Thomas, mein Driverguide, bremst unvermittelt. Ein Hippo wackelt wie ein monströser Dackel ohne Hängeohren über die Piste in der Seronera Area. Ein paar Aaahs und Oooohs begleiten das elektronische Klicken aus dem Wagen nebenan, der ebenfalls stehen geblieben ist. Plötzlich donnert ein Ungetüm auf uns zu, das einem Hippo gar nicht so unähnlich sieht. Flugs werden die Dachluken und Fenster geschlossen, damit der Tankwagen uns nicht in Serengeti-Staub paniert. Das Hippo hat sich zwischenzeitlich vom Acker gemacht.

Wie kommt ein Wassertankwagen in der Serengeti?

Der Wasserbedarf eines Camps ist enorm: Wasser zum Duschen, für die Hygiene am Waschbecken, für die Toiletten, zum Putzen, zum Kochen, zum Wäschewaschen, zum Trinken (nachdem es mehrmals gefiltert wurde) – aber nicht nur für die 20 oder 30 Gäste im Camp, sondern auch für die Mannschaft hinter den Kulissen, also gut für 40, 50 Menschen pro Camp (und Tag!).

Ein paar Tausend Liter Wasser (ein Camp Manager hat 3000 l Minimum geschätzt) verbraucht jedes Camp täglich. Bei hochgerechnet 30 Camps in der Seronera Area (Serengeti) allein, die allesamt an die 300 Tage im Jahr operieren, kommen da schwindelerregende Summen an Wasserverbrauch zusammen. Das Wasser wird mit Pumpen aus den Flüssen und Wasserlöchern in den Parks entnommen, mit schwerwiegenden Folgen für die Natur langfristig.

Kein einziges Camp in Afrika kann oder will aber auf Wasser verzichten, weil die westlichen Gäste Fließendwasser als Selbstverständlichkeit erachten. Viele rümpfen bereits bei der für viele Teile Afrikas typischen Bucket Shower die Nase.

Der Wasserverbrauch in den Camps zeigt nur beispielhaft, dass Umweltschutz eine große Herausforderung in Afrika ist.

Umwelt- bzw. Naturschutz ist noch nicht bei den Einheimischen angekommen

Die Menschen sind damit beschäftigt, ihr Überleben zu sichern. Ob Plastikmüll sich vorne am Straßenrand stapelt oder fachgerecht entsorgt wird, ist egal. Ob der Wald nebenan schrumpft, weil man das Holz für die Holzkohleerzeugung schlägert, ist ebenso nebensächlich, wenn die Einnahmen daraus Kartoffeln, Reis und Maismehl auf den Tisch bringen. Ob der Wassertank hinter dem Haus tropft, kümmert auch niemanden.

Kurz: Naturschutz ist ein Luxusproblem. Menschen in Armut haben existentiellere Probleme.

Ist Green Travelling überhaupt möglich in Afrika?

Menschen im Westen leben in Komfort und Überfluss. Ohne auszukommen ist für viele unvorstellbar.

Vor einigen Jahren wollte eine Kundin die Reise nach Tansania fast stornieren, weil sie in den Nationalparks auf den Haarfön verzichten musste. Aber Föns erzeugen Stromspitzen, die Generatoren und Invertoren zerstören. Deshalb sind sie in den meisten Camps Tabu.

Reisenden, die 5000 € und mehr für den Urlaub in Afrika hinblättern, zu erklären, sie müssten auf selbstverständliche Annehmlichkeiten verzichten, ist schwierig. Bei DEN Kosten müsste es doch eher der ultimative Luxusurlaub sein! Doch in Afrika zahlen Gäste nicht nur für Komfort, sondern vor allem die Location, die personal- und geräteintensive Pflege der Naturschutzgebiete und die fehlende Infrastruktur, die der Staat nicht stellt.

Raus aus dem Auto! Afrika ist so viel eindrücklicher, wenn Sie es mit eigener Muskelkraft erfahren.

Green Travel zerschellt an der Wirklichkeit in Afrika. Man benötigt benzinsaufende Geländewägen, um auf schmerzvollen Buckelpisten von A nach B fahren zu können. Große Distanzen erfordern oft Inlandflüge, speziell wenn nur 14 Tage für den Urlaub anberaumt sind. Lebensmittel müssen fast immer per LKW in die Camps gekarrt werden, denn die großen Supermärkte und Märkte liegen in weit entfernten Städten. Wasser in Plastikflaschen ist zumindest unbedenklich zu trinken und geschmacksneutral, während gefiltertes/gereinigtes Wasser einen Nachgeschmack hat. Batterien in Taschenlampen erzeugen ein viel besseres Licht als es Solarlampen je könnten. Die Voraussetzungen für ökologisch vertretbares Reisen sind also denkbar ungünstig.

Safari-Insider-Tipp: Ein Solarpanel macht noch lange kein Öko-Camp. Die Solarenergie wird heutzutage fast überall für Warmwasser und Beleuchtung eingesetzt, bedeutet aber nicht, dass das Camp zwangsläufig Plastikmüll oder den Wasserverbrauch reduziert.

Green Travelling beginnt und endet zu Hause

Ökologisch verträglich zu reisen, beginnt bei den richtigen Kaufentscheidungen zu Hause, bei der Müllreduktion im Vorfeld der Reise und bei intelligentem Packen.

