdenker einschätzen, werden Sie in solchen Camps und auf solchen Rundreisen nicht glücklich werden.

Wenn Sie sich so Ihre Tansania-Safari vorstellen, sollten Sie sich an einen Spezialisten wenden.

3. Buchen Sie bei Großveranstaltern, die Tansania als eine von 150 anderen Destinationen im Programm haben.

Nehmen wir an, Sie arbeiten im Controlling oder in der Buchhaltung. Sie kennen sich bestens aus mit Zahlen, Haben, Soll, Risiken, Belegen, Quartalen, Berichten, Steuerbehörden, Abschreibung. Da sind Sie firm und sattelfest? Aber Hand aufs Herz: Wieviel Ahnung haben Sie vom Marketing und der Werbung? Oder von der Arbeit eines Produktionsmitarbeiters?

Wieviel Ahnung kann dann ein Mitarbeiter eines Veranstalters von den unzähligen Destinationen laut Katalog haben? Ja, es kann vorkommen, dass ein Mitarbeiter gut über Tansania oder Kenia Bescheid weiß, aber nur im Rahmen dessen, was der Veranstalter an Unterkünften und Routen „einkauft“. Da wiederum gibt es eine Produktabteilung, die einmal alle zwei Jahre für 3 Wochen durch Tansania reist und Hotels „einkauft“.

Genau. Ein Großveranstalter kann dann zwar viele Länder abdecken, aber immer nur oberflächlich. Immer nur mit Hotels, die den Massengeschmack treffen. Immer nur mit Camps, die bestimmte Vorgaben erfüllen können. Immer nur mit Unterkünften, die sich dem Preisdruck beugen wollen.

Besonders krass ist diese Einkaufspolitik auf Sansibar zu erkennen. Hier werden von den Großveranstaltern fast ausschließlich die großen Pauschalhotelkomplexe „eingekauft“. 10 Minuten Recherche im Internet, Sie werden sehen, dass Sie immer über dieselben Namen stolpern.

Safari-Insider-Tipp: Heißt natürlich nicht, dass es keine schnuckeligen, kleinen, persönlich geführten Lodges und Camps gibt, sie werden halt einfach nicht „eingekauft“. Fragen Sie mich, ich habe in Tansania sechzig, siebzig, achtzig solcher sympathischen, meist Inhaber-geführten Unterkünfte an der Hand.

4. Buchen Sie eine Standard-Safari, mit 7 Tagen Safari und 7 Tagen Sansibar.

Das meiste, was ich zuvor angemerkt hatte, gilt auch hier.

Wollen Sie es noch kuscheliger auf Safari, dann buchen Sie am besten eine Safari mit Ankunft am Samstag oder Sonntag.

Safari-Insider-Tipp: Natürlich wollen Sie die Highlights und möglichst viele Tiere erleben, das ist nachvollziehbar. Mit einer klug geplanten Reise schlagen Sie mehrere Fliegen mit einer Klappe: Sie sehen Unmengen von Tieren, aber meiden die Massen an den Gates, die alle zur selben Zeit in die Parks fahren. Sie bleiben an einigen Stationen abseits des Massentourismus, aber müssen dennoch nicht auf unvergessliche Momente verzichten.

5. Buchen Sie Sansibar am besten bei Tripadvisor, Expedia & Co.

Die Buchungsplattformen sind Segen und Fluch zugleich. Ein Segen für die Unterkünfte, denn nun haben sie direkten Zugang zu den Gästen und müssen den Profit nicht mit den ungeliebten Reiseveranstaltern teilen. Ein Segen für die Gäste, denn so wendig und flexibel wie sie bei der Preisgestaltung sind, kann kein Veranstalter mithalten.

Der Teufel liegt im Detail.

  • Viele Gäste-Reviews sind bezahlt, gefakt, schlichtweg gelogen.
  • Viele Unterkünfte stellen nur ihre schlechtesten Zimmer bei den Buchungsplattformen ein.
  • Fotos können lügen. Nur ein Beispiel: Bei meiner letztjährigen dreiwöchigen Tour durch Sansibar habe ich gut und gerne 30 neue Hotels begutachtet. Kein einziges könnte ich tatsächlich meinen Kunden vorschlagen. Die Qualität ist teilweise erschreckend, ein Jahr nach der Fertigstellung fallen viele Resorts bereits wieder auseinander.
  • Google Earth ist kein verlässliches Tool, um die Lage realistisch einschätzen zu können. Zeigt es auch Beachboys und Müll an?

Safari-Insider-Tipp: Wenn für Sie der Preis für Sie im Vordergrund steht, dann sind die Buchungsplattformen tatsächlich am besten. Geht es aber qualitative Anforderungen – beispielsweise ruhig gelegen, saubere Strände, Unterkünfte abseits vom Massentourismus, ehrliche Beratung und gewissenhafte Auskünfte – auch im Wissen, dass Sie bei Reiseveranstaltern etwas tiefer als Buchungsplattformen in die Tasche greifen müssten -, dann sind Sie bei Experten, die die Gegebenheiten vor Ort kennen, besser aufgehoben als bei einem Algorithmus.

Menschenleere Strände? Die gibt es noch auf Sansibar, aber nur mehr punktuell.

Fazit

An vielen Orten in Tansania beherrscht der Massentourismus die Szene, leider. Das ist die schlechte Nachricht. Aber man kann ihm ausweichen. Es bleibt Ihnen nur der Gang zu einem Spezialisten, der das Land in- und auswendig kennt. Abhängig vom bereisten Gebiet bedeutet „abseits vom Massentourismus“ meist ein höherer Reisepreis.

Noch eine Anmerkung: Ich möchte weder Standardsafaris noch deren gewerbliche Anbieter schlecht machen. Sie haben genauso ihre Berechtigung, speziell wenn man ein kleineres Budget zur Verfügung hat. Ich möchte einfach nur Bewusstsein schaffen, dass es das viel zitierte „Out of Africa“-Erlebnis nicht zu Budget-Preisen gibt.

Safari-Insider-Tipp: Es gibt so viele schöne, „weiße“ Flecken auf der Touristenlandkarte in Tansania. Es müssen nicht immer der Ngorongoro Crater oder Sansibar sein. Ruaha National Park, Katavi National Park, Usambara Mountains, Ushongo Beach, Kilwa, Fanjove Island und noch viele weitere Orte bieten genau das, was sich viele wünschen: authentische Unterkünfte, Lokalkolorit, Tiere, wunderschöne Landschaften, unvergessliche Momente.

Ich freue mich auf Ihre Anfrage!