Je tiefer die Furchen auf der Piste, desto breiter sein Lachen. Während wir hinten stöhnen, manövriert Frank den Geländewagen mit kindlicher Freude durch und um die Löcher. Ein paar neugierige Giraffen verschaffen uns eine Verschnaufpause. Frank dreht sich um und zwinkert uns verschwörerisch zu: „Enjoy your African Massage!

Die Drivers lieben ihren running gag und geben ihn so oft als möglich zum Besten. In der Tat wünschte ich mir nach manchen Pisten am Abend eine Massage…. Doch Massagen im westlichen Sinn sind ein noch junges Phänomen im östlichen Afrika.

Beauty und Kosmetik historisch gewachsen

Traditionell beschränkt sich „Wellness und Beauty“ im ostafrikanischen Kulturraum auf Körperpflege und Kosmetik im weitesten Sinn.

Traditionell lassen sich Frauen an der Swahili-Küste mit kunstvollen Henna-Bemalungen an Händen, Füßen und Fußsohlen schmücken. Sie bringen die Schönheit der Frauen und Lebensfreude zum Ausdruck. Damals wie heute ist dieser Hautschmuck vornehmlich Bräuten oder verheirateten moslemischen Frauen vorbehalten, denn das andere Geschlecht soll damit betört werden.

Außerdem unterzogen sich Sultane und ihre Haremsdamen regelmäßig ausgiebigen Waschungen. Die großen Badehäuser der Sultanspalaste zeugen davon.

Deshalb müssen sich Besucher bewusst sein, dass  Gesundheits- und Wellness-Behandlungen, wie sie heute in zahlreichen Hotels, meist der gehobenen Kategorie, angepriesen werden, nicht historisch mit der Kultur verwoben sind. Vielmehr sind sie das Resultat von Kundenwünschen, denen der moderne Tourismus-Anbieter seit Jahren folgt. Dass Spa und Wellness in Sansibar und Tansania keine Tradition haben, liegt unter anderem daran, dass der Islam Berührungen von Mann und Frau in der Öffentlichkeit verbietet.

Besucher dürfen sich keine internationale Qualität bei Massagen erwarten. Das liegt zum einen im fehlenden Körperverständnis und im mangelnden Wissen über biologische bzw. medizinische Vorgänge, zum anderen in der schlechten Schulbildung allgemein und ganz besonders in den unzufriedenen Standards der Massage-Schulen. Absolventinnen lernen die Handgriffe und Techniken, aber tiefergreifendes Wissen über Muskulatur und anatomische Zusammenhänge werden nicht unterrichtet.

Häufig werden Massagen in hübsch dekorierten Räumen, manchmal mit Aussicht aufs Meer oder den Busch, durchgeführt. (C) Green & Blue Hotel Sansibar

Wohlfühl-Massagen

Wer in Tansania oder Sansibar eine Massage konsumiert, sollte sich auf angenehme „Wohlfühl-Massagen“ einstellen. Gezieltes Lösen von Verklebungen,  punktuelle Schmerzlinderung oder richtiggehende sportmedizinische manuelle Behandlungen dürfen nicht erwartet werden. Aber Entspannung, Wohlbefinden und „eine Auszweit für eine Stunde“  bewirken Massagen in jedem Fall.

Solche Massagen bieten besonders kleinere Resorts und Lodges an, wo in einem kleinen, nett dekorierten Raum lokale Masseusen Behandlungen durchführen. Sie werden oft bei Bedarf und je nach Reservierungen gerufen und nach Stunden bezahlt. In zahlreichen Unterkünften in Karatu, Arusha, Sansibar, Dar es Salaam oder in anderen Ballungszentren bieten fast ausschließlich Frauen – teilweise sehr wohltuende – Massagen an. Im Busch, also in den Nationalparks oder abgelegenen Gebieten, darf man sich Wellness-Behandlungen nur in den High-End-Unterkünften erwarten, wo adäquate Staff Quarters eine räumliche Trennung von Frauen und Männern erlauben. Einfachere Zeltcamps verfügen nicht über diesen Luxus. Für eine einstündige Massage müssen 40, 50 USD veranschlagt werden.

Ein Spa nach internationalem Standard findet sich am ehesten in den großen, resortähnlichen Hotels, z. B. in Sansibar. Aufgrund ihrer Große können es  sich diese Anlagen leisten, erfahrene (zumeist ausländische) Spa-Manager und dazu balinesische oder thailändische Masseusen anzustellen. 30 Minuten Massage sind von 40 USD aufwärts zu haben. Spezialbehandlungen sind um einiges teurer – die Grenze nach oben hin ist dabei offen.

Da hat jemand in Asien gut aufgepasst! Schön anzusehen, aber nicht afrikanisch.