Wir haben gerade Ende April und bei uns in Mitteleuropa läuft der Frühling zur Höchstform auf. Ostafrika hingegen wurde von den seit Langem heftigsten Regenfällen komplett unter Wasser gesetzt. In Tansania sind die Böden aufgeschwemmt, etliche Brücken (teils in Nationalparks) wurden von den Wassermassen weggerissen. Vor allem an der Küste sind sogar Tote zu beklagen.

Meine Freunde in Arusha sind schon recht genervt, weil die schweren Regenfälle dieses Jahr überhaupt kein Ende nehmen. Dabei ist erst offiziell die Hälfte der Regenzeit vorbei!

Über Wochen ließ sich der Kilimanjaro nicht mehr in voller Pracht blicken. Für die Touristen ein bedauerlicher Umstand, weil ihnen dieser atemberaubende Anblick verwehrt bleibt. Für die Einheimischen hingegen bedeutet der Regen fruchtbare Böden im kommenden Jahr. Immerhin stellt er sicher, dass sie ihre Felder bestellen und ihre Familien ernähren können. Aus dieser Notwendigkeit heraus haben die Tansanier ein ganz besonderes Verhältnis zum Regen. Kaum einer von ihnen spannt einen Regenschirm auf, die Kinder plantschen ungehindert in den Wasserlöchern. Kommt ein Regenguss, wird man klitschnass. Daran stößt sich niemand! Schließlich kommt bald die Sonne heraus und trocknet Haare und Kleidung.

Sofern der Regen nicht so wie in den vergangenen Tagen und Wochen große Schäden anrichtet und gar Menschenleben fordert, setzt er etwas sehr Gutes in Gang: Wachstum!

Die Regenfälle sind unberechenbar

Oft erreichen mich Anfragen von LeserInnen meiner Reiseführer oder KundInnen bezüglich einer Tansania-Reisezeit im April/Mai. Meine Antworten:

  • Ja, selbst zu diesen Zeiten sind aufregende Safaris möglich, aber nicht in allen Parks. Die südlichen Parks sind komplett unzugänglich, aber viele Gebiete im Norden verfügen über Allwetter-Pisten.
  • Sie brauchen Geduld, da es wegen der Schlammschlachten auf den Verkehrswegen auch mal zu Verzögerungen kommen kann.
  • Es gibt keine 12-Stunden-Sonnenschein-Garantie.
  • Rechnen Sie jeden Tag mit zumindest ein paar Regenstunden. Manchmal sind’s drei Stunden, es können aber auch acht Stunden sein.
  • Vertrauen Sie keinen Versprechungen, die Große Migration zu sehen.
  • Ganz wichtig ist eine lückenlose Urlaubsplanung. Achtung: Viele Unterkünfte sind zu der Zeit geschlossen! Besucher sind eingeschränkt in der Auswahl der Camps, aber dafür bieten die Camps hübsche Regenrabatte.

Tansania ist riesig! Vom südlich gelegenen Mtwara bis nach Bukoba im Norden sind es 3 Tage Fahrzeit mit dem Auto. Auch der Wind braucht einige Zeit, um die Wolken über eine solche Distanz zu blasen.

Eine Safari während der Regenzeit hat ihren ganz speziellen Reiz. Allerdings muss sie besonders gut geplant sein.

Die Regensaison gilt als eröffnet, wenn in Kilwa oder Mtwara die ersten Güsse fallen, was zumeist Ende Februar/Anfang März geschieht. Stetig ziehen die dunklen Wolken nordwärts. Als nächstes ist Dar es Salaam an der Reihe, dann das Selous Game Reserve und der Ruaha National Park, danach Mbeya und die beiden großen Seen Lake Nyasa (Malawi) und Lake Tanganyika. Im Süden schließen daher viele Nationalparks bereits Anfang März.

Regenzeit bedeutet nicht, dass es permanent regnet. In der Regel schüttet es zwar täglich, aber jeweils nur wenige Stunden. Manchmal gießt es über Nacht. Es kann aber durchaus vorkommen, dass es zwei oder drei Tage durchregnet. Nach jedem Guss lässt sich zwischen den Wolken wieder die Sonne blicken. Allerdings hat diese Herbstsonne zu wenig Kraft, um die aufgeweichten Böden zu trocknen. Ganz schnell werden Pisten unpassierbar, vor allem bei Black Cotton Soil (Vertisol).

