In so verrückten Zeiten wie diesen ist es eine Herausforderung, einen kühlen Kopf zu bewahren. Oder einen sinnvollen Blog-Beitrag zu schreiben.

Ich habe mir gerade vorgestellt, wie es wohl wäre, an einem total isolierten Ort ohne WLAN und im Fernsehen übertragene Pressekonferenzen zu hausen. Komplett abgeschieden von der Welt; null Information über abgeflachte Kurven, exponentielles Viren-Wachstum oder Weltuntergangsszenarien.

Hier sind meine ganz persönlichen Top 5, wo ich mich jetzt am liebsten verkriechen würde:

1. Kichaka Camp, Ruaha National Park, Tansania

Definitiv meine erste Wahl. Kein Handyempfang, WLAN nur eingeschränkt und vor mir der Ruaha River, der gerade von Elefanten durchquert wird. Allein schon die Anfahrt lässt keine Wünsche offen: Nach nur 30 Minuten Fahrt auf holpriger Piste sind keine einzigen Fahrzeuge mehr zu sehen. Nur ich, mein Guide und der sanfte Wind, der die Blätter der Ilala-Palmen zum Rauschen bringt. Drei Stunden African Massage ab dem Airstrip , ich bin froh, dass mein Hinterteil gut gepolstert ist und den Härtetest besteht. Raus aus dem Auto, rein ins Abenteuer.

Safari-Insider-Tipp: Ich habe schon viele, viele Walking Safaris in meinem Safari-Leben gemacht, aber jene im Kichaka Camp bleiben in Erinnerung. Moli, der Camp-Betreiber und Guide, zählt mit Fug und Recht zu den besten Guides in Afrika. Man muss ausreichend gut Englisch sprechen. Moli, ein in Kenia aufgewachsener Brite, spricht schnell und mit viel Witz bzw. Ironie, aber seine akribische Beobachtung von Elefanten-Matriarchen mit nur einem Stoßzahn ist mir heute noch in Erinnerung.

Eine Walking Safari am Morgen, eine am späteren Nachmittag, mehr „Action“ passiert im Kichaka Camp nicht

2. Greystoke Mahale, Mahale National Park, Tansania

Die drei Affen kennt doch jeder: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Zwar stammt das Zitat aus dem asiatischen Raum und meint heute in unserem Sprachgebrauch etwas anderes, als ursprünglich damit gemeint war, aber ich möchte es in abgewandelter Form für Greystoke Mahale anwenden: Nichts sehen außer Bäume und Schimpansen, nichts hören außer den Wellenschlag des Wassers und die Geräusche des Waldes, nichts sagen müssen, außer wie man die Eier zum Frühstück wünscht und ob Gin Tonic oder ein Glas Wein zum Sundowner gereicht werden soll. Ach, herrlich!

Safari-Insider-Tipp: Schimpansen leben in Uganda und Tansania. Während in Uganda zwei der Parks, wo die „chimps“ leben, auf der 0815-Touristenroute liegen, ist der Mahale National Park so isoliert wie ein Gebiet nur isoliert sein kann. Das hat Vor- und Nachteile, wobei der größte Nachteil sicher im Preis liegt. Angefangen vom Flug über die Eintrittsgebühren bis hin zur Unterbringung – einige Nächte im Greystoke Mahale schüttelt man sich finanziell nicht so einfach aus dem Ärmel.

3. North Luangwa, Sambia

In Sambia gibt es viele Orte, die herrlich abgeschieden sind – Busanga Plains im Kafue National Park, Liuwa Plain, Bangweulu – aber irgendwie hat sich North Luangwa in mein Herz eingeschlichen. Egal, ob Sie im Mwaleshi Camp oder im Takwela Camp nächtigen, die Erfahrung ist dieselbe: Wildnis pur, grunzende Hippos in der Nacht, graue Staubwolken, wenn sich die Büffelherde ängstlich aus dem Staub macht und – mittendrin der Mensch per pedes.

Safari-Insider-Tipp: Ich glaube, es liegt an der Rustikalität der Camps, dass ich mich hier so wohl fühle. Ja, Komfort ist toll, aber manchmal passt es besser zu einem Ort, wenn ein Camp erdig-rustikal ist. Auf Komfort braucht man ja nicht verzichten, aber es ist eben erdiger und „naturbelassener“. Der wahre Luxus besteht ohnehin darin, in der Wildnis sein zu dürfen.