Folgende Möglichkeiten haben Reisende, die so weit als möglich umweltverträglich unterwegs sein möchten:

Vor der Buchung

  • Stellen Sie  viele Fragen (und hoffen Sie, dass die Antworten a) überhaupt korrekt und b) nicht nur Werbegedöns sind)
  • Buchen Sie zwischendurch echte Ökocamps (nicht solche, die nur vorgeben welche zu sein), die beispielsweise am Plumpsklos ohne Wasserspülung und einfacherem Standard erkennbar sind. Die Auswahl ist leider limitiert, nur wenige Camps operieren mit einem kleinen CO2-Fußabdruck.
  • Reduzieren Sie die Zeit im Auto und unternehmen Sie Wanderungen, Radfahrten oder ähnliche Aktivitäten ohne benzinfsaufendes Fahrzeug.
  • Prüfen Sie die Unterkünfte genau. Je größer eine Camp- oder Lodge-Kette ist, desto weniger grün oder ökologisch nachhaltig kann sie vermutlich operieren. In großen Unternehmensgruppen dominiert eher die Gewinnmaximierung, die mit ökologischer Ausrichtung nicht möglich ist. Gleiches gilt für kostengünstige Camps. Viel häufiger sind die kleinen, oft inhabergeführten Privat-Camps in der guten und gehobenen Mittelklasse grüner und nachhaltiger.
  • Freuen Sie sich in den Nationalparks über Zimmer mit Bucket Shower, also einer Art Campingdusche, wo bei Bedarf 20 l über Feuer erhitztes Wasser gefüllt wird. Nur so kann der Wasserverbrauch limitiert werden!

 

Oft sind echte Ökcoamps sehr rustikal und einfach: offene Bauweise, wenig Firlefanz, viel Buschfeeling.

Vor der Reise

  • Entsorgen Sie Plastikmüll von Kosmetikartikel oder anderen Reiseartikeln, bevor Sie nach Afrika reisen.
  • Wenn möglich, kaufen Sie sanfte, schonende Hygieneprodukte, um das Grundwasser nicht unnötig zu belasten.

Auf der Reise

  • Vermeiden Sie Einweg-Plastikflaschen (ist nicht immer möglich), z. B. durch nachfüllbare Trinkflaschen, die einige Camps und Tour Operators ausgeben. Notfalls sind die Trinkflaschen selbst von zu Hause mitzunehmen.
  • Duschen Sie in den Buschcamps nur einmal pro Tag.
  • Waschen Sie Wäsche und Haare lieber in den Städten und Ballungszentren, die am öffentlichen Wassernetz angeschlossen sind oder wo Wasser leichter verfügbar ist.
  • Nehmen Sie Batterien oder Problemmüll (Plastikverpackungen von Hygieneprodukten, Blechdosen, Verpackungen aus Metall, anderer Sondermüll, etc.) wieder mit nach Hause, denn in Afrika werden sie nicht adäquat entsorgt. Es gibt weder Mülltrennung noch Müllverbrennungsanlagen in Afrika, entweder man verbrennt die Stoffe oder entsorgt sie in einem Loch.
  • Machen Sie weniger Kilometer auf Pirschfahrten und verweilen Sie an einem Ort länger (mit abgestelltem Motor).
  • Schalten Sie Licht und Klimaanlage aus, sobald Sie das Zimmer verlassen.
  • Bei unerträglicher Hitze verzichten Sie auf den Ventilator oder die Klimaanlage. Binden Sie sich einfach ein nasses Tuch um die Hüften oder legen es um die Schultern. 
  • Verzichten Sie öfter auf Fleisch, denn gutes, abgehangenes Fleisch hat mehrheitlich lange Transportwege, u.a. aus Kenia oder Südafrika, hinter sich.

Safari-Insider-Tipp: Seien Sie ein Vorbild. Alles, was Gäste nicht nachfragen, wird längerfristig nicht mehr angeboten. Von Afrikanern dürfen Sie kein Umweltbewusstsein erwarten, importieren Sie es nach Afrika!

 

Solarlampen sind ein wichtiges Indiz für ein Ökocamp …. aber bei weitem nicht das einzige.

Mein persönliches Fazit

Ich persönlich empfinde Reisen in Afrika immer als befreiend.

Niemanden kümmert es, wenn mein Haar nicht perfekt sitzt (der Fahrtwind in den Fahrzeugen macht jegliche Styling-Versuche ohnehin zunichte). Kleidung muss nicht blitzblank sauber sein, denn die nächste Staubwolke kommt bestimmt. Weniger Komfort bedeutet auch nicht unbedingt schlechter … im Gegenteil, dadurch schätze ich erst wieder die Selbstverständlichkeiten, die mir Europa bietet. Die Comfort Zone zu verlassen macht mich zufriedener und empathischer gegenüber den Widrigkeiten des Lebens.

In Afrika freue ich mich auf einen guten Cappuccino in Graz, aber wie oft träume ich in meiner Badewanne zu Hause von einer rudimentären Bucket Shower mit Blick auf das Luangwa Valley.

Versuchen Sie es bei Ihrer nächsten Afrika-Reise! Sie werden sehen, Ihnen bleibt die Reise viel eindrücklicher in Erinnerung.

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