Die spektakulären Hochglanzfotos der großen Highlights kennt man ja aus Tansania – Kilimanjaro, Serengeti oder Sansibar. Aber wie schaut’s dazwischen aus, zwischen den Dörfern, abseits der Teerstraße? Wie sieht es in Gegenden aus, wo es nicht so viele Touristen hin verschlägt? Hier finden Sie mehr Geschichten und Fotos aus Dörfern und von Menschen hinter der Postkarten-Idylle.

Typisch blau

Eines der ersten Dinge, die mir in Tansania auffielen, waren die blauen Trucks auf der Straße. Aus mir unerfindlichen Gründen werden LKWs fast immer blau eingefärbt, und zwar im typischem satten Tansania-Mittelblau.

Heute glaube ich, dass die Primärfarbe blau einfach nur leicht erhältlich und billig ist, aber wahrscheinlich sind die Gründe dafür – wie immer in Tansania – komplexer als uns erscheint.

1. Blaue Swahili-Türen

In allen Swahili-Städten, z. B. Stone Town oder Bagamoyo, oder aber wie hier in einem Dorf im Norden in der Nähe des Tarangire National Park, findet man bei Spaziergängen alte, aufwändig verzierte Türen, die Swahili Doors. Je reicher die Hausbesitzer waren, desto aufwändiger waren die monumentalen Eingangstüren verarbeitet.

Häufig wurden sie auch blau angemalt. Blau galt immer schon  als Farbe der Reichen. Außerdem glaubte man, dass Blau gewisse magische Kräfte habe und positive Energien auf die Hausbewohner übertrage.

Blau war früher in Ostafrika nicht erhältlich, da es eine Primärfarbe ist und nur aus blauen Farbpigmenten erzeugt werden kann, die vor Ort nicht erhältlich waren. Sie kamen erst mit den arabischen und indischen Händlern nach Sansibar und die Küste von Tansania.

2. Flußaufwärts ist er vielleicht blauer

Nicht alle Flüsse sind blau in Tansania, die meisten sind wegen der roten Erde schlammig rotbraun. Nur wenn der Untergrund weiß oder felsig ist, erscheint das Wasser blau. Der Kilombero River, wie hier in Ifakara, erscheint blau-grau, durch den gelblich-grauen Sanduntergrund.

Die Fischer angeln alles aus dem Fluss, was genießbar ist. Die gefangen Fische werden im heißen Öl frittiert und so haltbar gemacht. Erst danach werden sie am Markt verkauft oder gar weiter, nach Mikumi Village oder andere Siedlungen entlang des Highway, transportiert, um dort zum Verkauf angeboten zu werden.

3. Stoffe in allen Farben, aber oft blau

Auch in Tüchern ist blau häufig zu finden. Keine Weberei, wie hier in Ifakara, verzichtet auf Kikoys aus blauer Farbe.

Nur mehr wenig Stoffe und Tücher werden in Tansania produziert, die Weberei in Ifakara ist vielmehr ein karitatives Projekt einer NGO als ein effizienter Stoffproduzent.

In den 1980er-Jahren ist die landeseigene Stoffproduktion aufgrund von Misswirtschaft, Stromabschaltungen und überhaupt groben Infrastrukturproblemen zum Erliegen gekommen. Seitdem müssen Stoffe importiert werden, aus anderen afrikanischen Ländern, aus Indien und China.

Viel billiger als diese Importstoffe ist die mitumba Kleidung, Second-Hand-Kleidung aus den westlichen Ländern, die bei uns im Zuge von Altkleidersammlungen gesammelt wird. Diese werden ballenweise nach Afrika, auch Tansania, verkauft. Zwischenhändler kaufen die Altkleider sackweise von riesigen Depots in Dar es Salaam und verkaufen sie weiter, auf Märkten, an Klein- und Straßenhändler. So gelangen Jeans, beschriftete T-Shirts und gebrauchte Schuhe bis in den hintersten Winkel Tansanias.

4. King of the roads – blaue Rabauken bremsen nicht

Blaue Trucks sind so etwas wie das Wahrzeichen der Straßen. Sie stellen die Versorgung der ländlichen Gegenden sicher und transportieren Waren aus den größeren Städten aufs Land, wie hier am Lake Eyasi.

LKW-Fahrer sind als Rabauken bekannt, die viel und gerne trinken und mit eiernden Reifen und verschobenen Achsen mit 120 über die Pisten rasen.

Dramatische LKW-Unfälle sind an der Tagesordnung. Oft machen sich die Unternehmer, denen die Trucks gehören, gar nicht die Mühe, die havarierten LKWs zu bergen. Die Bergung würde mehr kosten als der LKW wert ist. Dann bleibt er eben liegen, bis er von den Dorfbewohnern komplett ausgeschlachtet ist. Recycling auf Tansanisch!