Der Regen lenkt die Migration

Tansania Kenner wissen: die Große Migration ist unberechenbar! Niemand kann vorhersagen, wann sich die große Tierwanderung wo aufhalten wird. Route und Tempo hängen von den Regenfällen ab.

Die einzige Konstante ist die Tatsache, dass die Tiere dem Nass folgen. Regnet es in einem Gebiet früher als sonst, wandern die Tiere früher auf ihrem Rundkurs weiter. Der Duft des Regens zieht sie magisch an.

Erfahrungswerte gibt es selbstverständlich, diese sind jedoch keine Garantie für künftige Perioden. Seriöse Reiseveranstalter werden also in Bezug auf Sichtungen keine Versprechen machen. Reisende müssen während der Regenzeit damit rechnen, dass der Regen sich nicht an deren Streckenplanung hält. Die Natur lässt sich nun einmal nicht in ihr Werk pfuschen.

Meine Erfahrungen mit Regenzeiten

Für meine Recherchereisen halte ich mich oft mehrere Monate durchgehend in Tansania auf. Gerne nutze ich dafür die Nebensaisonen.

So kam ich vor ein paar Jahren Mitte April in der Serengeti an. Viele Camps, besonders jene weit abseits der Hauptpiste, waren geschlossen. Zweimal blieben wir im Schlamm stecken. Zum Glück kamen Versorgungsfahrzeuge vorbei und auch Camp-Manager oder -Angestellte, die selbst auf dem Weg in den Urlaub oder retour waren. (In Tansania gibt es einen gesetzlichen Urlaubsanspruch von 4 Wochen pro Jahr.) Sie hielten an und zogen uns im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Dreck. Was mich persönlich erstaunt hat, war die große Zahl der Touristen, die zu der Zeit unterwegs waren. Sämtliche geöffneten Camps waren nicht zur Gänze, aber immerhin gut gebucht. Die Reisenden bekamen zwar nicht die ganz große Fülle an Tieren zu sehen, aber allein die Ausläufer der Migration, die sich in der Südserengeti und der Seronera-Area bewegten, waren umwerfend. Die rennenden Meuten an Gnus und Zebras boten einen erhebenden Anblick.

Wer im Schlammloch steckt, ist auf spontane Hilfe angewiesen.

Einzelne Destinationen in der Regenzeit

Northern Circuit

Bis die Wolken den Norden erreichen, kann es schon zwei bis drei Wochen dauern. Safaris in den nördlichen Parks wie Manyara National Park, Ngorongoro Crater und auf den Hauptpisten der Serengeti sind durchaus bis Mitte oder manchmal sogar Ende März machbar. Selbst während der ersten Regenfälle sind die hiesigen Pisten noch gut zu befahren, sodass die Camps bis Ende März geöffnet haben. Sofern die tückische Black Cotton Soil und einige matschige Pisten das Fortkommen nicht zu sehr behindern, lässt sich in der West-Serengeti die Überquerung des Grumeti River durch den Tiertrek der Großen Migration wunderbar beobachten. Gnus und Zebras versuchen, mit ihren Jungtieren den hungrigen Krokodilen zu entkommen, die im Fluss auf Beute lauern.

Usambara Mountains

In die Berge zu reisen ist generell möglich, allerdings trüben die tiefhängenden Wolken die Fernsicht. Dazu kommt, dass die Wanderpfade glitschig und verschlammt sind. Wer sich an die Hauptpisten und –straßen hält und seinen Fokus auf Dorfleben bzw. Kulturtourismus richtet, kann Lushoto bedenkenlos besuchen.

Die südlichen Parks

Für Selous, Ruaha National Park, Mikumi National Park oder das Umland der großen Seen wie Lake Nyasa (Malawi), Lake Tanganyika oder Lake Victoria) gibt es eindeutig bessere Reisezeiten. Auch an der Festlandküste regnet es heftig und oft. Weder Dar es Salaam noch Bagamoyo oder Kilwa sind während der Regenmonate sonderlich ansehnlich. Außerdem halten in den Parks alle Unterkünfte geschlossen.

Lichtverhältnisse trüben die Foto-Safari

Selbst passionierte Fotografen haben mit den Regenmonaten ihre liebe Not. Die Farben verändern sich ständig, die für Afrika typischen goldbraunen Farbtöne fehlen komplett. Die Savanne ist ergrünt, die Pisten sind dunkelbraun und selbst die Sonnenauf- und –untergänge haben eine andere Farbqualität.

Somit bleiben die Aufnahmen eher trüb und fahl, selbst wenn die Tage in der Erinnerung gar nicht so grau erscheinen.