Der wahre Luxus besteht darin, völlig abgeschieden in der Wildnis zu sein.

4. Apoka Lodge, Kidepo National Park, Uganda

Leider ein Stiefkind in der Reiseplanung… Meist läuft es darauf hinaus, dass Reisende zu wenig Zeit oder Reisebudget haben, um den Kidepo National Park in einen Reiseverlauf einzubauen. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Aufenthalt dort: Es kribbelte im Bauch, zu wissen, dass hinter den blassblauen Bergen in nordwestliche Richtung der Süd-Sudan liegt. Wenn ich Geschichten hörte, wie Idi Amin im Kidepo Park gewütet hatte, bekam ich Gänsehaut. Die Ruinen seiner häßlichen Monster-Halbfertig-Lodge leuchteten wie ein mahnender Leuchtturm bei jeder Pirschfahrt zwischen den Gesteinsformationen. Mittlerweile soll sie sogar wieder in Betrieb sein, aber an Schönheit hat sie vermutlich nichts gewonnen.

Es fühlte sich an wie ausgleichende Gerechtigkeit: Idi Amin und seine meuchelnden Schergen sind tot, aber das Löwenrudel, das ich unterhalb der Ruine beobachtet hatte, lebte quietschfidel.

Safari-Insider-Tipp: Ja, Fahren ist natürlich eine Option, aber nur leidenschaftliche Verfechter der African Massage. Fliegen ist das Gebot der Stunde…. aber das gilt im Übrigen aber auch für alle anderen hier genannte Lieblings-Quarantäne-Stationen.

5. Kaya Mawa, Likoma Island, Malawi

Allein schon der Anflug treibt einem ein oder zwei Tränchen ins Auge: Türkisblaue Buchten, vanillegelbe Sandstrände, Gesteinsformationen wie Sommersprossen entlang der Küste, verwunschene Baobab-Bäume und vereinzelt funkeln Wellblech-Dächer in der Sonne – ich könnte noch zeilenlang schwärmen und schwelgen. Fotos tun dem Ort nicht Genüge. In Wahrheit sind Kaya Mawa und Likoma Island nämlich viel idyllischer.

Safari-Insider-Tipp: Wie es sich für einen Geheimtipp gehört, ist die Anreise langwierig, nämlich über Lilongwe und wenn es ganz blöd hergeht, sogar mit Nächtigung in Lilongwe. Daher sollten Sie ausreichend Tage einrechnen, um die langwierige Anreise zu kompensieren. 4-5 Tage erachte ich persönlich als Minimum, wenn man sie schon einmal in Kauf nimmt.

 

Jetzt, wo ich so richtig in Fahrt bin, fallen mir noch unzählige Orte in Afrika ein, die ich anpeilen könnte, um meine ganz persönliche Quarantäne zu zelebrieren. Deshalb setze ich noch eine 6. Lieblingslodge drauf, obwohl ich ja nur über die Top 5 schreiben wollte:

6. Fanjove Island, Tansania

Nichts für Bequeme, so viel steht fest. Anflug mit Umstieg in Dar es Salaam oder Sansibar, Landung auf Songo Songo, Umstieg in ein Lasten-Tuktuk, um zur Bootsanlegestelle zu kommen, die letzte Stunde per Motorboot mit schäumender Gischt und gelegentlichen Fontänen aufs Boot. Aber der Aufwand zahlt sich aus. Nur 6 Bandas, Sandstrand so weiß und fein wie Puderzucker, keine Laute außer Vogelgezwitscher, rauschende Palmen und der säuselnde Wellenschlag des Meeres.

Safari-Insider-Tipp: Mobilfunk und WLAN funktionieren ausschließlich in einer bestimmten Ecke und Steckdosen gibt es nur im Hauptgebäude … ja, genau, so stelle ich mir meine mir persönlich auferlegte Quarantäne von der viel zu vernetzten Welt vor.

In nur 30 Minuten ist das kleine Inselchen, auf dem die Lodge steht umrundet. Meine kleine Welt, wenigstens für ein paar Tage.

Haben Sie Lust bekommen auf isolierte, wilde, abenteuerliche Orte in Afrika?