Nach einigen staubigen Tagen auf Buckelpisten sehne ich mich nach einer Fortbewegungsart, die nicht permanent gelbgoldenen Sandstaub in die Nasen- und Ohrenlöcher bläst und mein malträtiertes Hinterteil entlastet. Ausserdem freut sich mein Gemüt darauf, zur Abwechslung ein bisschen grün zu sehen.

Als das Kanu mich später sanft durch die Wellen manövriert, und ich wegen des beruhigenden Plätscherns im Ohr mit den Flusspferden um die Wette gähne, zerdrücke ich verstohlen ein paar Tränen.

Tja, Safaris zu Wasser können einen wirklich emotional überwältigen. Auch jene, die nicht allzu nah am Wasser gebaut sind.

Mehrere Arten der Wasser-Safari

Auf einigen Flüssen fährt man mit dem Motorboot, dann spricht man von einer Boat Safari.

Manchmal muss man selbst Hand anlegen und paddelt mitsamt dem Guide oder weiteren Gästen im Kanu, macht also eine Canoe Safari.

Ob und wann welches Boot zum Einsatz kommt, hängt manchmal von Vorschriften, oft aber von der Strömung ab, ob man flussaufwärts gegen den Strom fahren muss.

Die Königsklasse: Canoe Trails

Die meisten Bootstouren, egal ob mit Kanu oder Motorboot, dauern zwei, drei Stunden.

Ein Canoe Trail hingegen dauert mehrere Tage. Oft ist man 2 – 3 volle Tage unterwegs, manchmal sogar länger, wenn es der Flusslauf, der Wasserstand bzw. der Startpunkt der Wasser-Safari zulässt.

Gefragt sind ein wenig Abenteuergeist, ein Prise Fitness und ein großer Patzen Sonnencreme.

Man ist in in den Morgen- und Abendstunden (um die sengende Sonne  zu meiden) flussabwärts unterwegs, nutzt also die Strömung des Flusses. Der Guide passt sich perfekt an das eigene Tempo an und dosiert die Fahrt, je nachdem wie gut er die Kräfte seines Schützlings einschätzt.

Während man gemächlich paddelt, bringt ein Motorboot die Camping-Ausrüstung zum Nachtlagerplatz. Das Camp wird aufgebaut, ein Koch zaubert köstliche Buschküche und ein, zwei Mitarbeiter sorgen für den reibungslosen Ablauf im Camp. Man schläft in kleinen, typischen Domzelten, mit Matratzen auf dem Boden. Die Ausstattung ist simpel, aber buschnahe: Plumps-Buschtoiletten, Camping-Dusche mit Warmwasser, herrliche Panoramen und Wildnis pur.

Die Gefahr ist überschaubar und dosiert. In jedem Fall muss den Anweisungen der Guides Folge geleistet werden.

 

Et voila … hier sind meine Top 3 Safaris zu Wasser in Afrika:

1. Lower Zambezi (Sambia) und Mana Pools (Simbabwe)

Viele Afrikaexperten sind sich einig: Auf dem Zambezi River erlebt man die besten Motorboot- und Kanu-Safaris, vor allem wegen der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt am Ufer.

Eine Herde Elefanten watet durchs Wasser, die Rüssel hoch in die Luft haltend. Eine Mama schiebt ihr Junges, das bis zu den Ohren im Wasser versinkt, sanft weiter. Ein junger Bulle trompetet angriffslustig aus dem Schilf. Diese Bilder im Kopf und Emotionen vergisst man nie wieder im Leben!

Abgesehen von jeder Menge Elefanten zeigen sich am Ufer Büffel, Löwen oder Antilopen, die zum Trinken an den Fluss kommen. Krokodile, Flusspferde und jede Menge Vögel sowieso.

Bootsfahrten werden in den unterschiedlichsten Varianten angeboten, als zweistündige Motorboot- oder Kanufahrt, oder aber als zwei- oder mehrtägige Kanu-Exkursion.

Der Vorteil des Zambezi River liegt darin, dass er das ganze Jahr Wasser führt. Daher sind Bootstouren ganzjährig möglich.

2. Selous Game Reserve (Tansania)

Im Selous sind die Wasser-Safaris als 2–3 stündige Ausfahrt mit dem Motorboot konzipiert, idealerweise am Abend ab 15 Uhr, in den Sonnenuntergang, mit obligatorischem Gin Tonic und Erdnüssen.

Viele Camps liegen im direkten Einzugsbereich des Rufiji River, jene haben ihre Boote direkt vor dem Camp geparkt und lassen das Boot bei Bedarf zu Wasser.

Andere Camps, die im nordwestlichen Teil des Selous liegen, müssen das mehrere Stunden entfernte Wasser erst erreichen. Der Tag wird dann so gestaltet, dass zuerst Tierbeobachtungsfahrten unternommen werden, nämlich auf dem Weg zum Fluss. Dort angekommen, wird der Motor aufs Boot gesetzt, das Boot zu Wasser gelassen und das Abenteuer beginnt.

Aufgeregte Hippos grunzen erbost, die in der Sonne dösende Krokodile verziehen sich rasch im Wasser, wenn das Boot näher kommt. Mit Glück sieht man Büffel, Wasserböcke oder Giraffen, wie sie sich am kostbaren Nass laben. Mit seinen mäandernden Nebenflüssen und kleinen Tümpeln und Seen bietet der Rufiji River speziell den Vögeln beste Bedingungen.

3. Okavango Delta (Botswana)

Eine Laune der Natur! Erst seit wenigen Jahren ist der Selinda Spillway, eine alter Kanal zwischen Okavango Delta und Linyanti Swamps, wieder befahrbar, nämlich seit den extremen Regenfällen von 2009, 2010 und 2011. Seitdem zählen die Kanu-Safaris auf dem Selinda Spillway beständig zu den besten Abenteuern, die Afrika zu bieten hat.

Für die Kanufahrt durch den 45 km langen Kanal sind 5 Tage und 4 Nächte veranschlagt (oder auch 4 Tage/3 Nächte, je nach Budget). Man verbringt die Zeit mit Paddeln, Walking Safaris, köstlicher Buschküche und Schlafen (fast) unter Sternen (in kleinen Domzelten). Maximal 8 Gäste sind pro Trail erlaubt, was die Kanu-Safari so wild und buschnah wie kaum eine andere Safari macht.

Elefanten dabei zuzusehen, wie sie voller Inbrunst im Wasser plantschen oder ein kühlendes Schlammbad am Ufer genießen, macht die Kanu-Safari zum Erlebnis of a lifetime. Büffel beäugen scheinbar gelangweilt im Schutze der Herde die Neuankömmlinge. Löwen, Pferdeantilopen, scheue Giraffen und gar Leoparden treibt es zum Wasser.

Es sollen sogar im Wasser schwimmende Wild Dogs gesichtet worden sein.

 

https://www.youtube.com/watch?v=tiQZrvUHc80

 

PS: Safaris in Botswana habe ich nicht im Programm, aber gerne verweise ich Sie an einen befreundeten Afrika- und Botswana-Spezialisten!